Viele Betriebe setzen nach wie vor auf den traditionellen Pflug: Die Vorkultur wird gepflügt und das Saatbeet ist, im Idealfall, unkrautfrei. Der Unkrautdruck kann so deutlich gemildert werden, besonders bei hartnäckigen Wurzelunkräutern ist «ein sauberer Tisch» durch das Pflügen auf vielen Betrieben weiterhin eine erfolgreiche Strategie. Gerade für Betriebe, die mit möglichst wenig Pflanzenschutz auskommen möchten, bleibt der Pflug ein wichtiges Gerät. Die Ausrichtung eines Betriebes und dessen Anteil Ackerbau, sowie die Verfügbarkeit der passenden Maschinen geben die Richtung vor.
«Ich entscheide von Fall zu Fall, welches Gerät ich einsetze»
Markus Rüegsegger aus Schüpbach BE setzt den Pflug regelmässig ein. Sein Betrieb mit Ackerbau und Mutterkuhhaltung liegt im Emmental. Nach Kunstwiese pflügt er immer. «Ich mache lieber eine Pflegemassnahme mehr und verzichte dafür auf einen zusätzlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln», sagt er. Er ist der Meinung, dass mit einem homogenen Saatbeet die Samen besseren Bodenschluss haben und gleichmässiger auflaufen. Bei den Kartoffeln hat er die Erfahrung gemacht, dass Ernterückstände aus Vorkulturen oder anderes organisches Material bei der Ernte zum Problem werden können. Beim Getreide oder nach Raps setzt er meist den Grubber ein und bereitet den Boden pfluglos vor. «Ich entscheide von Fall zu Fall, welches Gerät ich einsetze. Es kommt auf die Bedingungen an.»
So flach wie möglich pflügen
Matthias Aegerter aus Oberwil bei Büren führt in Betriebsgemeinschaft einen Ackerbau- Betrieb nach den Richtlinien von IP-Suisse. Auch er setzt den Pflug regelmässig ein. «Wir produzieren herbizidfrei Weizen, Gerste und Sonnenblumen. Um den Unkraut- und Krankheitsdruck zu reduzieren, brauchen wir den Pflug.» Seine Böden sind leicht bis mittelschwer. «Nach dem Pflügen trocknet der Boden schneller ab und erwärmt sich leichter,» erklärt er seine Bewirtschaftung, «anschliessend gehen wir ein- bis zweimal mit der Federzahnegge drüber, manchmal erübrigt sich so der Einsatz der Kreiselegge». Er pflügt eher tief, mit 15 cm, manchmal bis sogar 20 cm. Doch gerade für den Körnermais ist ihm wichtig, dass er wirklich einen «sauberen Tisch» hat und so ein homogenes Saatbeet erreicht. «Manchmal muss man Kompromisse eingehen», ist er überzeugt – und setzt bei der weiteren Bewirtschaftung auf bodenschonende Verfahren. «Ich probiere zuerst so flach zu pflügen wie möglich. Wenn es nicht gut kommt, kann ich immer noch tiefer gehen. Gerade wenn der Boden tendenziell noch etwas nass ist, ist es mir wichtig, flach zu fahren. Dann kann ich eventuell das nächste Mal etwas tiefer gehen, um die Pflugsohle wieder aufzubrechen.» Er variiert die Arbeitstiefe je nach Kultur und Bodenzustand. Den Vorschäler hat er meist auf 4-5 cm eingestellt. Die Bodenbearbeitung ist für ihn ein zentrales Thema, wo er auch gern etwas Neues ausprobiert: «Es ist mir sehr wichtig, auch nach der Ernte den Boden möglichst rasch wieder zu bedecken. Spätestens nach einer Woche möchte ich die Zwischenkultur gesät haben.» Für einen optimalen Bodenaufbau möchte er dieses Jahr ausprobieren, zusätzlich zum Grünhafer noch Ackerbohnen als Zwischenkultur einzusäen. Die Ackerbohnen sind Leguminosen und überzeugen ihn mit ihrer hohen Durchwurzelungskraft und der Stickstoffbindung.
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Auch er sieht, wie Markus Rüegsegger, die Mechanisierung des Betriebes als limitierenden Faktor. Es werden, nicht zuletzt aus Kostengründen, die Geräte eingesetzt, die auf dem Betrieb sind. «Mit unserem Traktor sind wir limitiert, welche Geräte ich anhängen kann, gleichzeitig möchte ich möglichst alles selber machen,» sagt Aegerter. Die Unkrautbekämpfung macht er mit dem Scharhackgerät oder dem Striegel. «Am liebsten würde ich mit dem Onland-pflug fahren, doch diese Investition können wir uns gegenwärtig noch nicht leisten.»
Tipps fürs Pflügen
- «So flach wie nötig bearbeiten, so tief wie möglich lockern» Die meisten Bodenlebewesen, die es für den Abbau der Biomasse braucht, befinden sich in der obersten Bodenschicht.
- Tief wenden ist generell nicht empfehlenswert, da Strukturschäden, die durch den Eingriff entstehen können, in tieferen Bodenschichten sehr schlecht zu regenerieren sind (im Unterboden gibt es weniger Bodenlebewesen, die für die Regeneration nötig sind)
- Strukturschäden im Unterboden sind sehr schwer zu regenerieren, daher sollte die Vermeidung dieser Schädigung höchste Priorität haben.
- Ist ein Eingriff im Unterboden nötig, um beispielsweise eine Pflugsohlenverdichtung zu lösen, sollte dies mit der nötigen Vorsicht bei optimalen Bedingungen mit dem Tiefenlockerer gemacht werden. Je tiefer die Strukturschädigung entsteht, umso schwieriger und langwieriger ist die Regeneration.
- Kurzfristige Verbesserungsmassnahmen auf Böden mit oberflächlicher Verdichtung und hohem Unkrautdruck können durch flaches Pflügen gemacht werden.
- Die Vorteile des Pflugeinsatzes liegen in der schnelleren Erwärmung des Bodens, der Schaffung günstiger Bedingungen für die nachfolgende Saatbettbereitung sowie einer kurzfristigen Reduktion des Unkrautdrucks.