Man sieht die Raben- und Saatkrähen bereits über die gepflügten Äcker staksen und im ausgebrachten Mist picken. Kein erfreulicher Anblick, wenn man bereits an die Maissaat denkt.
Wieder zurück zu «normalen» Temperaturen
Üblicherweise wird als Saatzeitpunkt für Mais Mitte April bis Ende Mai angegeben. Durch die starke Hochdruckperiode seit Ende Februar gab es heuer aber schon Anfang März Temperaturen, die laut Meteo Schweiz normalerweise erst in der zweiten Aprilhälfte erreicht werden. Mit dem Kälteeinbruch die letzten Tage und dem nun kühleren Wetter kehre man zur Normalität zurück, schreibt Meteo Schweiz.
Nicht stressen lassen
Generell sollte man sich für die Maissaat nicht stressen lassen, hält Anna Brugger fest. «Wenn die Keimung noch nicht stattgefunden hat, macht ein Kälteeinbruch den Pflanzen zwar nichts aus», fährt die Leiterin des Bereichs Pflanzenbau und Agrartechnik am Strickhof fort. «Aber alle Reihenkulturen mit grossem Reihenabstand stehen in Konkurrenz mit zahlreichen Unkräutern.» Nur wenn die Kulturpflanzen für sie passende Bedingungen vorfinden, wachsen sie dem Unkraut davon. Und je schneller der Mais aufläuft, desto schneller ist er auch aus dem krähengefährdeten Stadium gewachsen.
«Deutliche Abneigung» gegen Ibisio
Da zur Krähenabwehr zwar relativ viel Forschung betrieben wird, aber kaum etwas aus dem Arsenal von Knallpetarden über Greifvogelschreie bis zu ausgelegten Federn oder Ballons langfristig eine durchschlagende Wirkung zeigt, bleibt die optimale Maissaat doch der einfachste Weg. Daran ändert auch die erneute Notfallzulassung der Ibisio-Saatgutbeizung (Black Pepper Oleoresin) für 2026 nichts. Zumal Versuche von Agroscope bisher zwar eine deutliche Abneigung von Rabenkrähen gegen Ibisio gezeigt haben, jedoch keine optimale Wirksamkeit im Feld. «Keines der aktuell getesteten Beizmittel erreicht Resultate wie der inzwischen verbotene Wirkstoff Mesurol », erklärt Anna Brugger. Daher rät sie, gebeiztes Saatgut immer mit weiteren Abwehrmassnahmen zu kombinieren.
Nach wie vor ist in der Schweiz Korit als Saatgutbeizung für Mais zugelassen, obwohl seit Jahren mit einem Auslaufen der Zulassung gerechnet wird. «Interessanter Schutz, jedoch unzureichend bei sehr staken Angriffen», so die Beurteilung in einer Bestandsaufnahme zu Möglichkeiten für die Krähenabwehr des landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve.
In der richtigen Tiefe die Bodentemperatur messen
Unbestritten ist hingegen der positive Effekt warmer Böden auf den Mais. Die Temperatur sollte idealerweise 8–10 Grad betragen, lautet die Empfehlung. «Wichtig ist, die Bodentemperatur dort zu bestimmen, wo das Maiskorn abgelegt wird», ergänzt die Strickhof-Beraterin. Meistens wäre das in einer Tiefe von 5 cm. Wenn der Wetterbericht baldigen Regen prognostiziert, kann flacher gesät werden. «Messen kann man die Bodentemperatur mit verschiedenen Thermometern, es gibt aber auch Daten im Internet.» Bodenmessnetz.ch führt zum Beispiel nicht nur die Feuchtigkeit des Bodens an der jeweiligen Messstation auf, sondern auch dessen Temperatur.
Streifenfrässsaat zeigt die Reihen besonders gut
Bei Direkt- und Streifensaat erwärmt sich der Untergrund weniger schnell, was die Jungendentwicklung des Mais bremse, so Anna Brugger. In Direktsaat-Kreisen wird sowieso geraten, bei diesem Verfahren den Saatzeitpunkt später zu wählen. Der Strickhof nennt bei reduzierter Bodenbearbeitung und / oder mechanischer Unkrautbekämpfung den 10. Mai als Orientierung. Früher sollte die Saat in diesen Fällen nicht erfolgen. Streifenfrässaat zeige den Krähen die Saatreihen besonders gut und Ernterückstände könnten für sie noch zusätzlich attraktiv sein, sagt Brugger. «Auch wenn eine reduzierte Bodenbearbeitung das Feld für Krähen unattraktiver machen kann, sehe ich andere Abwehrmassnahmen als effizienter.»
Besser nicht vorsorglich mehr säen
Ebenso kritisch ist die Beraterin gegenüber der Idee, auf gefährdeten Flächen vorsorglich etwas dichter zu säen: «Ich halte davon wenig, denn die Krähen erkennen den Abstand, in dem die Körner abgelegt wurden.» Die Tiere würden sich dann eher noch über mehr Körner freuen. Gleichzeitig sei der Krähendruck unberechenbar und wenn es widererwarten doch keinen Schaden gibt, droht im Verlauf der Vegetationsperiode Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe im dichten Maisbestand. «Kolbenanlagen können sich verschlechtern und auch die Standfestigkeit kann darunter leiden», schildert Anna Brugger.
Erfahrung mit Stärkungsmitteln fehlt
Verschiedene Saatgut-Anbieter verkaufen Mais mit (zusätzlichen) Stärkungs-Beizungen. Sie enthalten z. B. Spurenelemente und sollen für mehr Vitalität der Maispflänzchen und besseres Wurzelwachstum sorgen. Von Seiten Strickhof gebe es zur Wirkung solcher Behandlungen keine Versuche, erläutert die Bereichsleiterin. «Diverse Firmen vertreiben ihre Mittel mit eigenen Versuchsresultaten – uns fehlt hier aber die Erfahrung, einzelne Mittel zu empfehlen.»
Frühzeitig den Boden bearbeiten und dann warten
Der Schutz des Mais vor Krähen beginne allerdings schon vor der Saat und die Aspekte Bodenbearbeitung (Zeitpunkt und Art), Düngung, Saattiefe und -termin seien immer zu beachten, damit die Kultur den hungrigen Schnäbeln davon wachsen kann. «Das zusammen beeinflusst, wie attraktiv die Parzelle für die Tiere ist», sagt Anna Brugger. Einige Betriebe machen ihr zufolge gute Erfahrungen damit, die Bodenbearbeitung und Düngung frühzeitig durchzuführen, damit die Parzelle bis zur Maissaat wieder «uninteressant» wird für die Krähen. Sonst hält die Beraterin gute Bodenbearbeitung und die erwähnte Bodentemperatur über 8 Grad für wichtige Faktoren. Das grosse Maiskorn braucht zwar nach Lehrmeinung kein allzu feines Saatbett, sollte aber zur Keimung genug Feuchtigkeit haben. Bei Mulchsaat nach Kunstwiese rät der Strickhof, im Abstand von etwa 10 Tagen zweimal oberflächlich zu fräsen, um den Bewuchs vollständig zu eliminieren.
Nach der Saat sehr genau beobachten
«Garantierte Erfolgsfaktoren sind das aber nicht», schränkt Anna Brugger ein. «Krähen können auch bei perfekten Saatbedingungen viel Schaden anrichten. Und trotz Beizung, Walzen und so weiter», ergänzt sie. In der Praxis werden Abwehrmassnahmen teilweise zu spät oder zu wenig intensiv eingesetzt, beobachtet sie. So würden etwa zu wenig Drachen installiert oder Bird Alert zu spät eingeschaltet. «Man muss gefährdete Felder sehr genau beobachten und leider auch anerkennen, dass manchmal gar nichts hilft – auch das hören wir immer wieder.»

