Ackerkratzdisteln können 4000 bis 5000 flugfähige Samen pro Pflanze und Jahr bilden, die im Boden bis zu 20 Jahre überlebensfähig sind. Keimlinge aus den kleinen Samen sind konkurrenzschwach und können sich daher auf unbewachsenem Boden oder in einem lückigen Bestand am besten etablieren.
In kurzer Zeit aus einer Pflanze ein ganzes Nest
Nach dieser verletzlichen Startphase bilden die Pflanzen eine Pfahlwurzel mit einem bis zu 3 Meter tief reichenden Wurzelwerk samt Ausläufern. Der Grossteil der Wurzelmasse befindet sich in Tiefen von etwa 2 Metern und ist somit mit den gängigen Bodenbearbeitungsgeräten nicht erreichbar. Werden die Wurzeln geteilt, treiben sie wieder aus und bilden neue Pflanzen.
Pro Jahr können die Ausläufer bis zu 2 Meter in die Breite wachsen, wobei pro Meter wieder rund 8 Knospen gebildet werden. Aus nur einer Pflanze kann in kurzer Zeit ein dichtes Nest entstehen.
Für eine erfolgreiche Bekämpfung sind vorbeugende Massnahmen, ein frühes Eingreifen und viel Ausdauer bei den wiederholenden Massnahmen entscheidend.
Boden bedecken und konsequent die Versamung verhindern
Vorbeugend kann eine Verbreitung mit einer guten Bodenbedeckung verhindert werden. Dies wird am einfachsten mit mehrjährigen Kunstwiesen oder Luzerne erreicht. Besonders anfällig für eine Verbreitung im Ackerbau sind Fruchtfolgen ohne Kunstwiesen und Flächen mit reduzierter Bodenbearbeitung oder fehlender Stoppelbearbeitung.
Hat man Disteln im Feld, muss man mindestens die Versamung verhindern, indem man regelmässig mäht, die Stängel abschneidet oder die Pflanzen komplett ausreisst. Das häufige Abschneiden oder Ausreissen schwächt mit der Zeit die Wurzelausläufer, da deren Nährstoffreserven immer wieder für den Wiederaustrieb verwendet werden müssen.
Zum richtigen Zeitpunkt chemisch bekämpfen
Momentan, im Juni 2026, haben die Ackerkratzdisteln an vielen Orten eine Grösse von 15 bis 20 cm erreicht, sodass eine chemische Bekämpfung erfolgen kann. Dafür können in verschiedenen Kulturen Herbizide mit Wirkung gegen Ackerkratzdisteln verwendet werden, oder es wird eine Einzelstockbehandlung durchgeführt.
Später ist in den Stoppeln auch eine Nesterbehandlung möglich. Bei der chemischen Bekämpfung ist das Stadium der Disteln entscheidend. Für eine gute Wirksamkeit muss die Applikation bei wüchsigem Wetter und wenn die Nährstoffe in die Wurzeln eingelagert werden, d.h. bei etwa 20 cm Pflanzenhöhe, gemacht werden. Bei zu kleinen Pflanzen wird der Wirkstoff nur ungenügend in die Wurzeln transportiert.
Was an Wirkstoffen zur Auswahl steht
In Zuckerrüben können die Disteln aktuell noch mit Clopyralid (z.B. Clio 100) und Öl bekämpft werden. Im Mais existiert kein Mittel mit sehr guter Distel-Wirkung. Bis ins 6-Blatt-Stadium kann man Dicamba einsetzen oder versuchen, die Disteln mit dem Breitbandmittel Equip Power zu bekämpfen.
Das Mischprodukt Arrat, das auch Dicamba enthält, kann bis ins 8-Blatt-Stadium eingesetzt werden. In Kartoffeln kann bei starkem Befall als Notlösung MCPB (z.B. Divopan) eingesetzt werden, wenn die Kartoffelstauden 25 cm hoch sind (Achtung: nicht anwenden bei Saatkartoffeln und bei den Sorten Agria, Désirée, Urgenta, Laura, Lady Rosetta).
Im Getreide gilt es jetzt, nicht mehr lange vor der Ernte, gegen die Disteln manuell vorzugehen, das heisst Blütenköpfe abschneiden oder ganze Pflanzen ausreissen.
Mechanisch und chemisch kombinieren
Um die Verbreitung erfolgreich verhindern zu können, müssen die Massnahmen früh und konsequent umgesetzt werden.
Vielversprechend sind Strategien mit kombinierten mechanischen und chemischen Massnahmen. Wird die Strategie über mehrere Jahre umgesetzt, können die Ackerkratzdisteln langfristig zurückgedrängt werden.