«Zuerst war ich etwa nervös, dann überkam mich eine Ruhe», erzählt Thomas Schefer, der kürzlich an der Appenzeller Landsgemeinde seine erste Rede vor einem grossen Publikum hielt. Der Landwirt und Lohnunternehmer aus Jakobsbad AI war im März zum Präsidenten des Bauernverband Appenzell Innerrhoden gewählt worden.
Auf Instagram hat er rund 25 000 Follower
Publikum ist sich Thomas Schefer gewohnt, allerdings bisher nicht «live». Unter dem Namen «Bagger Schefer» ist er seit rund fünf Jahren auf den sozialen Medien als Agrarinfluencer aktiv. Begonnen hatte er auf Facebook, später wurde er auch auf Instagram aktiv, wo er heute rund 25 000 Follower(innen) zählt. Es gehe ihm mit den kurzen Filmen vor allem darum, seine Freude an Maschinen zum Ausdruck zu bringen, sagt der Appenzeller. «Klar habe ich meine Tiere gern und berichte auch über die Tierhaltung, dennoch bin ich ein bekennender Maschinenlandwirt», erklärt er lachend.
Mutterkuhbetrieb und Lohnunternehmen
Neben seinem Landwirtschaftsbetrieb mit rund 30 Mutterkühen auf rund 1000 m ü M. am Kronberg führt Thomas Schefer ein Lohnunternehmen, das hauptsächlich Baggerarbeiten und Winterdienst anbietet. Beides hat er vor drei Jahren von seinem Vater Thomas Schefer sen. übernommen, der als Bezirks- und Grossrat engagiert ist. Während der Sohn früher Angestellter war, ist es heute umgekehrt. Auch der Bruder sowie eine Lernende arbeiten auf dem Betrieb mit.

Er ist bereit, Verantwortung zu übernehmen
Thomas Schefer war zuvor nicht aktiv im Bauernverband tätig gewesen und hatte auch sonst kein politisches Amt bekleidet. Nicht zuletzt wegen Schefers Tätigkeit als Agrarinfluencer war der scheidende Appenzeller Bauernpräsident Walter Mock auf ihn aufmerksam geworden, der auf der Suche nach einem Nachfolger war. Als dieser ihn anfragte, habe er zunächst gezögert, erzählt der 35-jährige Schefer. «Ich fragte mich, wie ich alles zeitlich unter einen Hut bringe.» Nicht zuletzt, weil seine Frau und er im letzten Jahr erstmals Nachwuchs erwarteten.
Schliesslich habe er zugesagt – auch weil seine Partnerin voll hinter ihm stehe. «Die Faust im Sack und jammern – das geht nicht», so Thomas Schefer. «Es braucht ja jemanden, der die Verantwortung übernimmt.» Dass ihm diese Aufgabe anvertraut wurde, mache ihn auch stolz.
«Das wäre ein kurze ‹Öberefahrt›»
Die Vorbereitung auf das neue Amt war Thomas Schefer wichtig. Während fast einem Jahr lief er an den Vorstandssitzungen mit, um sich mit den Aufgaben und Geschäften vertraut zu machen. Dabei habe er erlebt, wie engagiert alle im Vorstand seien. Jeder bringe seine Fähigkeiten und Erfahrungen mit ein. Die einen seien eher moderne Vertreter der Landwirtschaft, die anderen eher traditionelle.
Was ihn selbst betrifft: Er wisse die einheimischen Bräuche zu schätzen und zu ihrer Bewahrung beitragen. «Dennoch verkörpere ich nicht den herkömmlichen Appenzeller», so Schefer. «Weder bin ich in einem Jodelchor, noch trage ich eine Tracht.» Auch Alpfahrten finden in seiner Familie nicht statt, da die Kühe den Sommer auf den Weiden des Heimbetriebs verbringen. «Das wäre eine sehr kurze ‹Öberefahrt›», bemerkt er augenzwinkernd.
Diversifizieren, um das Unternehmensrisiko zu verteilen
«Schon mein Vater war kein traditioneller Landwirt», hält Thomas Schefer fest. So habe dieser etwa bereits 1997 auf Mutterkühe umgestellt, als einer der ersten in der Region. Er selbst verstehe sich als landwirtschaftlicher Unternehmer mit mehreren Betriebszweigen. Das gelte heute für viele Vertreter(innen) der jüngeren Generation. «Diversifizierung wird immer wichtiger, um auf den eigenen Beinen zu stehen und das Unternehmensrisiko zu verteilen».

Auf privaten Kanälen politisiert er nicht
Im Bauernverband will Thomas Schefer unter anderem seine Erfahrungen im Umgang mit den sozialen Medien einbringen. Die digitalen Netzwerke liessen sich gut nutzen, um auf Anliegen und Veranstaltungen aufmerksam zu machen – und dabei auch ein junges Publikum anzusprechen. Allerdings, so betont der Appenzeller, wolle er auf seinen privaten Kanälen nicht ins Politisieren kommen – hier stünde er als Fan und Nutzer moderner Landtechnik im Zentrum. Dabei liege ihm auch die schweizweite Vernetzung mit anderen Agrarinfluencern am Herzen.
Hofführungen für die Bevölkerung
Öffentlichkeitsarbeit betreibt Thomas Schefer nicht nur digital, sondern auch im persönlichen Austausch: Seit drei Jahren bietet er im Rahmen eines Angebots von Appenzell Tourismus Hofführungen an. Regelmässig empfängt er auf seinem Betrieb Gruppen von Interessierten. Darunter seien zwar auch Bauern, die sich gerne andere Betriebe anschauen. Doch zu rund 80 Prozent handle es sich um Personen, die nicht aus dem bäuerlichen Umfeld kämen und sich darüber informieren möchten, wie die Landwirtschaft funktioniert.
«Daraus ergeben sich zahlreiche spannende Gespräche», so Schefer. «Dabei sage ich den Leuten jeweils, dass sie mich alles fragen dürfen.» Er habe zwar nicht auf alles eine Antwort, aber scheue sich nicht, sich auch unbequemen Themen zu stellen.

