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Trockener April 2026: Es ist trocken, aber (noch) nicht prekär

Der April 2026 war in weiten Teilen der Schweiz aussergewöhnlich trocken und sonnig. Während die Bedingungen in einigen Kulturen Vorteile brachten, steigt andernorts der Bedarf an Niederschlägen oder Bewässerung. Je nach Region, Boden und Kultur zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Noch scheint die Situation nicht alarmierend zu sein, wie verschiedene Produzenten sagen.

Viel Sonne und wenig Regen – dieser Eindruck des Wetters während der letzten Wochen trügt nicht. Wie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) schreibt, wurden regional weniger als zehn Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge im April verzeichnet. In ­weiten Teilen dürfte der April 2026 daher zu den trockensten seit Messbeginn zählen. Dafür war die Sonnenscheindauer in diesem Monat in der ganzen Schweiz überdurchschnittlich hoch – mancherorts lag sie bei über 140 Prozent im Vergleich zur Referenzperiode.

Im Schnitt 10 Tage Vorsprung

Die Vegetation reagiert wie schon im Februar und März mit stark verfrühter Entwicklung. Durchschnittlich beträgt der Vorsprung laut Meteo Schweiz zehn Tage, der Löwenzahn ging rund zwei Wochen früher in Blüte als im langjährigen Mittel. Ausbleibender Regen und das oft windige Wetter lassen die Böden trocknen. Die Karte von Meteo Schweiz zeigt eine leichte Trockenheit in weiten Teilen der Schweiz. Es gibt aber ebenso Regionen mit trockenen Verhältnissen (z. B. Ober­aargau, Freiamt, Oberes Emmental, Berner und westliches Mittelland oder das Prättigau) und solche, in denen es nicht trocken ist – etwa in der östlichen Zentralschweiz.

Noch genügend Feuchtigkeit vorhanden

In seiner Region sei im Obstbau die Situation wegen der Trockenheit noch entspannt, erklärt Melchior Zwimpfer aus dem luzernischen Oberkirch. «Für entwickelte Bäume ist in unseren eher schwereren Böden im Surental noch genügend Feuchtigkeit vorhanden», so der Obstbauer. Einzig bei Neupflanzungen und Jungbäumen müsse die Wasserversorgung im Auge behalten werden. Wenn es in den nächsten Tagen aber nicht zu bedeutenden Niederschlägen komme, würden diejenigen Obstbauern, die die nötigen Einrichtungen haben, wohl auch bei entwickelten Anlagen mit der Bewässerung beginnen. Dadurch könne im Hinblick auf den Sommer eine gewisse Feuchtigkeit im Boden erhalten werden.

Die Vegetation sei aktuell wieder ungefähr gleich weit wie letztes Jahr. Die Bisenlage habe die Vegetation in den letzten Wochen etwas gebremst. Auch wenn es für eine definitive Abschätzung noch zu früh sei, habe es in seiner Region trotz einzelner Nächte mit Temperaturen von knapp unter null wohl kaum bedeutende Frostschäden gegeben. Das eher kühle und trockene Wetter habe aber auch viel Positives: «Bei diesen herrlichen Frühlingstagen machte die Arbeit in der Anlage viel Freude und auch die Bestäubungsbedingungen für die Bienen waren sehr gut», schildert Melchior Zwimpfer. Auch bedeutende Pilzinfektionsereignisse wie beispielsweise beim Schorf hätten bisher gut abgedeckt werden können. «Die Pflanzenschutzbehandlungen konnten gut platziert werden und die Befahrbarkeit in den Anlagen war ebenfalls top», so der Obstbaumeister weiter.

Trockener April 2026: Es ist trocken, aber (noch) nicht prekär
In den grünen Gebieten ist es nicht trocken, in den gelben herrscht leichte Trockenheit vor und rot heisst «trocken» (Index, Stand 27. April)

Futterzuwachs wird etwas gebremst

Adrian Annen, der mitten in der Stadt Zug einen grossen Milchwirtschaftsbetrieb führt, ist mit der aktuellen Wettersituation noch sehr zufrieden. «Auch wenn die Erträge noch nicht überdurchschnittlich waren, konnten wir doch bereits Grassilage von sehr guter Qualität einbringen», so der Zuger. Die trockenen Böden hätten die Ernte- und Düngearbeiten erleichtert. «Wenn es in anderen Regionen zu trocken ist, ist es bei uns ideal», so Adrian Annen weiter. Der Futterzuwachs sei in den letzten Tagen aber infolge der kühlen und trockenen Bisenlage schon gebremst worden.

Wegen zu wenig Futter macht er sich aber noch keine Gedanken: Viele Bauern in seiner Region hätten noch Reserven vom letzten Jahr. Anspruchsvoller sei die Situation bei Übersaaten und Neuansaaten, bei denen in den nächsten Tagen Niederschläge sicher nötig wären. «Aber wir wollen ja nicht jammern, es ist in unserer Region ja schnell wieder zu nass», so Adrian Annen.

Getreide: Trockenheit kann im aktuellen Stadium nachteilig sein

Im Kanton Solothurn auf dem Passwang sind auf der Schattenseite erst vor Kurzem die letzten Schneereste geschmolzen. «Aktuell haben wir noch nicht mit der Trockenheit zu kämpfen», sagt Roland Zemp. Das Gras wachse, nur die kalten Nächte von letzter Woche hätten den Wiesen einen Rückschlag versetzt. Viele seiner Berufskollegen wie auch er seien auf dem Passwang reine Milchwirtschaftsbetriebe. «Im Sommer, wenn es wochenlang nicht regnet, spüren wir die Trockenheit schon», so der Landwirt. Anders sieht es im Berner Seeland aus. Die Gemüsefelder wie auch ein Teil der Frühkartoffeln werden schon lange bewässert – so auch bei Matthias Wyss auf dem Werdthof in Kappelen BE. «Mehr Sorgen bereiten mir die Getreidefelder, insbesondere die Gerste, die jetzt unbedingt Wasser benötigt», sagt er. Komme der Regen nicht bald, könnten sich die Ähren wie auch die Körner weniger gut ausbilden als erwünscht.

Martina Aeschbacher bestätigt, dass sowohl bei Weizen als auch bei Gerste die Trockenheit im jetzigen Stadium nachteilig sein kann. «Die Gerste braucht für die Kornfüllung genügend Wasser und beim Weizen führt Wassermangel im Schosserstadium dazu, dass sterile Ähren entstehen können», erklärt die Beraterin vom Inforama Rütti in Zollikofen BE die typischen Trockenstresssymptome. «Der Einfluss von Trockenstress auf die Getreidekulturen ist aber, zum jetzigen Zustand, schwierig zu beziffern», gibt sie zu bedenken. Auf den Feldkontrollen im Seeland sind ihr noch keine starken Trockenstresssymptome wie Blattrollen oder Ähnliches aufgefallen. Ausgetrocknete Böden mit Rissen sind jedoch schon beobachtbar. «Am Morgen sind die Kulturen meistens aber noch taufeucht», fährt Aeschbacher fort. Daher hält sie den Einfluss des aktuellen trockenen Wetters für schwer einschätzbar – von regionalen Unterschieden und Böden mit verschiedener Wasserspeicherkapazität ganz zu schweigen.

Das Gras wird alt und verliert an Energie

René Durand aus Mühleberg BE schliesst sich dem Seeländer Matthias Wyss an: Auch für ihn dürfte der Regen bald kommen. «Obwohl das Gras wegen der Trockenheit nicht mehr wächst, wird es trotzdem alt und verliert an Energie», so seine Feststellung. Auch für die Eiweiss­erbsen fehle langsam, aber sicher der Regen. Hingegen seien seine Getreidefelder noch in einem guten Zustand. «Die Gerste hat zum Glück tiefe Wurzeln», sagt Durand. Auch der Raps, der jetzt in der Hauptblust ist, könne nicht schöner sein. «Dank des schönen Wetters waren wenigstens die Bienen aktiv», sagt er.

Mehraufwand beim Gemüse

«Der Boden ist schon trocken, doch es gibt immer noch Tau am Morgen. Auch im Boden ist noch Wasser verfügbar», beobachtet auch Pascal Gutknecht von Gutknecht Gemüse in Ried bei Kerzers FR. Weil es noch früh in der Saison ist, seien die Nächte noch länger und die Sonneneinstrahlung weniger stark. Daher findet Gutknecht die aktuelle Wetterlage nicht vergleichbar mit einer Trockenperiode im Hochsommer. Zurzeit sind viele Gemüsekulturen noch unter Folie, wo das Mikroklima durch den Rückfall des Wassers ohnehin günstiger ist. Bei frisch gesetzten Kulturen wird standardmässig beim Pflanzen bewässert, hält Gutknecht fest, aber auch die wachsenden Kulturen müssen aktuell häufiger bewässert werden. Das gebe sicher einen zusätzlichen Mehraufwand.

Raphael Müller von Inoverde bestätigt, dass die Trockenheit bei ihren Produzenten einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet. Doch seien die Gemüsebauern in der Regel gut mit Bewässerungstechnik eingerichtet. Die Mengen könnten in der gewünschten Qualität geliefert werden. Durch die warmen Tagestemperaturen sei das Klima wüchsig, daher erwartet Müller einen früheren Start der Kulturen, z. B. von den ersten Karotten.

Ein Widerspruch?

Mit dem Klimawandel nehmen Trockenheit und Starkniederschläge zu. In Summe bleibe die gesamte Regenmenge gleich und steige nicht, schreibt Meteo Schweiz. Daher seien mehr Trockenheit und häufigerer Starkregen kein Widerspruch. «Tatsächlich zeigt die Sommerniederschlagssumme seit Beginn der Messungen keine deutliche Veränderung im Sommer», so das Bundesamt. Gleichzeitig führe die höhere Temperatur aber zu verstärkter Verdunstung, was Trockenheit begünstigt. Ohne Klimaschutz werde die mittlere Niederschlagsmenge in den Sommermonaten abnehmen und die Verdunstung weiter zunehmen. «Die Böden werden trockener, es gibt weniger Regentage und die längste niederschlagsfreie Periode dauert länger», so Meteo Schweiz.

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