Kann eine Wohnsiedlung noch näher an einen Kuhstall gebaut werden, als dies beim Betrieb Laschmatt in Schwyz der Fall ist? Das wäre tatsächlich nur noch möglich, wenn man die Gebäude zusammenbauen würde, denn der Abstand zwischen dem alten Kuhstall von Familie Pfyl und dem Nachbargebäude in der Wohnzone beträgt weniger als einen Meter. 

«Wenn wir mit dem Gebläse Heu abladen, bläst es den Heustaub bis auf die Terrassen unserer Nachbarn», erklärt Melanie Pfyl. Zusammen mit ihrem Partner Urs Gwerder führt sie seit 2022 den Landwirtschaftsbetrieb Laschmatt als Nebenerwerbsbetrieb. 

Melanie Pfyl arbeitete zwar schon als Kind gerne mit den Tieren auf ihrem elterlichen Hof, aber eine Betriebsübernahme war für sie nie ein Thema. Sie machte eine kaufmännische Ausbildung, absolvierte mehrere Weiterbildungen und gehört heute einem Beratungsteam für ein Buchhaltungssystem in einem Treuhandunternehmen an.

Betriebsübernahme mit dem Partner

Der Bruder von Melanie Pfyl machte im Jahr 2011 berufsbegleitend die Ausbildung zum Nebenerwerbslandwirt. Noch im gleichen Jahr verstarb er aber bei einem tragischen Arbeitsunfall.

«Dieser Verlust war für unsere Familie schwer zu verarbeiten. Wie es mit dem Betrieb weitergehen sollte, wurde lange Zeit unbewusst verdrängt», erinnert sich Melanie Pfyl. Erst als ihr Vater kurz vor seiner Pensionierung von einem anderen Bauern wegen Pachtland angefragt wurde, kam es zu konkreten Gesprächen über die Zukunft des Hofes. 

«Gemeinsam mit meinem Lebenspartner Urs Gwerder beschloss ich, den Betrieb 2022 zu übernehmen», so die heute 39-jährige Schwyzerin. Urs Gwerder verbrachte als Kind seine Freizeit mehrheitlich auf dem Hof seines Grossvaters und machte die Ausbildung zum Landwirt. «Die Hoffnung, einmal einen eigenen Betrieb zu haben, gab ich aber schon vor Jahren auf», so der gebürtige Muotathaler.

Zehn Mutterkühe und 50 Mutterschafe

Heute bewältigen Melanie Pfyl und Urs Gwerder die Hofarbeiten gemeinsam. Melanies Vater Hans Pfyl hilft bei Arbeitsspitzen mit und macht während des Tages noch Kontrollgänge im Stall. 

Zehn Mutterkühe mit Kälbern plus aktuell noch ein geleaster Stier und rund 50 Mutterschafe mit Nachwuchs leben auf dem acht Hektar grossen Betrieb. Im Sommer geht das ganze Vieh in der Glattalpregion auf die Alp, im Frühjahr und vor allem im Herbst weiden die Schafe mehrheitlich auf hoffremden Parzellen.

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Abschalten bei den Tieren

Sowohl Melanie Pfyl als auch ihr Partner arbeiten noch in hohen Pensen auswärts. «Mein Arbeitgeber ist sehr flexibel und hat Verständnis, wenn ich bei einem Notfall oder einer Geburt kurz nach Hause muss», erklärt Melanie Pfyl. So sei es auch schon vorgekommen, dass sie zwischen Prozessberatungen und Strategieentwicklung nach einer kalbenden Kuh schauen musste. Weitere Vorteile ihrer Anstellung seien der Arbeitsort – mit dem E-Bike dauert ihr Arbeitsweg nur fünf Minuten – und der saisonal höhere Arbeitsanfall über die Wintermonate. «So habe ich im Sommer eher Zeit für das Heuen.» 

Ihr Alltag habe sich seit der Betriebsübernahme allerdings schon verändert. «Vorher ging ich als Ausgleich zu meinem Büroalltag gerne auf Skitouren, machte Laufsport und fuhr ausgiebig Velo. Heute habe ich mit der Stall- und Feldarbeit genügend Bewegung.» 

Melanie Pfyl erklärt das ohne Wehmut: «Für mich stimmt das so, bei unseren Tieren kann ich gut abschalten.» Entspannung finde sie auch bei einer gemächlichen Velotour oder einem gemütlichen Serienabend mit ihrem Partner.

Bevölkerung entferne sich von der Landwirtschaft

Melanie Pfyl ist bei ihrer ausserbetrieblichen Arbeitsstelle fast die einzige Person mit so engem Bezug zur Landwirtschaft. «Grundsätzlich beobachte ich viel Wohlwollen gegenüber der Bauernschaft, aber auch immer mehr Unwissen.» Dass sie einen Teil ihrer Tiere schlachte, sorge vereinzelt gar für Entsetzen. 

Die Bevölkerung entferne sich auch in ländlichen Regionen immer mehr von der Landwirtschaft: «Kürzlich hetzten zwei Jugendliche sinnlos unsere Schafe auf den Weiden herum und zerschnitten ein Zaunnetz. Viele haben keine Ahnung mehr von der bäuerlichen Tierhaltung», so Melanie Pfyl.

Trotz der extremen räumlichen Nähe gibt es mit der Nachbarschaft selber kaum Konflikte. Am problematischsten seien Neuzuzüger: «Darum hat meine Familie während des Baubewilligungsverfahrens einer grösseren Überbauung in der Nachbarschaft auch vorgängig notariell festhalten lassen, dass zukünftig von diesem Wohnquartier her keine Immissionsklagen möglich sind.»

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Nebenerwerbe für Einkommen entscheidend

Melanie Pfyl sieht die Zukunft ihres Nebenerwerbsbetriebs positiv. «Auch wenn unsere Umsatzzahlen im Vergleich zu Unternehmenszahlen in der übrigen Wirtschaft natürlich bescheiden sind, haben wir viel optimiert und die Kosten im Griff. 

Zudem ist unser 15-jähriger Laufstall zweckmässig und gut im Schuss.» Es sei aber auch klar, dass für ihre finanzielle Situation die externen Lohneinkommen von ihr und ihrem Partner ausschlaggebend seien. 

«Der Betrieb ist aber in unserem Leben ein zentraler Punkt, ein Ort, an dem wir gemeinsam arbeiten und unsere Ziele erreichen können», so Melanie Pfyl. Die Lebensqualität auf ihrem mitten in der Kleinstadt Schwyz gelegenen Hof mit dem rund 450-jährigen Bauernhaus sei ebenfalls wertvoll. 

«Auch wenn ich manchmal lieber abgelegen wohnen würde und es für mich noch ein Traum ist, einmal in den Weiten Kanadas unterwegs zu sein», so Melanie Pfyl.

Fünf Fragen an Melanie Pfyl

Was können Sie besonders gut?
Technische Probleme am PC lösen.

Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?
Die Weiten Kanadas besuchen.

Wie entspannen Sie sich?
Bei einem schönen Serienabend mit Urs oder bei der Kontrolle unserer Weidetiere.

Welche Arbeit liegt Ihnen nicht?
Hausarbeit war nie mein Hobby.

Was möchten Sie besser können?
Mit dem Besen den Futtertisch wischen, mein Partner meint, ich hätte da noch grosses Verbesserungspotenzial.