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Es werden immer mehr Kartoffeln gepflanzt – bald zu viel für den Markt?

Swisspatat erwartet, dass die Industriekartoffeln aus dem Jahr 2025 aufgebraucht werden können. Bei den Speisekartoffeln ist das noch unsicher. Die Branchenorganisation ist aber zuversichtlich für die Zukunft des Kartoffelmarkts.

Die letzten Wochen war das Wetter günstig, um Kartoffeln zu setzen. Vielerorts sind die Dämme gezogen und das Pflanzgut ist im Boden. Unter dem Vlies recken bereits die Frühkartoffeln ihre Blätter. Bei der Fahrt durchs Mittelland kann man den Eindruck gewinnen, es seien mehr Kartoffelfelder als auch schon. Dies nach einem Jahr mit Rekordernte.

Manchem bereitet das Sorgen, zumal die ersten neuen Kartoffeln aus Ägypten bereits wieder im Detailhandel angekommen sind. Könnte es im Herbst zu einer Kartoffelschwemme kommen?

Anbaubereitschaft in die richtigen Bahnen lenken

Bereits 2025 verzeichnete Swisspatat einen Flächenzuwachs um 322 ha gegenüber dem Vorjahr. Im Geschäftsbericht freut sich Swisspatat-Präsident Urs Reinhard, dass damit die Anbaufläche erstmals wieder über 11 000 ha gestiegen ist. «Diese Steigerung um ca. drei Prozent ist erfreulich, auch wenn bereits erste miesepetrige Stimmen laut werden», so Reinhard. Für ihn zeigen die Zahlen, dass das Vertrauen in die Kartoffelbranche nach wie vor gross ist, dass es sich lohnt, auf die Kartoffel zu setzen, und dass die Zusammenarbeit nach wie vor funktioniert.

«Wir tun gut daran, nun nicht als Erstes Preissenkungen zu fordern.» Ebenso darf man nach Reinhards Meinung in dieser Situation nicht einfach die Hände in den Schoss legen. Es gelte vielmehr, diese «schöne Anbaubereitschaft» noch mehr als bisher in die richtigen Bahnen zu lenken und eine möglichst sinnvolle sowie nachgefragte Marktversorgung sicherzustellen.

Zahlen für 2026 noch nicht bekannt

«Wir kennen die Zahlen für die diesjährigen Flächen noch nicht», sagt Swisspatat-Geschäftsführer Christian Bucher auf Anfrage der BauernZeitung. Er stellt aber klar, der Flächenzuwachs 2025 sei gewollt gewesen. «Insbesondere bei den Frites-Kartoffeln, wo die Nachfrage nach wie vor grösser ist als das Angebot.»

2025 gab es logistische Probleme mit fehlenden Paloxen. Womöglich blieben einige Knollen mehr auf den Betrieben als üblich. Man gehe aber nicht davon aus, dass grössere Mengen nicht verkaufter Speisekartoffeln aus dem Vorjahr heuer ausgepflanzt worden sind, fährt Bucher fort.

Ob eine grössere Ernte 2026 erfolgreich vermarktet werden könnte, hänge ganz davon ab, wie viel mehr produziert würde. «Und vor allem, in welchen Segmenten.» Im Bereich der gelbfleischigen Frites-Kartoffeln gebe es nach wie vor Bedarf an zusätzlichen Mengen – obwohl Agria mit 1676 ha 2025 die meistangebaute Sorte war. In den übrigen Segmenten sei der Markt in der letzten Kampagne bereits gut versorgt gewesen, so der Swisspatat-Geschäftsführer.

Unklar, ob alle Speisekartoffeln von 2025 noch vermarktet werden können

Noch liegen Kartoffeln aus der letzten Ernte in den Lagern. Mit 411 kg/a lag der durchschnittliche Bruttoertrag schliesslich auch deutlich über dem 5-Jahres-Schnitt von 361 kg/a. Zusätzlich dürften die angepassten Übernahmebedingungen für Industriekartoffeln dazu geführt haben, dass mehr Knollen bestimmungsgemäss und mit weniger Abzügen verwertet werden konnten.

«Bei den Industriesorten werden alle Kartoffeln bis zum Ende der Kampagne verarbeitet werden können», sagt Christian Bucher. Bei den Speisekartoffeln seien die Lager hingegen noch mehr gefüllt. Da die Frühkartoffel-Kampagne in der Schweiz bereits in wenigen Wochen starte, sei unklar, ob diese alterntige Ware noch vollständig vermarktet werden kann. «Die Branche ist jedoch im Gespräch, um geeignete Massnahmen zu treffen.»

Überschussverwertung heuer einen Monat länger

Ausserdem erinnert Christian Bucher an das System zur Überschussverwertung der Kartoffelbranche, das seit vielen Jahren gut funktioniere. Dabei zahlen alle Marktakteure (Produzenten, Handel und Industrie) einen Beitrag in einen Fonds. «Damit können in Überschusssituationen die notwendigen Mengen verfüttert und entschädigt werden», hält er fest.

Dieses Instrument stehe den Marktakteuren in der ablaufenden Kampagne 2025 noch einen Monat länger zur Verfügung, namentlich bis Ende Juli. In der aktuellen Kampagne wurden gemäss dem Swisspatat-Geschäftsführer bisher rund 18 500 t Kartoffeln verwertet und etwa 3,7 Millionen Franken an Frischverfütterungsbeiträgen ausbezahlt.

Übermengen sind vor allem, was überliefert worden ist

«Wir gehen davon aus, dass die Vertragsmengen überall übernommen und abgerechnet wurden oder noch werden», sagt Bucher weiter. Die vorhandenen Übermengen würden vor allem die Mehrmengen betreffen, die von den Handelsbetrieben zusätzlich zur Vertragsmenge von den Landwirten übernommen worden seien. «Können diese nicht abgesetzt werden, müssen sie verfüttert werden.» Dabei beläuft sich die Entschädigung aus dem Verwertungsfonds auf 20 Fr./dt.



Mit allgemein sinkenden Preisen sei derzeit nicht zu rechnen: «Die Branche hat sich bereits Anfang Dezember 2025 für stabile Fixpreise für Industriekartoffeln und mittlere Preisbänder bei den Speisekartoffeln für die Kampagne 2026 ausgesprochen», bemerkt Christian Bucher.

«Superfood aus heimischem Boden»

Generell gibt sich Swisspatat zuversichtlich, was die Zukunft des Kartoffelmarktes angeht. Die aktuellen Konsumtrends würden stark für die Kartoffel sprechen. «Denn die Knolle bietet viele ernährungsphysiologische Vorteile, wie zum Beispiel einen hohen Gehalt an Kalium und Vitamin C», argumentiert der Geschäftsführer.

Zudem sättigten Kartoffeln gut, hätten weniger Kalorien als Reis oder Teigwaren und enthielten darüber hinaus keine bekannten Allergene, was sie für jede Ernährungsform geeignet mache. «Wir sprechen deshalb auch oft vom ‹Superfood aus heimischem Boden›.»



Auch den Convenience-Trend sieht Bucher als Chance für inländische Kartoffeln, da etwa die Hälfte der Ernte in die verarbeitende Industrie rolle. Dort werden aus den Knollen Frites, Chips, Rösti und Co. «Dieser Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen», schildert er.

Konsum stabil bis leicht steigend

Die Branchenorganisation engagiert sich verschiedentlich dafür, Schweizer Kartoffeln optimal zu bewerben. Dies im Rahmen der vom Bund mitfinanzierten Absatzförderung. «Dabei treten wir mit der Marke ‹Kartoffel.ch› auf», so Christian Bucher. Zum Einsatz komme ein breiter Marketingmix mit Plakatwerbung in den Städten, Online-Werbung und Social-Media-Massnahmen, aber auch Schularbeit, Ausstellungen an Messen oder die bekannten Kartoffel.ch-Schriftzüge in der Landschaft.

«Dass sich die Kartoffel erfolgreich behauptet, zeigt ein Blick auf den jährlichen Pro-Kopf-Konsum», meint Bucher abschliessend. «Dieser ist seit Jahrzehnten bei 45 kg/Person und Jahr stabil.» In den letzten Jahren habe man den Konsum gar leicht steigern können, auf ca. 48 kg/Person und Jahr 2024.