Drahtwürmer sind ein schwer fassbares Problem im Ackerbau, da sie je nach Witterung, Bodenverhältnissen und Jahr sehr unterschiedlich auftreten. Aber Schäden sind bekannt und die direkte Bekämpfung gestaltet sich seit Jahren schwierig. Bisher war Attracap das einzige bewilligte Mittel gegen Drahtwürmer. Nun ist seit Anfang April ein neues Pflanzenschutzmittel (PSM) gegen Drahtwürmer für die Anwendung in Speise- und Futterkartoffeln sowie Mais zugelassen.
Platzierung des Granulats ist entscheidend
Bei «Beluga» handelt es sich um ein mikrogranuliertes Insektizid mit dem bekannten Wirkstoff Spinosad. Es wird beim Setzen der Kartoffeln bzw. beim Säen von Mais mit einer Dosierung von 12 kg/ha ausgebracht, wobei die Platzierung entscheidend ist: Das Granulat soll einen «Schutzschild» um Mutter- und Tochterknollen oder die Maiskörner bilden. Dazu braucht es einen geeigneten Granulatstreuer bzw. einen Diffusor. Laut dem Hersteller von Beluga bleiben die Mikrogranulate über einen längeren Zeitraum stabil im Boden. Die Wirkung sei – im Gegensatz zu Attracap – nahezu unabhängig von der Bodentemperatur. Die natürliche Bodenfeuchtigkeit in der Pflanzfurche, respektive in der Särille soll ausreichen, damit Spinosad in die Bodenlösung übergeht.
Kein Lockmittel wie bei Attracap
Beluga wirkt sowohl durch Kontaktwirkung als auch durch die orale Aufnahme des Wirkstoffs gegen die Drahtwürmer – diese müssen dazu das Granulat jedoch erst erreichen. Denn bei Beluga gibt es, im Gegensatz zu Attracap, keinen Mechanismus, um die Schädlinge anzulocken (kein Attract-and-kill). Bei heissen und trockenen Bedingungen dürfte die Wirkung daher kleiner ausfallen, als wenn Bodenfeuchte die Drahtwürmer in obere Bodenschichten wandern lässt.
Wie Attracap erreicht auch Beluga eine Teilwirkung gegen Drahtwürmer und wird daher zur Minderung von schwachem bis mittlerem Befall zum Schutz der Kultur empfohlen.
Wirkung vergleichbar, aber wohl stabiler
«Die Wirkung zu beziffern, ist sehr schwierig», bemerkt Adrian Nägeli von der Firma Omya, die Beluga vertreibt. «Wir haben in den zahlreichen Versuchen mit Attracap gesehen, wie ungleichmässig Drahtwürmer überhaupt auftreten.» Nägeli rechnet aber damit, dass Beluga eine ähnlich starke Wirkung erzielt wie Attracap. «Sie dürfte aber stabiler sein, weil die Wirkung von Beluga durch weniger Faktoren beeinflusst wird», ergänzt der Berater. Spinosad als Wirkstoff ist z. B. wie erwähnt nicht abhängig von einer bestimmten Temperatur, während der pilzliche Wirkstoff in Attracap zur Wirkungsentfaltung auf Wärme und Feuchte angewiesen ist. Ausserdem variiert die Wirksamkeit von Attracap zusätzlich je nach Drahtwurmart.
Spinosad hingegen hat ein breites Wirkungsspektrum. Potenziell könnten also bei einem Einsatz gegen Drahtwürmer auch andere Bodenbewohner beeinträchtigt werden. «Das ist nicht auszuschliessen», räumt Adrian Nägeli ein. Er verweist jedoch auf den strikten Zulassungsprozess, der auch ökotoxikologische Prüfungen umfasst.
Kommt das Granulat bei der Ernte wieder zum Vorschein?
Wenn das Granulat stabil sein soll – könnte man es dann beim Kartoffelernten am Ende wieder ausgraben? «Nein, das funktioniert nicht», sagt Nägeli. Durch die Feuchtigkeit im Boden zerfalle das Trägermaterial (Kalk) nach dem Setzen in den Dämmen rasch. «Der Wirkstoff wird unmittelbar nach dem Legen in die Pflanzfurche aktiviert.» Rückstände an den Knollen dürften ebenfalls kein Problem sein – zumal wiederum die Zulassung dafür sorgen soll, dass bei korrekter Anwendung eines bewilligten PSM-Höchstwerte nicht überschritten werden.
Die Gebrauchsanleitung zu Beluga enthält auch eine Tabelle mit Informationen über geeignete Diffusoren zur Ausbringung von Beluga. «Ich denke, dabei handelt es sich um handelsübliche Systeme», erklärt Nägeli. Ende April werde er zudem mit einem Vertreter der Herstellerfirma noch offene Fragen zur Ausbringtechnik klären. Für Kartoffeln sind auch Fishtail-Scharen eine Möglichkeit und die hätten viele Lohnunternehmer bereits an ihren Legemaschinen, so Nägeli. Der Berater betont, wie wichtig die korrekte Ausbringung für eine gute Wirkung von Beluga ist.
Nicht für Bio und nur mit Sonderbewilligung
Berechtigt sei der Einsatz unter anderem auf Parzellen, die in der Vergangenheit bereits Drahtwurmschäden aufwiesen, oder bei Wiesen in der Fruchtfolge. Der Preis für Beluga ist tiefer als bei Attracap. «Im Gegensatz zu Beluga besteht Attracap mit dem Bodenpilz Metarhizium brunneum aus einem lebenden Organismus, sowie einem Lockstoff für den «Attract-and-kill»-Mechanismus. Deshalb sind Herstellung und Handling aufwändiger», erklärt Nägeli. Das rechtfertige den höheren Preis für Attracap. «Zudem ist Attracap für die biologische Produktion zugelassen – was bei Beluga nicht der Fall ist», gibt er zu bedenken.
Für den Einsatz von Beluga braucht es eine Sonderbewilligung der kantonalen Pflanzenschutzfachstelle.
Attracap richtig einsetzen
Zur Prävention von Drahtwurmschäden werden in der Praxis gerne Kalkprodukte eingesetzt. Dadurch komme Metarhizium brunneum – der Pilz, auf dem die Wirkung von Attracap beruht – nicht zu Schaden, sagt Adrian Imfeld, Omya. «Uns ist nichts dergeleichen bekannt, Kalk kann normal eingesetzt werden», sagt er. Die Nachfrage nach Attracap sei stabil gross, gibt er weiter Auskunft. Gemäss Allgemeinverfügung (Notfallzulassung) ist es allerdings für maximal 1000 ha zugelassen. Imfeld nennt folgende häufige Fehler im Umgang mit Attracap, die es zu vermeiden gilt: - Bei zu kalten Bodentemperaturen eingesetzt (Temperatur im Damm muss mindestens 12 °C betragen) - Bei zu trockenem Boden eingesetzt (keine Anwendung auf trockenen Böden) - Nicht genug in den Boden eingearbeitet (Produkt muss vollständig eingearbeitet werden) - Zu warme Lagerung (Attracap sollte im Kühlschrank oder Kühllager aufbewahrt werden)

