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Kammschwader im Einsatz: «Der Fahrer muss schon mehr studieren»

Die Bedienung ist anspruchsvoller, aber die Vorteile bezüglich Futterqualität überwiegen laut dem Lohnunternehmer Michael Wenger, der auf den Kammschwader setzt. Inspiriert ist der hydraulisch betriebene Schwadrechen vom früheren Pferderechen.

Michael Wenger aus Längenbühl BE ist gerne «gut eingerichtet». Und er probiert gerne neue Geräte aus. Die neueste Errungenschaft seines ungefähr fünfköpfigen Lohnunternehmens ist der Kammschwader der deutschen Firma BB-Umwelttechnik.

Wind davon bekommen hat Michael Wenger an einem Agritechnica-Besuch vor ein paar Jahren. Der Meisterlandwirt war interessiert und wollte den hydraulisch angetriebenen Schwader testen. Ein Schweizer Händler unterstützte ihn dabei und nun steht das rund 900 Kilogramm schwere Gerät bei Wengers hauptsächlich für den eigenen Betrieb im Einsatz. Kunden seines Lohnunternehmens seien zwar interessiert, aber für die Raufutterernte weitgehend selbst eingerichtet und mechanisiert, sagt der Berner.

Traktor fährt nicht über das Futter

Das Modell Clementer 550 F läuft auf einer Arbeitsbreite von 5,5 Metern. Auch eine 3-Meter-Ausstattung (Clementer 300 F) sowie ein 7,5 Meter breites Modell (Clementer 750 F) sind auf dem Markt verfügbar. Die schmalere Arbeitsbreite bietet sich laut dem Hersteller bei starkem Futteraufwuchs oder schwierigem Gelände an. Die Arbeitsbreite von 7,5 Metern eignet sich hingegen eher für den schwachen Aufwuchs und in ebenen Flächen.

«Ich bin fasziniert von der Technik», sagt der aufgestellte Lohnunternehmer Michael Wenger. Die Seitwärtsverschiebung des Futters, kombiniert mit dem Frontanbau des Geräts, bedeute, dass der Traktor nicht über das gemähte Futter fahre, was die Verschmutzung verringere, so Wenger. Er wollte bewusst keine Mittelablage des Futters, weil dabei eine gewisse Zone, die Schwadablage, nicht bewegt wird.

Überzeugt von der Futterqualität

Michael Wenger sieht den Vorteil vor allem in der Futterqualität, weil durch das Anheben des Futters, im Gegensatz zum «Schleifen», wie dies beim Kreiselschwader der Fall ist, weniger Fremdbesatz im Futter landet und der Rohasche-Gehalt entsprechend tief gehalten werden kann.

Michael Wenger ist erstaunt über die saubere Futteraufnahme des Kammschwaders. Das war allerdings nicht von Anfang an so: «Zu Beginn hatte ich den alten Schwader noch nicht verkauft, ich war noch etwas skeptisch», sagt Wenger. Nun aber arbeite er nur noch mit dem Kammschwader, der vom Pferderechen inspiriert ist.

Es kommt nicht zu Seitenschub

Michael Wenger schwadet Silo, Heu sowie Stroh mit dem hydraulisch angetriebenen Gerät. Mit einem Seitenschub ist der Kammschwader nicht ausgestattet, somit arbeitet der Schwader asymmetrisch an der Front. Wenige Handgriffe reichen, um aus dem Doppelschwader einen Einfachschwader zu machen. Dabei wird das rechte Element kurzerhand abgekoppelt.

Zum Beispiel zum Wenden von Stroh oder für den Einsatz in extremen Hanglagen. Mit den vier pendelnden Tasträdern, die nah an den Schwadtrommeln laufen, und dem integrierten Pendelbock ist eine gute Bodenanpassung möglich, sagt Michael Wenger. Die Gelenke an den Zinkenträgern sind mit Kugellagern gelagert. Um das Aufwickeln von Futter zu verhindern, ist an jeder sich drehenden Stelle ein Wickelschutz angebracht.

Mit der Fronthydraulik-Entlastung vom Traktor und einem Entlastungsmechanismus für den rechten Ausleger, den der Vertreiber Sepp Knüsel selbst konzipiert hat, reduziert man das Gewicht auf diese vier Räder. Auch minimiert diese Vorrichtung die Abdrift in Hanglagen. Die Leistung ist laut Wenger vergleichbar mit einem Mittelschwader.

In Serienausrüstung wird der Frontschwader über die Fronthydraulik und ein Steuergerät für das Ausheben der rechten Schwadtrommel ausgehoben bzw. in Transportstellung gebracht. Optional können die äusseren Schwadtrommeln beim zwei- oder dreiteiligen Schwader sensorgesteuert nur so weit ausgehoben werden, dass ein problemloses Überfahren von Schwaden am Vorgewende möglich ist, ohne diese zu berühren. Über einen Schalter kann der Bediener dann weiter in die Transportstellung schwenken.

Überlastsicherung schützt bei Schäden

Der hydraulische Antrieb des Kammschwaders läuft über eine zapfwellengetriebene Ölpumpe, damit die Drehzahl konstant bleibt. Grundsätzlich sind diese Schwader der BB-Umwelttechnik mit eigener Ölversorgung ausgestattet. Eine Überlastsicherung schützt bei grossem Widerstand vor Schäden. Die äusseren Schwadtrommeln lassen sich mit einem Schnellkupplungssystem an- oder abbauen.

Der Neigungswinkel des Schwaders wird über den Oberlenker eingestellt. Der Antrieb erfolgt jeweils über einen Hydromotor pro Schwadelement. Generell sei das Gerät im Vergleich zu Pickup-Systemen wartungsarm, weil das Futter nur angehoben und gefördert wird und idealerweise gar kein Bodenkontakt besteht. Die Blechbiege- und Laserteile bestehen aus Feinkornbaustahl S355 und sind pulverbeschichtet oder galvanisch verzinkt.

Wegen der Doppelräder hinten arbeitet Michael Wenger in der Regel ohne Gegenballast am Heck. In sehr steilen Hängen hat er jedoch auch schon zu Gewichten gegriffen, um die Bodenhaftung und Stabilität zu verbessern.

Kammschwader im Einsatz: «Der Fahrer muss schon mehr studieren»
In der Transportstellung ist die Sicht eingeschränkt, aber die Gesamthöhe des Gespanns nicht höher als die gesetzlich zulässigen 4 Meter.

Bedienung erfordert mehr Erfahrung

Michael Wenger ist sehr überzeugt von seinem Kammschwader, aber er ist sich auch bewusst, dass die Bedienung des Gerätes mehr Erfahrung voraussetzt als diejenige von beispielsweise einem Mittelschwader. «Der Fahrer muss schon mehr studieren – die Bedienung ist anspruchsvoller», sagt er mit einem Schmunzeln.

Dennoch sei man gegenüber einem Mittelschwader flexibler bei der Arbeit, da mehrere Schwadbreiten zusammengeführt werden könnten. Die Walme seien generell luftiger, was zum Nachtrocknen von Heu, Emd und Stroh natürlich ideal sei, so Wenger.

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