Der Biobetrieb Chrumbacherhof von Peter und Nicole Trachsel liegt auf 450 Metern über Meer in der Talzone im unteren Seetal in Seon AG. Die leichten Kiesböden ermöglichen einen frühen Weideaustrieb, verfügen jedoch nur über ein geringes Wasserrückhaltevermögen. Gerade deshalb hat sich der Präsident der IG Weidemilch über Jahre ein Produktionssystem aufgebaut, das mit möglichst wenig externen Inputs auskommt und auf die natürlichen Wachstumsrhythmen des Grases abgestimmt ist.
Im Zentrum steht eine vollständig grasbasierte Milchproduktion mit hohem Weideanteil.
Mehrleistung für einen besseren Milchpreis
Die Milch wird im Biolabel «Retour aux Sources» von Aldi vermarktet. Darum wird in der Rindviehhaltung bei Trachsels gar kein Antibiotikum eingesetzt.
Gemolken werden zwischen 38 und 44 Kühe. Die Herde besteht aus Kreuzungen von Kiwi-Cross, Swiss Fleckvieh, Norwegisch Rotbunt und Friesian. Ziel sind nicht Höchstleistungen pro Tier, sondern langlebige und fruchtbare Kühe mit hoher Raufutteraufnahme. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei über sechs Laktationen.

Saisonale Abkalbung, abgestimmt auf das Graswachstum
Die Abkalbungen beginnen im Februar. Ziel ist es, den höchsten Nährstoffbedarf der Kühe mit dem hohen Nährwert von Frühjahrsgras zu synchronisieren.
Die Besamungssaison beginnt jeweils am 20. April. Während genau drei Wochen werden ausgewählte KB-Stiere eingesetzt. Danach läuft sechs Wochen ein geleaster Angus-Stier mit der Herde. Die Wahl fällt bewusst auf Angus, weil diese Kälber eine kürzere Trächtigkeitsdauer aufweisen und die Geburten problemlos verlaufen.

Die Kälber werden für die eigene Nachzucht aufgezogen, als abgetränkte Zuchtrinder an Weidebetriebe oder als Remonten an Weidemastbetriebe verkauft. Durch das Aufziehen der Kälber auf dem Geburtsbetrieb lässt sich zudem die Frühjahrsspitze bei der Milchmenge abfedern.
Dieses System führt im Frühling aber auch zu hohen Arbeitsspitzen; diese nehmen dann kontiuierlich ab, wenn die Kälber abgetränkt sind, die Remonten den Betrieb verlassen und die eigenen, trächtigen Rinder jeweils Mitte Juni auf die Alp gehen.
Vom Kurzrasen zur Portionenweide
Bis 2018 setzte Peter Trachsel auf Kurzrasenweide. Inzwischen wurde das System weiterentwickelt. Heute erhalten die Tiere zweimal täglich frisches Gras. Immer mit einem Vor- und einem Rückzaun. Die Portionenweide erlaubt eine präzisere Steuerung des Grasangebotes. Die Nachtportion umfasst 20 bis 25 Aren und fällt grösser aus als die Tagesweide.
Die Weideplattform umfasst 18 Hektaren. Hinzu kommen drei Hektaren Naturwiesen und sechs Hektaren Biodiversitätsförderflächen, die zum Teil im Herbst ebenfalls beweidet werden. Bei optimalem Wachstum liegen die Ruhezeiten zwischen 18 und 21 Tagen. Während Trockenperioden verlängern sie sich deutlich.
Besonderes Augenmerk legt Trachsel auf einen widerstandsfähigen Pflanzenbestand. Neben Englisch-Raygras und Weissklee gehören auch Knaulgras, Rotklee, Zichorien, Spitzwegerich und Luzerne zu den wichtigen Arten. Gerade Rotklee und die Futterkräuter liefern auch in trockenen Sommern wertvolles Futter, benötigen aber lange Ruhezeiten. Gleichzeitig entstehen dadurch stehende Futterreserven, die bei Bedarf genutzt werden können.
In extremen Trockenphasen wird kurzzeitig die Tagesportion auf der Weide durch Zufütterung im Stall ersetzt. Der Fokus der Weideplanung liegt auf der Nachtweide mit mindestens 70 % Futteraufnahme von Weidegras.
Tiefe Strukturkosten statt maximale Technik
Auch bei den Gebäuden verfolgt der Betriebsleiter eine Low-Cost-Strategie. Die Kühe werden in einem kostengünstigen Laufstallanbau mit eingestreuten Liegeboxen gehalten. Gemolken wird weiterhin im ehemaligen Anbindestall mit einer Rohrmelkanlage und sechs Melkzeugen. Ein Heukran kann sowohl für die Fütterung als auch für das Einstreuen eingesetzt werden.
Die Kühe werden Ende November trocken gestellt. Während einer Woche werden sie weiterhin durch den Melkstall geführt, damit die Euter kontrolliert werden können. Falls nötig, wird nochmals gemolken. Danach folgen sieben bis acht Wochen Melkpause.
Die einfache Technik und die hohe Eigenleistung beim Umbau hielten die Investitionskosten tief. Durch gute Planung und einfache Abläufe ist eine effiziente Arbeitserledigung möglich.
Anpassung an Trockenperioden
Die klimatischen Veränderungen stellen den Betrieb immer wieder vor Herausforderungen. Bewässerung ist nicht möglich. Um die Grasnarben zu schonen, wird bei Sommertrockenheit bewusst mit längeren Ruhezeiten gearbeitet. Zusätzlich bleiben einzelne Flächen als Reserve stehen und können bei Bedarf beweidet werden.
Auch die Düngung folgt einer klaren Strategie. Die Wintergülle wird separiert, der Feststoff wird zusammen mit Stallmist, Krippenresten und Hackschnitzeln kompostiert. Gedüngt werden die Flächen mit eigenem Kompost oder vitalisierter Dünn-Gülle.
Hohe Flächenleistung mit wenig Input
Das Produktionssystem von Peter Trachsel zeigt, dass hohe Leistungen nicht zwingend über hohe Inputs erzielt werden müssen. Mit einer Jahresleistung von rund 5800 bis 6000 Kilogramm Milch pro Kuh erreicht der Betrieb mehr als 11 000 Kilogramm Milch pro Hektare Weidefläche. Entscheidend dafür sind die konsequente Nutzung des Grases, eine auf das System abgestimmte Genetik und tiefe Strukturkosten.
Für Peter Trachsel steht dabei nicht die maximale Leistung je Tier im Vordergrund. Sein Ziel ist ein wirtschaftliches System mit gesunden Kühen, hoher Arbeitseffizienz und genügend Freiraum für Familie und Privatleben. Gerade darin sieht der Präsident der IG Weidemilch einen wichtigen Schlüssel für die Zukunft der graslandbasierten Milchproduktion.
Peter Trachsels Weidemanagement: Strategie rein/raus/ruhen
Vorweide:
- Anfang März bis Mitte April, ergänzt mit Dürrfutter oder Grassilage im Stall (Nacht)
- Tagweide ca. 07.00 bis 15.30 Uhr
- 1 Portion pro Tag, einmalige Besatzzeit (beim nächsten Auftrieb auf andere Portion)
- Ruhezeit 18 bis 21 Tage
Vollweide:
- Mitte April bis Mitte Oktober, ohne Zufütterung im Stall
- Morgenweide 06.30 Uhr bis 11.30 Uhr und Nachtweide 17.30 Uhr bis 05.30 Uhr
- 2 Portionen pro Tag (in unterschiedlicher Größe), einmalige Besatzzeit
- Ruhezeit 20 bis über 40 Tage
Herbstweide:
- Mitte Oktober bis Mitte November ergänzt mit Frischgras, Grassilage, Dürrfutter im Stall
- Tagweide ca. 07.00 bis 15.30 Uhr
- 1 Portion pro Tag, einmalige Besatzzeit





