Die Weinbauern in der Ostschweiz haben in diesen Tagen mit grossen Herausforderungen zu kämpfen. Ungeachtet der Produktionsrichtung haben mit dem Falschen Mehltau alle den gleichen Feind, welcher teilweise schon massive Schäden angerichtet hat.

Herausforderungen

«Wir verzeichnen einen enorm hohen Pilzdruck, welcher vor allem auf die vielen Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit zurückzuführen ist», führte Markus Hallauer, Präsident der Rebbaugenossenschaft Hallau- Oberhallau, in der Begrüssung zur ersten diesjährigen Rebbegehung der drei Fachstellen Schaffhausen, Thurgau und Zürich aus.

Auch wenn es an diesem Abend erneut wie aus Kübeln schüttete, verzeichnete man einen Grossaufmarsch. Die Anwendung der Pflanzenschutzmittel und die Vernetzung standen im Fokus. «Wir haben seit dem ersten März bis heute über 500 mm Niederschlag in Hallau gemessen. Seit Mitte Juni haben wir fast jeden Tag Regen verzeichnet», betonte Rebbauberater Maurice Bersier. Wohl haben die Reben eigentlich schön verblüht. Doch nun gilt gemäss Bersier alle Aufmerksamkeit dem Falschen Mehltau, der bereits Trauben befallen hat.

Die Anwendung der Pflanzenschutzmittel stellt hohe Anforderungen, wie Rebbaukommissär Markus Leumann deutlich machte. Es ist dabei die vom Wind und der Tröpfchengrösse beeinflusste Drift, welche beim Pflanzenschutz eine zentrale Rolle spielt. «Abdrift heisst, dass das Pflanzenschutzmittel nicht auf das Zielobjekt abgelagert werden konnte», betonte Leumann. Deshalb ist für ihn die weinbauliche Praxis die beste Möglichkeit, um die Abdrift zu verhindern. «Richtig eingestellte Geräte und eine korrekte Befüllung und Reinigung lässt die Abdrift verhindern», rief er in Erinnerung.

Mit Recycling sparen

Auch die technischen Möglichkeiten sind bei der Abdriftreduktion voll auszuschöpfen. «Es ist wichtig, dass die richtigen Düsen eingesetzt werden», sagte Landtechnikfachmann Werner Stoll, indem er verschiedene Typen bezüglich Vor- und Nachteile vorführte. «Es ist sehr wichtig, dass die Zahl der Düsen der Laubwand angepasst und dass der Wind richtig eingestellt ist», meinte auch Winzer Dominik Gasser, ein weiterer Referent. Mit der Recyclingspritze, welche im Direktzug bei optimalen Bodenverhältnissen bis etwa 30 Prozent Hangneigung eingesetzt wird, lässt sich Geld und vor allem auch viel Pflanzenschutzmittel einsparen.

Besondere Situation

«Wir suchen weltweit nach neuen biologischen Pflanzenschutzmitteln, um dazu beizusteuern, dass weniger synthetisch hergestellte Produkte eingesetzt werden müssen», hielt in einer abschliessenden Talkrunde der Pflanzenschutzspezialist Hansueli Graf fest. «Wir haben bei der Verwirrungstechnik zur Bekämpfung des Traubenwicklers das dabei eingesetzte natürliche Pheromon nachgebaut und stellen es synthetisch her», sagt Mirjam Burri von der Firma Andermatt Biocontrol AG. Gerade die aktuelle, sehr kritische Situation rund um den Falschen Mehltau ist für alle Betroffenen herausfordernd. Die schwierige Befahrbarkeit der Böden, das teilweise überdurchschnittliche und sehr schnelle Wachstum der Reben und der durch das Wetter massiv erhöhte Pilzdruck sind spezielle Probleme. Insbesondere im Biorebbau sind die Herausforderungen besonders gross. 

 

Biodiversitätsprojekte

Im Kanton Schaffhausen waren 2003 zwei kantonale und 15 kommunale Vernetzungsprojekte für Biodiversität angestossen worden, welche Ende 2021 auslaufen. «Diese Verträge können nun für weitere acht Jahre bis 2029 verlängert werden», sagte Bernhard Egli vom Bioforum an der Rebbegehung in Oberhallau.

In Kombination mit Artenförderung und Schaffung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) sind diese Projekte auch im Rebbau umgesetzt worden. Die Verträge können verlängert werden, es müssen aber Zusatzbedingungen für Vernetzungsbeiträge erfüllt werden. «Wir streben dabei über alle 15 kommunalen Projekte identische Bewirtschaftungsbedingungen an», so Egli.

Die Grundanforderungen an artenreiche Reben sind in der Direktzahlungsverordnung des Bundes festgehalten. Dazu gehört etwa das alternierende Mähen der Reihen. Gefordert sind mindestens 5 Prozent der Rebparzellen oder direkt angrenzende betriebseigene Vernetzungsflächen, Kleinstrukturen oder eine wertvolle unproduktive Fläche.

Bereits zeigen sich erste Erfolge: «In Hallau haben die BFF im Rebbau um 83 Prozent auf 69,90 ha und in Oberhallau sogar um 95 Prozent auf 16,19 ha zugenommen», stellte Egli erfreut fest. Entsprechende Zielarten wie die Heidenlerche, der Wendehals oder der Wiedehopf konnten sich in beiden Gemeinden Hallau und Oberhallau deutlich vermehren. Die Zaunammer konnte wie auch der Ackergelbstern gar wieder neu angesiedelt werden.