Der Schweizer Traktorenmarkt hat sich erholt – und zwar deutlicher als erwartet. Laut Zulassungsstatistik des Schweizerischen Landmaschinenverbandes SLV wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 435 Traktoren neu in Verkehr gesetzt, 13,3 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode (384 Einheiten). Nach einem Minus von 14,9 Prozent im ersten Quartal 2024 und einem weiteren Rückgang von 10,1 Prozent im ersten Quartal 2025 ist das eine bemerkenswerte Kehrtwende.

Auch Italien verzeichnet Wachstum

Zum Vergleich: In Italien meldete der Landmaschinenverband Federunacoma in seiner Medienmitteilung vom 4. Mai 2026 für denselben Zeitraum ein Wachstum von 2,7 Prozent bei 3633 Neuzulassungen. Der deutlich grössere Markt südlich der Alpen wächst also ebenfalls, aber moderater als die Schweiz. 

Auch Mähdrescher (+65 %), Teleskoplader (+46 %) und Anhänger entwickelten sich in Italien positiv. Transporter dagegen gingen dort um 11,8 Prozent zurück – während sie in der Schweiz gemäss SLV um 18,2 Prozent auf 26 Einheiten zulegten. Die Erholung erfasst damit nicht nur den Traktorenmarkt, sondern die Schweizer Landtechnik insgesamt: Zweiachsmäher legten im ersten Quartal 2026 um 77,1 Prozent auf 62 Einheiten zu.

Grosse Gewinner und auffällige Verlierer

Der Blick auf die einzelnen Marken zeigt ein differenziertes Bild. John Deere legt im Gesamtquartal laut SLV um 76 Prozent zu (58 Einheiten), Deutz-Fahr um 33 Prozent (65 Einheiten), Claas um 42 Prozent auf 27 Einheiten. Auch Fendt, seit Jahren unbestrittener Marktführer, wächst – um 10,9 Prozent auf 112 Traktoren.

Auf der anderen Seite stehen ausgeprägte Rückgänge: Massey Ferguson bricht um 52,2 Prozent ein (22 Einheiten nach 46 im Vorjahr), New Holland um 39,5 Prozent (26 nach 43). So ausgeprägte Rückgänge einzelner Marken in einem wachsenden Gesamtmarkt legen strukturelle Gründe nahe – Modellwechsel, Importeurwechsel oder Lieferprobleme. Eine abschliessende Erklärung steht noch aus.

Verhaltene Signale aus der Industrie

Die positiven Zulassungszahlen stehen in einem gewissen Kontrast zur Einschätzung von Bucher Industries. Der Schweizer Technologiekonzern, zu dem mit der Kuhn Group einer der bedeutendsten Landmaschinenhersteller weltweit gehört, hielt in seiner Mitteilung vom 28. April 2026 fest, dass der Konzernumsatz im ersten Quartal um 7,3 Prozent auf 725 Millionen Franken gesunken sei. Der Auftragseingang sei um 8,9 Prozent auf 643 Millionen Franken gesunken. 

Die Kuhn Group allein verzeichnete einen Rückgang im Auftragseingang von 27,4 Prozent. Als Ursache nennt das Unternehmen die zurückhaltende Investitionsbereitschaft der Landwirte infolge tieferer Milchpreise und steigender Produktionskosten. Bemerkenswert ist, dass die Schweizer Erholung ohne staatliche Investitionsanreize stattfindet. In Italien fördert der Staat Landtechnikinvestitionen aktiv mit Programmen wie «Transition 4.0» und Hyper-Abschreibung.


Nachgefragt bei Roman Engeler, Direktor Landtechnik Schweiz

Nach zwei Jahren Rückgang legen die Neuzulassungen im ersten Quartal 2026 kräftig zu. Worauf führen Sie diese Erholung zurück?

Roman Engeler: Das Landwirtschaftsjahr 2025 war gesamthaft betrachtet ja nicht so schlecht. Es ist sogar eher ein gutes Jahr gewesen. Gute Jahre steigern generell die Investitionsfreude. Da und dort können auch Nachholeffekte eine Rolle spielen. Der Trend ist für den Landmaschinenhandel sicher erfreulich – man darf die ersten drei Monate aber auch nicht überbewerten. Viele Hersteller lancieren ihre neuen Modelle in einem sogenannten Agritechnica-Jahr, was die Nachfrage danach ebenfalls ankurbeln kann.[IMG 2]

Massey Ferguson bricht um 52 Prozent ein, New Holland um 40 Prozent. Was sind die Gründe?

Das ist einerseits erstaunlich – anderseits hat Massey Ferguson in der Schweiz im vergangenen Jahr überproportional stark zugelegt (+26,3%), da kommt heuer vielleicht eine gewisse Korrektur. Dazu kann es sein, dass Traktoren neuer Generationen noch nicht ausgeliefert werden konnten oder sich Verzögerungen bei der Serienfertigung ergaben. Rund 70 Prozent der in der Schweiz verkauften Traktoren bewegen sich im Leistungsbereich von 81 bis 160 PS. Wer in diesem Segment mit neuen Modellen aufwarten und sie auch ausliefern kann, hat in der Zulassungsstatistik meist gute Karten.

Italien fördert Landtechnikinvestitionen mit Programmen wie «Transition 4.0» und Hyper-Abschreibung – und wächst trotzdem weniger stark als die Schweiz. Was sagt Ihnen das?

Der Schweizer Traktorenmarkt ist im Vergleich zum Ausland in der Regel wenig volatil – nimmt aber, was die verkauften Stückzahlen betrifft, parallel zum Strukturwandel tendenziell ab. Italien hat in den letzten Jahren einige Förderprogramme lanciert, insbesondere während der Coronazeit. Viele italienische Landwirte haben aufgrund günstiger Angebote Investitionen vorgezogen und früher getätigt, als sie vielleicht notwendig gewesen wären. Diese staatlichen Interventionen führten zu einem Peak der Maschinenverkäufe, dem nun eine Phase des Abschwungs folgt. Denn wer gestern einen Traktor gekauft hat, braucht in den nächsten Tagen nicht wieder einen neuen.