Die prächtig blühenden Apfelbäumchen entlang der Zufahrt zum Birchhof im Aargauer Fricktal sind gut für die Romantik und gut fürs Geschäft. Da wachsen nicht nur schöne Blüten, sondern eine ordentliche Ernte heran.
«Spätfröste sind zum Glück nicht gemeldet für die nächsten Tage», freut sich Lukas Treier, der den Betrieb zusammen mit seinem Bruder Tobias führt. «Gegen Frostereignisse wie 2017 sind wir ziemlich machtlos. Umso wichtiger ist es, dass wir die Kulturführung sehr gut im Griff haben und nichts dem Zufall überlassen.»

Schon die Grosseltern pflanzten Obst an
Äpfel und Birnen sind das Kerngeschäft von Familie Treier in Wölflinswil AG. Schon die Grosseltern hatten Obstbäume angepflanzt. Die Eltern Hans und Judith Treier spezialisierten sich weiter auf Obstbau in gedeckten Anlagen und wechselten von der Milchproduktion zu Mutterkühen und Schweinemast.
Seit 2025 führt die nächste Generation mit den Brüdern Lukas (29 Jahre) und Tobias (28 Jahre) den Familienbetrieb weiter. Sie erinnern sich nicht an einen Moment der Entscheidung. «Es hat sich einfach mit der Zeit in diese Richtung entwickelt», erzählt Tobias Treier. Auch von den Eltern habe es keinen Druck gegeben.
Klare Arbeitsteilung in der Familie
Jetzt sind die Eltern bei ihren Söhnen angestellt. Der jüngste Bruder Andreas arbeitet ebenfalls Vollzeit auf dem Hof. Die Schwester Kathia ist Kauffrau und unterstützt bei Arbeitsspitzen.
Die top ausgebildeten Brüder haben eine klare Aufgabenteilung: Der Obstfachmann und Meisterlandwirt Lukas leitet die Produktion und Vermarktung des Obstes. Der Landwirt mit Betriebsleiterschule und Zimmermann Tobias kümmert sich um Tiere, Futterbau und Obstlagerung. Der gelernte Maurer Andreas arbeitet als Maschinist und Allrounder.
Familie Treier vermarktet das Obst direkt
Während die Mastschweine und Natura Beef über den Handel abgesetzt werden, gehen Obst und Beeren in die Direktvermarktung im eigenen Hofladen, an Volg-, Landi-, andere Hofläden und an Firmen mit Pausenobst.
Familie Treier erfüllt individuelle Kundenwünsche, bietet eine breite Palette an Verkaufsgebinden an. Sie liefert neben Äpfeln, Birnen und Zwetschgen auch Erdbeeren, Süssmost und Trockenfrüchte.
«Gute Äpfel produzieren andere auch. Wir heben uns durch das Gesamtpaket ab», sagt Lukas Treier. Die Liefertour führt jeden Montag und Donnerstag zu den rund 40 Kunden von Olten bis Pratteln. Dabei hält Lukas Treier die Augen offen nach weiteren potenziellen Abnehmern.
Rund eine Arbeitskraft wird ganzjährig für die Vermarktung eingerechnet, die Betreuung des Obstlagers mit Sortierung beansprucht einen halben bis zwei Tage pro Woche. Der Birchhof verfügt über eine Obstsortieranlage mit Wasserentleerung für Grosskisten. Die Kühllager sind teilweise mit CA-Technik ausgerüstet und fassen insgesamt 300 Tonnen.
Positive Erfahrungen mit neuer Sorte
Die 20 000 Niederstammobstbäume wachsen unter Hagelschutznetz und werden tröpfchenbewässert. Die Hauptsorten auf dem Birchhof sind Gala, Braeburn und Diwa. Vor drei Jahren pflanzten Treiers einige Reihen der schorf- und mehltautoleranten Sorte Bloss.
Sie komme bei der Kundschaft gut an und funktioniere bisher auch im Anbau, erzählt der Obstfachmann Lukas. Bleiben die Erfahrungen positiv, dehnt er die Sorte aus.
Erdbeeren sind arbeitsaufwändig
Die Erdbeeren wurden 2020 eingeführt und seither stetig ausgedehnt. Weil der schwere Boden rund um den Hof nicht ideal für den Beerenanbau ist, wachsen die Erdbeeren in Kisten auf Stellagen rund 1,2 Meter über Boden. Schläuche entlang der Gestelle versorgen die Pflanzen bedarfsgerecht mit einer Nährlösung aus Wasser und Dünger.
Dank Regendach wird Pflanzenschutzmittel gespart, ernten lassen sich die Beeren bequem auf Brusthöhe. Diese Vorteile rechtfertigen gemäss Lukas Treier den Investitionsbedarf von rund 70 000 Franken. Die anspruchsvolle Kultur brauche eine Sieben-Tage-Betreuung, sei dafür ein Frequenzbringer im Direktverkauf, erzählt Lukas Treier.
Auf 0,3 Hektaren Fläche ist mit einer durchschnittlichen Erntemenge von zehn Tonnen zu rechnen. Die Erdbeeren, noch unter der Betriebsleitung von Vater Hans eingeführt, waren ein Projekt von Lukas. «Vater hat uns Söhne schon früh Verantwortung übergeben und in Entscheidungen miteinbezogen. Die Hofübergabe war ein fliessender Prozess», kommentiert Lukas Treier.

Abschalten in der Freizeit
Sein Telefon vibriert häufig; organisieren gehört zu seiner Arbeit. Die Co-Betriebsleiter setzen sich jeden Morgen an den Tisch und planen das Tagesgeschäft. Die Zusammenarbeit zwischen den Brüdern und den Eltern funktioniere gut, sind sich die Beteiligten einig.
Wenn sich die vier Geschwister auch noch im Turnverein treffen, ist nicht zu viel Nähe das Problem, sondern eher das Abschalten – «der Betrieb sollte nicht auch noch in der Freizeit das grosse Thema sein», findet Lukas. Immerhin: Weil alle Brüder und auch der Vater überall einspringen können, sind entspannte Ferien und Wochenendablösungen möglich.
Betriebsspiegel Birchhof
Betriebsleiter: Lukas und Tobias Treier LN: 55 ha in einer ÖLN-Gemeinschaft, davon 20 ha Ackerbau mit Weizen und Raps Spezialkulturen: 5,5 ha Äpfel, 1 ha Birnen, 0,7 ha Zwetschgen, 0,3 ha Erdbeeren Tierhaltung: 25 Mutterkühe mit Kälbern (Natura Beef), 500 Mastschweine (IP Suisse) Arbeitskräfte: Betriebsleiter Lukas und Tobias Treier, Eltern Hans und Judith Treier, Bruder Andreas Treier, 1 familienfremde Arbeitskraft, 3 Saisonniers, 8 bis 10 Teilzeitmitarbeitende Weiteres: Hoflagerung und Direktvermarktung von Obst und Verarbeitungsprodukten; in den Bereichen Landwirtschaft und Obstbau verschiedene Dienstleistungen wie z.B. Pflanzenschutz für andere Betriebe





