«Niemand will das geschenkte Geld für Elektrotraktoren», titelte der Blick kürzlich und sprach von einem «totalen Förder-Flop aus Bern». Der Vorwurf: Die Landwirtschaft nutze die seit 2025 geltende finanzielle Beihilfe innerhalb der Strukturverbesserungs-Verordnung (SVV) nicht. Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz lediglich 29 E-Traktoren eingelöst. Der Schweizerische Landmaschinen-Verband schob nach der Publikation noch eine Ergänzung nach: Von den 29 Fahrzeugen seien nur fünf klassische landwirtschaftliche Traktoren – bei den restlichen Maschinen handle es sich von der Bauart her eher um Quads oder Transportfahrzeuge.
Neue landwirtschaftliche Traktoren mit Elektromotor ab einer Leistung von 30 Kilowatt (kw) werden seit 2025 mit 100.– pro kw gefördert. Das staatliche Förderprogramm läuft Stand heute bis Ende 2028. Der Bund unterstützt serienreife Neugeräte. Die Mindestanforderung zum Erhalt der Förderung ist eine minimale Betriebsgrösse von 1,00 Standardarbeitskräften. Für die Berechnung der Beiträge wird die Nennleistung verwendet. Sind auf einem E-Traktor mehr als ein Elektromotor verbaut, so können deren Nennleistungen summiert werden. Aber ganz so einfach ist die Sache nach genauerem Hinsehen nicht.
Rigitrac SKE 40: Erster Schweizer Elektrotraktor im Praxistest
Am Testfahrtag der Sepp Knüsel AG konnte sowohl der Prototyp des vollelektrischen Caron Transporters als auch der Schweizer Elektrotraktor Rigitrac SKE 40 gefahren werden. Auch für die Landwirtschaft wird der Elektroantrieb immer attraktiver. So wagte sich Redaktor Reto Betschart in die Kabine.Niemand will der Erste sein
Martin Schenk, der in seinem Maschinenhandel im thurgauischen Andwil den chinesischen E-Traktor der Marke Xeevo probegefahren ist, hat sich mit der elektronischen Materie beschäftigt. Er weiss, dass es in diesem Bereich zweierlei Bauern gibt: Die einen sind technologieaffin und interessieren sich für neue Entwicklungen im Bereich. Die anderen schauen aus der Distanz und etwas skeptisch zu. Das Interesse an der E-Mobilität in der Landwirtschaft sei aber grundsätzlich da, sagt Schenk. «Wir haben Anfragen aus der ganzen Schweiz.» Er weiss aber auch: Bei der Adaption von Neuheiten will niemand der Erste sein.
Der Prozess stagniert bei den Zulassungsbehörden
Martin Schenk sieht die Gründe für die tiefen Zulassungszahlen nicht bei der Basis, sondern bei den europäischen Zulassungsbehörden. «Dort braucht es einfach seine Zeit», so Schenk. Beim chinesischen Xeevos etwa wäre das Interesse der Landwirte da, und die gewünschten Anpassungen hätten die Chinesen auch innert kürzester Zeit umgesetzt. Vielmehr hapere es an den zuständigen europäischen Behörden. Mittlerweile sei der elektronisch betriebene Traktor betriebsbereit und für «leichte und einfache Arbeiten um den Hof herum» einsetzbar, wie Martin Schenk sagt. Vor allem für Betriebe, die eigenen Strom produzieren und ihn je nach Stromlage beinahe verschenken müssen, ist das Thema spannend. Im schweren Ackerbau stosse der Elektromotor allerdings an seine Grenzen, wobei aber nicht die Motorenleistung das Problem ist, sondern der Akku. «Einen Tag lang zu ackern, geht momentan schlicht noch nicht», so Schenks Zwischenfazit.
Investition in einen E-Traktor lohnt sich nur, wenn eigener Strom produziert wird
Das sagt auch der Schweizerische Landmaschinen-Verband (SLV): «Grundsätzlich wird die Anschaffung eines Traktors oder anderer Investitionsgüter nicht vorrangig durch die angebotene Förderung bestimmt – sie erfolgt, wenn ein betrieblicher Bedarf besteht», so Daniel Bernhard, Präsident des SLV. Zudem lohne sich die Investition in einen elektrischen Traktor nur dann, wenn ausreichend eigener Strom durch eine entsprechende Produktionsanlage bereitgestellt werden kann. Der Einsatz des Traktors müsse zudem zum Betriebskonzept passen.
«Es wäre falsch zu behaupten, dass die Landwirtschaft kein Interesse an diesen Technologien zeigt»
Aus Sicht des Schweizerischen Landmaschinen-Verbands liegt die geringe Nachfrage nicht an der finanziellen Unterstützung, sondern an den betrieblichen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um ein solches Projekt wirtschaftlich zu realisieren. «Es wäre falsch zu behaupten, dass die Landwirtschaft kein Interesse an diesen Technologien zeigt», so Daniel Bernhard. «Berücksichtigt man batteriebetriebene Teleskop- und Hoflader, die bereits heute genutzt werden, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Diese Maschinen werden häufig für innerbetriebliche Arbeiten eingesetzt und lassen sich flexibel zwischen den Einsatzzeiten – morgens und abends – mit selbst produziertem Strom aufladen. Ihr Einsatz beschränkt sich meist auf die Hofparzelle und ist daher deutlich einfacher zu organisieren», so der SLV-Präsident.
Das Angebot an E-Traktoren ist noch klein
Doch das verfügbare E-Traktorenangebot sei in der Schweiz sehr klein, weshalb bisher beim Bundesamt für Landwirtschaft auch praktisch keine Anträge für die finanzielle Unterstützung eingegangen seien, erklärt Schenk. «Die Realität sieht so aus, dass andere Angebote wie Fendt und Rigitrac erst gerade neu auf den Markt gekommen und noch sehr teuer sind». Für produzierende Landwirte stellten sie damit noch keine reale Option dar.
Zudem ist es so, dass der Bund neue E-Traktoren nur fördert, wenn der Kanton denselben Betrag mitfinanziert. Ist dies nicht der Fall, verfällt auch das Recht auf die staatliche Unterstützung. Das erschwere die Planungssicherheit für die Landwirtschaftsbetriebe, gibt Schenk zu bedenken.
Potenzial ist bei der Ladertechnik grösser als bei Traktoren
Angesichts der aktuellen Verfügbarkeit von batteriebetriebenen Maschinen und Traktoren sieht der Schweizerische Landmaschinen-Verband kurzfristig ein grösseres Potenzial bei der Ladertechnik als bei den Traktoren selbst. «Es ist jedoch zu erwarten, dass in den kommenden Jahren auch bei den Traktoren die Modellvielfalt zunimmt und dadurch weitere Einsatzfelder erschlossen werden können, was schlussendlich in grösseren Absatzzahlen münden wird», so Daniel Bernhard.
Zugkraftregelung fehlt noch
Der Maschinenhändler Schenk will den Xeevo bei Marktreife in die Schweiz importieren und konnte ihn bereits während zweier Wochen in der Schweiz probefahren. «Es ist ein interessantes Fahrzeug, das mit einem 4-Gang-Getriebe ausgestattet ist.» Die Maschine ist mechanisch einfach gehalten, hat nur im Sitz eine Federung und kann mit einer Front- und Heckzapfwelle konfiguriert werden. Schenk hat den Traktor an der Bodenfräse und am Futtermischwagen angehängt. Eine Zugkraftregelung fehlt bisweilen.
Verfügbare E-Traktor-Modelle in der Schweiz?
Gemäss dem Schweizerischen Landmaschinen-Verband sind die aktuell verfügbaren Modelle auf dem Schweizer Markt vor allem für spezielle Anwendungen im unteren Leistungssegment ausgelegt. Auch die passenden Anbaugeräte, die den Einsatz massgeblich mitbestimmen, müssen ins Gesamtkonzept eingebunden werden. Die Anforderungen an das Gesamtpaket einer solchen Investition – inklusive Anschaffungspreis, Modellvielfalt, eigener Stromproduktion, Einsatzspektrum und betrieblicher Auslastung – sind somit ausgesprochen hoch.

