Der Jahreswechsel stand für viele Tierhalter zumindest finanziell unter einem schlechten Stern. Fast gleichzeitig wirkte sich eine hohe Produktion bei den Schweinen und der Milch auf die Preise aus. Was das für betroffene Betriebe bedeutet, wollte die BauernZeitung von Fachleuten wissen: «Die Gespräche mit den Kunden bestätigen die aktuell schwierige Marktlage», sagt Peter Estermann, Geschäftsführer Agrotreuhand Sursee LU. Allerdings: Die Treuhandbranche blickt vor allem in den Rückspiegel. Aktuell bearbeite man hauptsächlich die Jahresrechnungen 2025. Diese zeigten erfreuliche Ergebnisse, so Estermann.
Bei Engpässen rasch reagieren
Dass Schwankungen bei den Marktpreisen auftreten, ist bekannt, weshalb Reserven für eine gute Liquidität immer nötig sind. Wer chronisch Probleme hat, sei bei tieferen Preisen natürlich stärker betroffen. Pauschal könne gesagt werden: «Wenn erste Anzeichen von Liquiditätsengpässen da sind, dann muss man sich trauen, dieses Problem anzugehen und sich Hilfe zu holen», so Peter Estermann. Zuwarten sei hier ein schlechter Ratgeber. Estermann wagt auch noch keine Prognose für das Buchhaltungsjahr 2026. Dafür sei es zu früh, die Entwicklung der Vegetation und der Preise sei noch ungewiss.
2025 war ein gutes Jahr
Ähnlich sieht es auch Markus Gfeller, Geschäftsleiter der Aargauischen Landwirtschaftlichen Kreditkasse (ALK). Wobei bei ihm – im Gegensatz zu Luzern – die ungünstige Kombination Schweine und Milchvieh wenig verbreitet ist. In vielen Bereichen seien die Preise gut, etwa bei Rindfleisch oder auch Geflügel. Zudem treffen auch einige Erträge des guten Ackerbaujahres 2025 erst jetzt auf den Bankkonten der Landwirte ein. Das sei nach dem sehr schlechten Ackerbaujahr 2024 wichtig gewesen.
2025 habe sich die Liquidität vielerorts erholt. Nun habe er aber erste Rückmeldungen von Milchproduzenten. Die tiefen Produzentenpreise haben Auswirkungen, weil gleichzeitig bei vielen Produktionsfaktoren die Teuerung deutlich spürbar ist. Für Härtefälle habe die Kreditkasse ein offenes Ohr. Heisst: Betroffene Betriebe können bei der ALK eine Stundung der vereinbarten Kredit-Tilgung beantragen. Allerdings nur solche, die ansonsten regelmässig zahlen.

Unbedingt die Ausgaben im Auge behalten
Thomas Haas begleitet als Berater am BBZN Hohenrain LU viele Hofübergaben. Schlechtere Liquidität sei aktuell noch kaum ein Thema, sagt er. Vor allem die Schweineproduzenten kennen die Schwankungen. Einige Schweineproduzenten würden sich aktuell sicher vermehrt Gedanken machen über die Zukunft. Im Milchbereich hingegen sind einige durch Preissenkungen überrascht worden, in einem Budget rechnet Haas aber immer mit tieferen Preisen, damit die Hofübergabe nicht an Preisschwankungen scheitert. Natürlich kennt er auch Betriebe, die ständig im Kampf mit der Liquidität seien.
Heikel seien jeweils auch Hofübergaben, wenn etwa Schweine noch bei guten Preisen gekauft werden müssten, dann aber die Preise fielen. Reserven auf dem Betriebskonto seien nicht verkehrt. Wobei bei sehr grossen Betrieben auch 100 000 Franken rasch knapp werden können. Viele der Betriebsleiter bekommen nach einigen Jahren Führung des Betriebes ein Gefühl für die Liquidität und investieren oder sparen entsprechend.
Haas ruft dazu auf, vorsichtiger zu budgetieren. Ein um 5 Rappen schlechterer Milchpreis dürfe einen noch nicht aus dem Konzept bringen. «Meist können Hypotheken noch viel günstiger abgeschlossen werden, als budgetiert wird, eine zusätzliche Verschlechterung bei diesen Kosten könnte für einige Betriebe zu einem Problem werden», so Thomas Haas. Auch der Privatverbrauch sollte im Auge behalten werden. Viele Familien wüssten nicht, in welchem Bereich dieser liege.
In Automatisierung wird noch immer investiert
Die Kosten sind auch Thema bei der Agrotreuhand Sursee. Die Investitionskosten seien gestiegen, so Peter Estermann. «Und wenn Betriebe aufgrund des Arbeitsaufkommens auf Angestellte angewiesen sind, ist die Rekrutierung von gutem Personal nicht einfach», sagt er. Diese Risikofaktoren zeigten sich bei der Planung von Investitionen. Dass sich diese Probleme in den letzten Monaten akut verstärkt hätten, könne man aber nicht bestätigen. Dies war schon immer eine Gratwanderung. In die Automatisierung beim Füttern, Melken und Misten wird aktuell auf vielen Betrieben investiert, gerade im Tierhalterkanton Luzern.
Tipps: So spart man Treibstoff
Zu den tieferen Produzentenpreisen bei Schweinen und Milch kommen höhere Produktionskosten. Aktuell insbesondere beim Treibstoff. Mit unterschiedlichen Massnahmen lassen sich der Dieselverbrauch des Traktors um 20–30 % senken, und die Ausgaben für den Treibstoff, welche 40 % der Betriebskosten des Traktors ausmachen, reduzieren, schreibt der Verein Agrocleantech auf seiner Webseite. Bei einem Traktor (80 kW), der während 500 h im Jahr in Betrieb ist und einen jährlichen Dieselverbrauch von 4800 l (Dieselpreis Fr. 2.1) aufweist, könnten jährlich durch das Umsetzen der Massnahmen rund 2000 bis 3000 Franken (oder 960 – 1140 l Diesel) eingespart werden. Generell gilt: Ein Traktormotor arbeitet bei einer Auslastung von 60–80 % der Leistung und bei 60–70 % der Nenndrehzahl am effektivsten. Diese Tipps können ausserdem helfen: - Keinen zu leistungsstarken Traktor - Traktor mit niedrigem Dieselverbrauch - Leichte Maschinen - Traktor mit feiner Getriebestufung - Traktor mit einer Sparzapfwelle - Traktor regelmässig warten (Luftfilter und Kühler) - Geräte regelmässig warten - Reifendruck der Arbeit anpassen - Nur nötiges Gewicht ballastieren - Arbeitsgänge kombinieren und auf Arbeitsgänge verzichten - Arbeitsbreite, Fahrgeschwindigkeit und Leistung optimal abstimmen - Anbaugeräte optimal einstellen - Angepasst fahren - Handgas benutzen - Klimaanlage ausschalten - Feldarbeit und Transport trennen - Kleine Arbeiten auf dem Hof ohne Traktor - Arbeitstiefe anpassen bei Bodenbearbeitung - Bodenverdichtung vermeiden - Zerkleinerungsintensität bei Erntemaschinen anpassen - Parzellengrösse und -form optimieren Quelle Agrocleantech
Erfolgreiches Geschäftsjahr für die Agrotreuhand Sursee
Insgesamt werden bei der Agrotreuhand (AT) Sursee rund 1200 Kundinnen und Kunden betreut, vorwiegend aus der Landwirtschaft. Die Jahresrechnung schloss wiederum mit einem Gewinn ab, was die solide Entwicklung des Unternehmens unterstreiche, schreibt AT Sursee in einer Mitteilung. Im Anschluss an die GV fand am Nachmittag die traditionelle Buchhaltertagung für die Kundschaft statt. Ein wichtiger Programmpunkt war der künftige Versicherungsschutz bei Direktzahlungen. Michael Kaufmann, Versicherungsberater beim Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband, informierte über die Neuerungen, die ab 2027 gelten werden. Neu verlangt die Direktzahlungsverordnung einen Versicherungsschutz für mitarbeitende (Ehe-)Partnerinnen und Partner bei Krankheit und Unfall. Dieser muss sowohl die Risiko-Vorsorge als auch den Verdienstausfall abdecken. Bereits im Jahr 2026 sollten Betriebe ihre bestehenden Lösungen wie KTG, UVG sowie Leistungen bei Tod und Invalidität überprüfen und bei Bedarf anpassen. Kaufmann betonte, dass Betriebsleitende und familieneigene Angestellte selbst für ihre Absicherung verantwortlich sind. Eine individuelle Lösung, abgestimmt auf Familie und Betrieb, ist dabei entscheidend. Zum Thema Finanzierung von Investitionen referierte Daniel Felder von der Luzerner Kantonalbank. Als gelernter Landwirt kennt er die Herausforderungen der Branche aus eigener Erfahrung. Er betonte, wie wichtig eine sorgfältige Planung ist. Grundlage für erfolgreiche Projekte sind unter anderem die Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre, eine realistische Budgetplanung sowie die Auswirkungen auf den Arbeitsaufwand. Die Finanzierung kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen, etwa durch Eigenmittel, Darlehen, Unterstützung von Institutionen oder Bankkredite. Auch alternative Lösungen wie Stiftungen sind möglich. Felder warnte jedoch davor, bei Bauprojekten zu stark auf Eigenleistungen zu setzen, da dies das Kerngeschäft auf dem Hof beeinträchtigen kann. Eine umfassende Planung und frühzeitige Abklärungen sind entscheidend für langfristig tragbare Investitionen.

