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«Es braucht mehr Pflanzer, um das Marktpotenzial auszuschöpfen»

Beim Bio-Zuckerrüben Workshop des FiBL wird deutlich, dass die Nachfrage nach Schweizer Ware steigt. Den anwesenden Bio-Bauern fehlen jedoch ökonomische Anreize, um die Produktion auszuweiten.

Beim Bio-Zuckerrüben-Workshop des FiBL in Frauenfeld erklärte Sebastian Sieber vom Vertrieb der Schweizer Zucker AG, dass aktuell ausschliesslich Coop mit der in der Schweiz produzierten Menge an Biorübenzucker beliefert werden könne. Allen weiteren Interessenten müsse abgesagt werden. Selbst der Bedarf von Coop sei jedoch momentan nicht komplett mit heimischer Ware zu decken. Dies führe dazu, dass Produkte wie der Kristallzucker in der 500-Gramm-Packung wieder auf EU-Biozucker umgestellt werden mussten.

Wachsender Markt

Weiter hiess es in den Vorträgen des Workshops, dass für 2023 trotzdem Sortimentserweiterungen mit Schweizer Rübenzucker-Produkten bei Coop geplant seien. Damit reagiere der Detailhändler auf den durch die Corona-Pandemie nochmals befeuerten Trend zu nachhaltigen und regionalen Lebensmitteln. Der Bio-Rübenzuckermarkt sei eine Nische mit grossem Potenzial. «Um das Potenzial auszuschöpfen, braucht es mehr Pflanzer», betonte Sebastian Sieber. Zwar wächst die Anbaufläche von Biozuckerrüben in den letzten Jahren im Gegensatz zur Fläche von konventionellen Zuckerrüben, wo die Zahlen seit 2014 rückläufig sind. Eine vergleichbare Zunahme der Anbauflächen wie bei IP-Suisse 2020 von 279 auf 974 ha, lässt bei Bio Suisse jedoch auf sich warten. Dies liege nach Ansicht der beim Workshop anwesenden Biobauern auch an den zu niedrigen Preisen.

«Es braucht mehr Pflanzer, um das Marktpotenzial auszuschöpfen»
Die Anbaufläche von Bio-Suisse-Zuckerrüben wächst nur langsam im Gegensatz zur Fläche bei IP-Suisse.

Handarbeit und niedrige Preise überzeugen nicht

Der Richtpreis für Biozuckerrüben für 2022 beträgt 158 Franken pro Tonne, darin ist die Bio-Suisse-Labelprämie von 30 Franken enthalten, die bis 2024 zugesichert ist. Damit ist er dreimal höher als der Richtpreis für konventionelle Zuckerrüben. Zusätzlich erhalten die Bauern befristet bis 2026 einen Einzelkulturbeitrag von 2100 Franken pro Hektare und eine Förderung von 200 Franken pro Hektare für den Bioanbau. Diese Preise und Prämien sollten eigentlich die Anbaubereitschaft der Bauern erhöhen, doch die Mehrheit der Pflanzer, die am Workshop teilnahmen, hat ihre Zweifel, ob diese Strategie aufgeht. «Mit 100 bis 200 Stunden Handarbeit pro Hektare kann ich auch Chicorée, Sellerie oder Rüebli anbauen und erwirtschafte einen höheren Deckungsbeitrag», argumentierte ein Bio-Zuckerrübenbauer.

«Jeder sollte dabei bleiben»

Für Luzi Schneider von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau hat die Zuckerrübe jedoch ganz klare Vorteile gegenüber anderen Kulturen. «Gerade in einem Jahr wie diesem mit grossen Hagelschäden konnte bei den Zuckerrüben trotzdem eine Ernte eingefahren werden, das war bei anderen Kulturen nicht möglich», erklärte er während seines Vortrags. Ausserdem riet er den Pflanzern, nicht aus dem Anbau auszusteigen, da die Zuschüsse bis 2024 bzw. 2026 gesichert seien. Die anwesenden Bauern wiesen allerdings darauf hin, dass der Zeitraum der Prämien zu kurz sei, damit es sich lohne, in Mechanisierungen zu investieren. Dies sei auch ein Grund dafür, dass es nur so wenige Biopflanzer gebe. Trotzdem spreche für sie als Biobauern auch einiges für die Zuckerrübe. So z. B. ihr Wert für die Fruchtfolge oder auch die breit angelegte Forschung, die versuche, den Bioanbau mit Hilfe von gepflanzten statt gesäten Rüben, neuen Sorten oder dem Sä- und Jätroboter von Farmdroid zu erleichtern.

Lieferung und Annahme

Für interessierte Bauern und Bäuerinnen ist zu beachten, dass alle Schweizer Biozuckerrüben am Standort in Frauenfeld verarbeitet werden. Die Verarbeitung läuft gemäss Anfuhrplan Ende September bis Anfang Oktober. Die Verwiegung erfolgt im Werk Frauenfeld ebenso wie die Probennahme.

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