Strom vom Bauernhof soll Mehrwert generieren. Diesem Thema widmete sich der diesjährige Themenanlass der Junglandwirte Zentralschweiz von Mitte April. Besucht wurde der Bauernhof Husmatt von Meinrad und Eva Betschart. Vater Meinrad und Sohn Ramon Betschart sind nebst der Betriebsführung auch als Agripeak-Energieberater bei der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz angestellt.
Solaranlage noch ohne Förderbeiträge
Ihr Biobetrieb umfasst 20 Hektaren mit 15 Milchkühen mit saisonaler Abkalbung. Davon werden auf drei Hektaren Ackerbau Getreide wie Weizen, Dinkel, Hafer und Roggen für die Direktvermarktung angebaut.
Im Jahr 2007 wurde in die erste PV-Anlage investiert, bevor überhaupt Förderbeiträge vom Bund erhältlich waren. Ein Vertrag mit dem lokalen Netzbetreiber für einen fixen und interessanten Einspeisetarif machte dies möglich.
Viele Massnahmen zum Strom sparen
Auf dem Betrieb wurden bereits Effizienzmassnahmen wie Warmwasserkollektoren für die Warmwasseraufbereitung, Zeitschaltuhr beim Elektroboiler für die Nutzung des Solarstroms, frequenzgesteuerte Vakuumpumpe, Vorkühlung der Milch und Heubelüftung mit Frequenzumformer umgesetzt. Zudem sind auf dem Betrieb zwei Elektroautos sowie weitere Elektrogeräte im Einsatz.
Durch die bidirektionale Ladestation werden die Autos als Speicher für den Betrieb genutzt. So kann der Nachtbedarf von ungefähr 20 kWh problemlos mit Eigenstrom abgedeckt werden.
Produktion und Verbrauch sollen übereinstimmen
Simon Bolli von der Fleco Power AG klärte in seinem Referat über den Strommarkt und die neuen Vermarktungsmöglichkeiten von «Strom vom Bauernhof» auf.
Bei der Umsetzung der lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) sollten Produktion und Verbrauch möglichst übereinstimmen. Gewerbebetriebe als Abnehmer sind besonders interessant, da sie während des Tages den höchsten Stromverbrauch aufweisen.
Bei Hausbesitzern liegen die Verbrauchsspitzen am Morgen und am Abend, wenn die Produktion der PV-Anlage oft gering ist. Zudem sollten grosse Verbraucher gesucht werden, damit die Administrationsaufwände reduziert werden können, riet Bolli. Fleco Power bietet die Abwicklung des LEG als Dienstleistung an.
Speichern nur für den Eigenverbrauch
Simon Bolli betonte, dass eine Erweiterung des Eigenverbrauchs auf dem eigenen Betrieb grundsätzlich immer zuerst anzustreben sei, da der unmittelbare Gegenwert dadurch am höchsten ausfalle.
In einem nächsten Schritt könne der weitere Überschussstrom zusätzlich über Eigenverbrauchsgemeinschaften wie vZEV (virtueller Zusammenschluss zum Eigengebrauch) und LEG lokal vermarktet werden.
Bei geeigneten Rahmenbedingungen bieten diese finanzielle Vorteile für alle Beteiligten, denn die Verbraucher profitieren von tieferen Strompreisen, die Produzenten von höheren Vergütungen.
Batteriespeicher vor allem für den Eigenverbrauch einsetzen
Zu Batteriespeichern meinte Simon Bolli, dass diese Vorteile wie Eigenverbrauchserhöhung und Leistungsspitzenoptimierung bieten. Von Investitionen in Batteriespeicher nur für die Regelenergie ohne Eigenverbrauchsoptimierung rät er jedoch ab. Die Marktrisiken seien hoch.
Batteriespeicher sollten primär für den Eigenverbrauch eingesetzt werden, und freie Kapazitäten könnten zusätzlich am Regelenergiemarkt zur Verfügung gestellt werden. So entstünden ein Doppelnutzen und die wirtschaftlichen Risiken seien geringer.

