Abo Pflanzenbau Spezialkulturen als Alternative zur Tierhaltung: Luzerner Bauern können sich beraten lassen Donnerstag, 23. April 2026 Spezialkulturen liegen zwar im Trend, werden aber Nischen bleiben. Gleichwohl setzen mehr Bauern auf Obst, Beeren, Gemüse, oder auch Trauben, Nüsse und mehr. Ziel ist oft auch die Direktvermarktung von verarbeiteten oder veredelten Rohstoffen, so zu Säften, Essig, Trockenfrüchten, Schnäpsen oder Nusskernen. Meist lohnt sich aber die Anschaffung von entsprechenden Anlagen und Gerätschaften für die Verarbeitung kaum, vor allem, wenn diese neuen Betriebszweige erst im Aufbau sind. Der Kanton Luzern setzt im Rahmen der Offensive Spezialkulturen auf den vermehrten Anbau von Spezialkulturen.

Dazu bietet das BBZN Hohenrain LU nun eine neue Dienstleistung an. 

Neue Liste von Verarbeitern erstellt

So wurde kürzlich eine «Liste von Lohnverarbeitungsbetrieben für Spezialkulturen» lanciert. Darauf sind Adressen gelistet von Landwirtschafts- und Gewerbebetrieben, die für Dritte Süssmost, Sirup und Konfi produzieren, Wein aus gelieferten Trauben bereiten, in Flaschen abfüllen und etikettieren, Kirschen entsteinen oder Ölfrüchte pressen.

Die Liste soll laufend ergänzt und erweitert werden. Peter Gisler von der Offensive Spezialkulturen am BBZN Hohenrain ruft dazu auf, dass sich weitere Anbieter von solchen Verarbeitungs-Dienstleistungen melden.

Hier gibts die Liste

Baumnüsse knacken und sortieren

Ein Anbieter zum Knacken und Sortieren von Nüssen ist der Schmiedhof in Retschwil LU. Seit 1988 bewirtschaften Armin und Myriam Lang den 9,3 ha grossen Nebenerwerbsbetrieb. Bei der Übernahme vom Vater wurde die Milchwirtschaft aufgegeben und auf Mutterkühe umgestellt; seit 2013 wird der Betrieb allerdings viehlos bewirtschaftet, mit Ackerbau, Futterbau und Hochstammbäumen. Vor zwölf Jahren wurden rund 200 Nussbäume gepflanzt, vor zwei Jahren 100 weitere.

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Die Nüsse wurden anfänglich von Hand aufgelesen und von Hand geknackt. Mit zunehmender Menge und steigendem Absatz für Nusskerne im Hofladen sei das aber zu mühsam geworden, erzählt Myriam Lang. Aus der letztjährigen Ernte konnten 600 kg ganze Nüsse geknackt und verarbeitet werden.

So wurde vor drei Jahren eine Nussknackmaschine angeschafft und letztes Jahr eine Sortiermaschine. Damit werden die geknackten Nüsse über ein Rüttelsieb befördert und die Kerne in drei Grössen aussortiert. Gleichzeitig werden die Nussschalen ausgeblasen.

Knackservice vom Schmiedhof

Im Kanton Luzern gibt es bereits mehrere grössere Produzenten von Baumnüssen. Die meisten lassen ihre Nüsse auswärts von Dritten knacken, so bei der Genossenschaft Swissnuss in Malans GR. Sie hätten sich aber entschieden, selber in die Verarbeitung zu investieren, und seien nun auch bereit, diese Dienstleistung in der Luzerner Liste aufzuführen, sagen Langs. 

Pro kg angelieferte Nüsse verrechnet der Schmiedhof 2,50 Fr. für den Knackservice. Wird zusätzliches Sortieren erwünscht, sind es zusammen 3,50 Fr., die Mindestmenge beträgt 10 kg.

Steiniger Weg mit Spezialkulturen

Myriam Lang warnt aber grundsätzlich vor zu grosser Euphorie bezüglich Spezialkulturen. Solche anzubauen, und vor allem die Produkte selber zu vermarkten, sei ein steiniger und mühsamer Weg, auch wegen der behördlichen Hürden und der vielen Auflagen. 

Gerade in Landschaftsschutzgebieten Folientunnel oder Bewässerungen anlegen zu wollen oder Verarbeitungsräume zu bauen, sei mit den Behörden ein langwieriger Prozess. Nicht zu unterschätzen sei der Arbeitsbedarf.

Klein starten und dann angemessen wachsen

Armin und Myriam Lang sind froh, dass auch ihre Söhne Jonas und Manuel, die in anderen Berufen tätig sind, zu Hause mit ihrer Fachkompetenz mithelfen, so auch zur Optimierung der Maschinen. Es habe sich beispielsweise gezeigt, dass beim maschinellen Nussknacken doch einige Nüsse nicht oder nur teilweise geknackt würden. «Wir haben nun noch einen Nachknacker bestellt und hoffen, dass dieser bald zum Einsatz kommt», erwähnt Myriam Lang.

Sie betreut den Hofladen, während ihr Mann Armin für die Website und den Onlineshop verantwortlich ist. Landwirtschaftsbetrieben, die auf Spezialkulturen setzen wollen, gibt sie den Tipp, klein zu starten und dann je nach Erfolg langsam zu wachsen: «Es braucht viel Geduld, Engagement und Durchhaltevermögen.»

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