Seit zehn Jahren sind bei Marianne und Werner Siegrist Freilandschweine Teil der Fruchtfolge. «Vor zehn Jahren, als wir auf Bio wechselten, kauften wir fünf tragende Sauen. Rein aus Neugierde», erzählt Werner Siegrist. Sie hatten zwar vor über 20 Jahren bereits Mastschweine im Freiland gehalten, mit Sauen hatten sie bisher jedoch keine Erfahrung in dieser Haltungsform.
Förderung durch Austausch
Kürzlich brachte das Ehepaar seine Freilandschweine-Haltung interessierten Landwirt(innen) und schweinebegeisterten Personen näher. Organisiert wurde die Veranstaltung von Anna Jenni vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) innerhalb des Projekts «Netzwerk Freilandschwein». Das FiBL unterstützt die Förderung dieser Haltungsform durch Beratung der Landwirtschaftsbetriebe und Vermittlung von Praxiserfahrung sowie der Vernetzung über die ganze Lieferkette.
Dabei wird auch der Austausch zwischen Landwirt(innen) gefördert, vor allem wenn spezielle Fachfragen auftauchen. Wenn jemand neu mit der Freilandhaltung beginnen möchte, bietet das FiBL eine Umstiegsberatung an. «Bei spezifischen Anliegen können wir vom FiBL den Betrieb beraten oder auf einen Berufskollegen verweisen, der bereits Erfahrung in diesem Gebiet hat», so Anna Jenni auf Anfrage. Bei Fragen allgemeiner Art zur Freilandhaltung von Schweinen könne man den Beratungsdienst des FiBL in Anspruch nehmen.
Alles rund ums Abferkeln
Der Betriebsrundgang auf dem Hof von Siegrists startete im Abferkelstall. Sie lassen die Sauen nicht draussen abferkeln. Dadurch sei ein sicheres Management gewährleistet und eine bessere Zugänglichkeit möglich, erklärt Werner Siegrist: «Wenn beim Abferkeln Probleme auftreten, sind wir viel schneller an Ort und Stelle.» Nach drei Wochen kommen die Muttertiere mit Nachwuchs ins Freiland.
Während des Rundganges im Abferkelstall konnten die Ferkel beim Säugen beobachtet werden. «Man sagt, die vordersten Zitzen, die näher am Herz sind, geben mehr Milch.» Werner Siegrist beobachtet mit glänzenden Augen die kleinen Ferkel, wie sie sich quietschend einen Platz an einer der vielen Zitzen erkämpfen.

Im übersichtlichen Abferkelstall mit nur vier Buchten verdecken grosse Holzwände die Sicht der Sauen auf ihre Artgenossinnen. Während der Zeit ums Abferkeln sei es für die Sauen wichtig, allein zu sein. «Wenn sie nervös sind, geht die Geburt nicht leicht. Deshalb sollten sie sich gegenseitig nicht sehen», so Siegrist.
Mittels guter Beobachtung und bestimmter Massnahmen hätten sie wenige erdrückte Ferkel zu beklagen. Manchmal sei Werner Siegrist am Abend noch viel länger im Stall, nur um zu schauen, dass es allen Ferkeln gut geht. Als Massnahme nehmen sie sich aktiv Zeit, Ferkel, die nicht direkt nach dem Säugen ins Ferkelnest gehen, dorthin zu tragen. Er legt allgemein sehr viel Wert darauf, die Tiere intensiv zu beobachten.
Die Fütterung dem natürlichen Verhalten anpassen
Durch Beobachtung, aber auch Erfahrung habe er beispielsweise festgestellt, dass das Stroh für die Sauen einwandfrei sein muss. «Ansonsten besteht die Gefahr, dass es durch Mykotoxine zu Aborten kommt», erklärt Werner Siegrist. «Eine gute Beobachtung macht es möglich, die Haltung dem natürlichen Verhalten der Tiere anzupassen», ergänzt Marianne Siegrist. So haben sie unter anderem festgestellt, dass die Muttersau ihre Ferkel zum Futter führt und diese die Mutter sogleich nachahmen. «Da braucht es kein eigenes Futter für die Ferkel, zudem würde das Muttertier sowieso fast alles wegfuttern», begründet Marianne Siegrist weiter.
Die Galtsauen-Fütterung
Das Futter für die Galtsauen wird in einer kleinen Mühle auf dem Hof gemischt. Es besteht aus Graswürfeln und einer Bohnen-Hafer-Mischung, Kohle und Weizen. Jede Galtsau bekommt vier Kilogramm Mischung pro Tag. Dies sei möglich, da die Energiedichte extrem tief ist. So müsse man die Futtermenge nicht allzu stark korrigieren – die Umstellung ist dadurch nicht so gross.
Die Fütterung wird trocken verabreicht. Da das Futter aber auch trocken schnell schimmeln kann, ist das Fütterungsmanagement nicht zu unterschätzen.
An der Veranstaltung zeigte Werner Siegrist genau, wie die Mischung täglich zubereitet wird. Die Galtsauenmischung roch stark nach Gras. Danach ging der Betriebsrundgang weiter zum eigentlichen Territorium der Freilandsauen von Siegrists: zu den Freilandgehegen.
Die Anforderungen an das Freilandschwein
Die Sauen kommen quasi als Fruchtfolge, meist ein Jahr, nachdem eine Kleegrasmischung eingesät wurde, auf die Wiese. Da der Boden praktisch zwei Jahre lang nicht bewegt wurde, sei er fest genug und gebe nicht beim ersten Regen nach, erzählt Werner Siegrist. Somit bleiben ihre Freilandschweine ein Jahr lang auf derselben Fläche.

Auf die Frage, ob seine Freilandschweine manchmal trotzdem Probleme beim Laufen auf dem Wiesenboden hätten, entgegnet er: «In letzter Zeit gewann die Fleisch- und Fettzunahme immer mehr an Bedeutung. Somit wurde das Fundament vernachlässigt. Diesem Trend wirke ich gezielt entgegen: Es braucht ein stabiles Fundament für die Freilandhaltung. Beim Kauf eines Ebers nehme ich mir doch intensiv Zeit, er soll standhafte Klauen vererben», erwähnt Werner Siegrist mit einem Lächeln, dies sei ihm sehr wichtig.
Die Vorgaben des Gewässerschutzes einhalten
Rund um die Hütte auf der «Schweineweide» werden Holzschnitzel verteilt. Das Betriebsleiterpaar kauft dazu 40 bis 50 m³ Holzschnitzel pro Jahr, solches, das zu schlecht zum Heizen ist. Sie brauchen die Holzschnitzel als Drainagewirkung, damit die Vorgaben bezüglich des Gewässerschutzes eingehalten sind. Kurzfristig gesehen seien die Schnitzel zwar nährstoffzehrend, doch auf lange Dauer tragen sie laut Werner Siegrist zum Humusaufbau bei. Das anfängliche Problem der Bodenübersäuerung habe er durch Kalk-Dünger aufheben können.
Schutz vor Wind und Wetter
Doch wo finden Siegrists Schweine Unterschlupf, wenn das Wetter stürmisch und die Temperaturen das Tierwohl negativ beeinflussen können? In Hütten, bestehend aus zwei Ringen: «Zuerst Vlies, dann kommt die Plane. Das Vlies nimmt das Kondenswasser auf. Es ist gegen Süden offen wegen der schwächeren Windemissionen», meint Werner Siegrist, so brauche es keine Streifenvorhänge. Jedes Mal müsse die Plane weggenommen werden, um alles zu ersetzen, wenn die Hütten nach einem Jahr gezügelt werden.
Zwingend zu beachten
Die Haltungsform im Freien macht einen innovativen Eindruck. Doch die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher an die Schweiz heran. Das FiBL hat aufgrund ihres Förderprogramms auf ihrem Merkblatt «Freilandhaltung von Schweinen» einige Hinweise abgedruckt, um eine Ansteckung bestmöglichst zu verhindern. «Aus meiner Sicht sollten die Vorschriften bezüglich Einzäunung gegen die ASP-Ansteckung strenger gehandhabt werden», meint Marianne Siegrist dazu.
Betriebsspiegel Hof am Schwarzbach
Name: Marianne und Werner Siegrist Ort: Buchenloo ZH Nutzfläche: 45 ha Viehbestand: 10 Sauen, 40 Mastschweine, 30 Schafe mit Lämmern Ackerkulturen: Weizen, Urdinkel, Gerste, Körnermais, Ackerbohnen-Hafer-Gemisch, Sonnenblumen, Raps, Kartoffeln, Lein

