Es ist eine Methode, die man mittlerweile bestens kennt. Aktivisten dringen nachts in einen Stall ein, filmen, was sie finden – oder eben einfach, was sie brauchen. Die Bilder landen bei einer Organisation, die daraus eine Strafanzeige zimmert. Eine Medienmitteilung folgt, griffig formuliert, mit Zitaten und vor allem mit Forderungen an die höchstmögliche Instanz, hier mal an den Bundesrat. Und irgendwo wartet eine Redaktion, die die Geschichte gerne nimmt. So funktioniert das Geschäft mit dem Tierleid. Ein eingespieltes Zusammenspiel zwischen Aktivisten, Tierrechtsorganisationen und willigen Medien – und es funktioniert umso besser, je prominenter das Ziel ist.
Was ist passiert?
In einer Januarnacht dringen Unbekannte in einen Schweinestall im Emmental ein und filmen. Die Aufnahmen zeigen unter anderem ein krankes Schwein auf dem Stallboden. Die Bilder landen bei Tier im Fokus, die Wochen später Strafanzeige wegen Tierquälerei einreicht. Der Betrieb gehört der Familie Bernhard – Andreas Bernhard, Präsident von Suisseporcs, und seinem Sohn Simon, der den Hof seit 2023 führt. Der Tages-Anzeiger macht die Geschichte gross. Elf Tage vor den Berner Grossratswahlen.
Das Ziel war kein Zufall
Man hat sich Andreas Bernhard sehr gezielt ausgesucht. Den höchsten Schweizer Schweinezüchter. Einen Mann, dessen Name in der Branche für etwas steht. Wenn man ihn trifft, landet man auf der Frontseite. Das weiss man bei Tier im Fokus genau. Und man hat den Moment gut gewählt: elf Tage vor den Grossratswahlen vom 29. März, für die Tier im Fokus in vier Wahlkreisen antritt – im Wahlkreis Bern angeführt von Tobias Sennhauser, Mediensprecher der Organisation und frischgebackener Berner Stadtrat.
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Was die Familie Bernhard sagt
Simon Bernhard sagt gegenüber dem Tages-Anzeiger: Ein Schwein litt an einer Gelenksentzündung, wurde separiert und mehrfach behandelt. Am Abend jenes Januartages sah er, dass das Tier weiter leidet. Genau in jener Nacht entstanden die Aufnahmen. Er steht dazu, dass er das Tier früher hätte einschläfern sollen. Sein Vater Andreas sagt: Der Betrieb habe bei unangemeldeten Kontrollen nie eine Beanstandung gehabt. Nie. Der Tierarzt, der regelmässig im Stall ein- und ausgeht, bezeichnet ihn ohne Zögern als Spitzenbetrieb. Laut Tages-Anzeiger soll das Veterinäramt nach einer Kontrolle keine weiteren tierschutzrechtlichen Mängel festgestellt haben.
Tiere sind nicht einfach gesund oder tot
Vielleicht sollte man sich kurz vorstellen, wie es aussieht, wenn ein Mensch krank ist. In einem Spital gibt es keine schönen Bilder. Menschen liegen an Schläuchen, sind benommen von Schmerzmitteln, sehen elend aus. Kein Mensch käme auf die Idee, nachts ein Krankenhaus zu betreten, Bilder zu schiessen und daraus eine Strafanzeige zu basteln. Tiere sind nicht gesund oder tot – dazwischen liegt eine Realität, die jeder kennt, der täglich mit ihnen arbeitet. Ein krankes Tier zu behandeln, zu beobachten, abzuwägen – das ist Tierhaltung. Dass eine grosse Mehrheit der Bevölkerung offenbar den Bezug dazu so vollständig verloren hat, dass eine solche Medienmitteilung überhaupt Aufmerksamkeit erhält, ist das eigentlich Beunruhigende an dieser Geschichte.
Eine bodenlose Frechheit
Was hier geschehen ist, ist keine Grauzone. Aktivisten dringen illegal in einen Stall ein – seuchenrechtlich, strafrechtlich und menschlich inakzeptabel – und liefern das Material für eine Kampagne, die Name, Funktion und Gesicht einer Familie publikmacht, für die die Unschuldsvermutung gilt. Ein Einzelfehler, den der Betroffene selbst eingesteht und trägt, wird zur «systematischen Pflichtverletzung» aufgeblasen. Das ist keine Aufklärung. Das ist Rufmord mit Kalkül – und eine bodenlose Frechheit gegenüber einer Familie, die einen Vorzeigebetrieb führt.
Das Kalkül wird sich rächen
Man kann über Tierschutzkontrollen diskutieren. Man kann über Vollzugslücken reden. Das sind legitime Debatten. Aber Organisationen, die so vorgehen – die gezielt den exponiertesten Namen wählen, den Moment des grössten Schadens kalkulieren und sich dabei als moralische Instanz aufspielen – schneiden sich früher oder später ins eigene Fleisch. Und anders als beim kranken Schwein im Emmentaler Stall wird diese Wunde nicht behandelbar sein. Das sollte sich jeder merken, der am 29. März den Wahlzettel in die Hand nimmt.