Im Stall steht eine Gruppe Studierende rund um eine Dozentin. Mitten in den Kühen diskutieren sie angeregt. Weiter hinten in einer windgeschützten Ecke sitzen einige Schülerinnen und Schüler in ihrer Pause. Das ist Alltag auf dem Betrieb Grange-Verney: hier sind verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Gründen anzutreffen. Der Kanton Waadt ist ein wichtiger Agrarkanton. Entsprechend gross ist mit 100 Hektaren auch der Betrieb, der direkt neben der Landwirtschaftsschule «Agrilogie Grange-Verney» liegt.

Feldversuche und Stallbesichtigungen

Die Übungskurse (ÜK) der Landwirtschaftslehrlinge finden ebenso auf dem Betrieb statt, wie die praktischen Prüfungen (Qualifikationsverfahren). Gleichzeitig werden auf dem Betrieb viele Feldversuche durchgeführt, wie die Sortenprüfungen für Kartoffeln oder Weizen für die Société coopérative des sélectionneurs ASS, die der Swisssem angeschlossen ist. Ebenso finden Versuche zur Fütterung beim Milchvieh und den Schweinen statt. So wurde letztes Jahr ein Fütterungsversuch beim Milchvieh durchgeführt, in dem es um den Einsatz von einheimischem Rapsschrot als Proteinersatz ging. Untersucht wurde, ob auch bei den neuen Rapssorten Geschmacksemissionen in der Produktion von Gruyère AOP zu erwarten seien. Auch Schulklassen besuchen den Hof, die während ihrer Schulreise eine Stallbesichtigung machen möchten.

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Die Öffentlichkeitsarbeit ist eine wichtige Aufgabe des Betriebes. Das Augenmerk ist daher stets auf die Sauberkeit und Ordnung gerichtet, damit auch «landwirtschaftsfremde» Besucherinnen und Besucher einen guten Einblick erhalten. Zudem steht der Betrieb für Weiterbildungen zur Verfügung. Der Alltag auf dem Betrieb Grange-Verney ist geprägt von verschiedenen Sitzungen, zum Beispiel mit Prometerre oder Besprechungen mit Dozenten und Dozentinnen. Ab 2026 ist Grange-Verney Standort der neuen Agroscope-Versuchsstation für landwirtschaftliche Böden, deren Ziel eine Referenzplattform für Praxis, Forschung und Wissensvermittlung zu bodenschonenden Bewirtschaftungspraktiken sein soll.

Betriebsspiegel
 
Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) gesamt:100 ha (davon je 50 ha auf 500 m.ü.M; 50 ha auf 800 m.ü.M.)
Tierhaltung: 35 Milchkühe und 30 Jungvieh; 22 Muttersauen, 130 Mastplätze
Vermarktung: Milch: Gruyère AOP
Schweinefleisch: Jambon de la borne AOP & boutefas AOP
Ackerbau: 50 ha: Raps 10 ha; Zuckerrüben 6 ha; Kartoffeln 2 ha; Getreide 22 ha (Weizen, Hafer, Gerste), Mais, Sonnenblumen, Eiweisserbsen, Lupinen
Futterbau: Kunstwiese 20 ha, Weiden und extensive Wiesen 30 ha

Die Alp Château d'Œx mit 30 Kuhrechten gehört ebenfalls zum Betrieb Grange-Verney

Team mit neun Mitarbeitern

Carole Labie führt den Landwirtschaftsbetrieb des Kantons Waadt seit 2020. Sie ist Agronomin und hatte mit Bestnote abgeschlossen. «Direkt nach dem Studium habe ich für eine Stallbau-Firma im Bereich Pferdehaltung gearbeitet», erzählt sie. «Doch mit dem Lockdown waren mit einem Schlag alle Messen weg. Die Beraterinnentätigkeit vor Ort war kaum mehr möglich». Gleichzeitig war die Stelle in Grange-Verney ausgeschrieben. Sie hat sich beworben und führt seither ein Team von insgesamt 9 Mitarbeitenden, dazu gehören auch 3 Lehrlinge. Obwohl es ihr damals noch an praktischer Erfahrung mangelte, wurde sie im Team sehr gut aufgenommen. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt auch André Magnin, der sie von Anfang an unterstützte. «Er hat seine langjährige Erfahrung mit mir geteilt und mir gleichzeitig Platz gelassen», erinnert sich die 32-jährige. Magnin ist unterdessen pensioniert, doch Carole Labie tauscht sich nach wie vor gerne regelmässig mit ihm aus.

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Die Ansprüche sind hoch

Dieses Jahr ist Carole Labie ausnahmsweise die einzige Frau im Team, doch es gab schon Jahre, in denen sie drei Landwirtinnen ausbildeten. «Die Frage ist, ob das Profil stimmt, und nicht das Geschlecht», sagt sie. «Wir funktionieren als Team gut, das ist die Hauptsache». Weil sie häufig wegen Sitzungen und Besprechungen abwesend ist, müssen alle Bescheid wissen und einspringen können. Der Austausch im Team hat einen hohen Stellenwert, die Zusammenarbeit funktioniert gut. Es seien genügend Leute da, damit nichts liegen bleibt. «Manchmal werden wir von Berufskollegen und -kolleginnen belächelt, weil wir ein grosses Team sind. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebes steht weniger im Vordergrund, als das üblicherweise auf Landwirtschaftsbetrieben der Fall ist», erzählt Labie. «Doch die Ansprüche an uns sind hoch.» Es könne schon vorkommen, dass eine Maschine auf dem Feld benötigt würde, diese aber den Landwirtschaftsschülerinnen und -schülern zu Lernzwecken zur Verfügung stehen muss. «Und selbstverständlich muss die Maschine dafür sauber sein. Das braucht manchmal schon viel Flexibilität.»[IMG 5]

«Am liebsten hätte ich eine Lehre angehängt»

Die Tiere sind Labies Lieblingsbereich. Wichtig ist ihr das Tierwohl. «Es soll niemand im Stall arbeiten und Melken, der das nicht gerne macht» erklärt sie. Sie legt grossen Wert auf einen ruhigen Umgang im Stall. Sie ist zwar nicht auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen, aber reitet seit 20 Jahren. So entstand auch ihr Berufswunsch, welcher nicht von Anfang an direkt in die Landwirtschaft ging. Sie studierte Agronomie mit Schwerpunkt Pferdewissenschaften. Das Praktikum, das sie im Rahmen ihres Studiums absolvieren musste, führte sie auf einen kleinen Hof im Berner Mittelland. Dort hat es ihr den «Ärmel reingezogen». «Am liebsten hätte ich eine Lehre als Landwirtin angehängt. Doch ich war schon für das Studium eingeschrieben» erläutert sie ihren Werdegang. «Das Praktikum hat meine Leidenschaft geweckt, und die habe ich bis heute». Sie ist ehrgeizig, und stets darauf bedacht, aus Erfahrungen zu lernen und sich weiterzubilden.