Martin Zbinden, Futterbauberater vom Inforama Zollikofen, erhält zurzeit Anfragen von Bauern, die unsicher sind, ob sie jetzt mähen sollen, was auf den Wiesen noch steht, oder ob es nachhaltiger wäre, das Futter stehen zu lassen.

Auch viele Weiden sind abgefressen, nachwachsen tut aktuell je nach Standort kaum noch etwas. Auf Vollweidebetrieben wird es schwierig, die für den Weidebeitrag vorgeschriebenen 70 % Weidefutter in der Tagesration einzuhalten.

Es kommt auf den Boden an

Abo Extremes Sommerwetter Pflanzenbau läuft heiss – wie lange halten das die Kulturen aus? Donnerstag, 25. Juni 2026 In der aktuellen Situation komme es stark darauf an, auf welchem Boden bewirtschaftet wird. Martin Zbinden erläutert, dass es für den Futterbau momentan keine allgemeingültige Strategie gibt. Auf schweren, lehmigen Böden sei die Situation momentan noch nicht so gravierend, da immer noch Wasser im Boden gespeichert sei – im Unterschied zu leichten, skelettreichen Böden, auf denen die Wiesen und Weiden bereits braun und ausgetrocknet seien. Auch spiele die Exposition eine grosse Rolle.

Wer jetzt noch Futter habe und mähen will, soll möglichst hoch mähen und im Minimum eine Schnitthöhe von 8 cm einhalten. «Wenn nicht zu tief gemäht wird, bleiben schützende Pflanzenreste zurück», erklärt Zbinden, «so trifft die Hitze weniger stark auf den Boden.»

Bei lückigen Beständen eher zuwarten

Durch die Beschattung und die Verdunstung des bestehenden Futterbestandes werde der Boden nicht so heiss, wie wenn die Sonne direkt auf den Boden treffe. Gerade bei frischen Kunstwiesen, wo die Grasnarbe noch nicht geschlossen ist, oder bei lückigen Beständen sei die Gefahr von Verbrennungen im Moment am grössten. Hier würde Mrtin Zbinden mit Mähen eher zuwarten. Auch bei den Weiden schadet eine Übernutzung tendenziell dem Bestand.

Zbinden hat Messungen gemacht, die diese Unterschiede deutlich zeigen: Auf der Kurzrasenweide und bei einer in der letzten Woche (mit Schnitthöhe 9 cm) gemähten Wiese habe die Temperatur am Mittag zwischen 30 und 35 Grad betragen. In Lücken, wo die Sonne direkt auf den Boden treffe, seien Temperaturen bis 56 Grad erreicht worden. Derart hohe Temperaturen beschädigen die teilungsfähigen Zellen im Vegetationskegel an der Basis der Grashalme, was dem Pflanzenbestand nachhaltig schadet.

Rechtzeitig «höhere Gewalt» anmelden

Zufüttern von mehr als 30 % ist in Fällen höherer Gewalt gemäss Direktzahlungsverordnung möglich, wenn die berechnete Weidefläche grundsätzlich vorhanden ist, aber zu wenig Futter nachwächst. Diese Situation «höhere Gewalt» ist innert 10 Tagen dem Landwirtschaftsamt des jeweiligen Kantons zu melden.

Auslauf muss hingegen an den vorgesehenen 26 Tagen pro Monat gewährleistet sein. In der Regel ist hier ein angemessener Weideanteil beizubehalten, da ausgehend von den nominellen 70 % stets noch etwas Weidefutter vorhanden sein sollte..

Dabei ist wichtig zu beachten, dass das Wiesenjournal zwecks Transparenz immer genau zu führen ist. Für die Kontrolle muss nachweisbar sein, dass man es nicht verpasst hat, (für eine normale Wachstumsphase) vorausschauend Futter aufzubauen.