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Mastjager werden zur Schlachtung exportiert, um den Schweizer Markt zu entlasten

Die Teilnehmer der Generalversammlung der Anicom AG erhielten von Geschäftsführer Christian Probst einen Überblick über die teils turbulenten Entwicklungen am Fleischmarkt.

«Eigentlich ist gerade jetzt, im Frühsommer, die beste Zeit, um Mastschweine zu vermarkten», sagte Christian Probst, Geschäftsführer des Vermarktungsunternehmens Anicom AG, in der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung (GV) in Bern.

«Und doch können derzeit nicht alle Schweine restlos platziert werden», führt er aus. Dies sei sehr bedenklich und bei den Mastjagern ähnlich. Wie der Markt sich entwickeln wird, sei ungewiss.

Export soll die Situation verbessern

Dennoch stellte Christian Probst Exportmassnahmen vor, mit denen Anicom die Situation zu verbessern versucht. Zunächst wollte man mit der Schlachtung von Spanferkeln für den CH-Markt und den Export Abhilfe schaffen.

Dies habe jedoch nicht funktioniert, da der vorgesehene Abnehmer abgesprungen sei. Auch der Export von Teilstücken und Schlachtschweinhälften könne helfen. «In zwei Wochen werden wir damit beginnen, im Auftrag der Suisseporcs Mastjager zur Schlachtung nach Deutschland zu exportieren. Das machen wir nicht gern», gibt Probst zu.

Anicom habe dafür in enger Zusammenarbeit mit der Schweinehandelsvereinigung ein Konzept eingereicht, welches mittlerweile behördlich bewilligt wurde.

Stilllegung von Zuchtplätzen wurde abgelehnt

Als langfristige Marktentlastungsmassnahme war die Stilllegung von Zuchtschweineplätzen angedacht, die kürzlich von den Delegierten der Suisseporcs abgelehnt wurde. «Der Markt wird nun wahrscheinlich über den Preis geregelt werden», kommentiert Christian Probst.

Anicom nehme die Ablehnung der Produzenten zur Kenntnis und wolle weiterhin mit der gesamten Branche konstruktiv nach Lösungen suchen, um den Schweinemarkt ausgeglichen zu gestalten und zu stabilisieren.

Im Gegensatz zur Situation auf dem Schweinemarkt läuft die Preisentwicklung bei sämtlichen Haartierkategorien erfreulich, wie Probst hinzufügte. Allein die Verfügbarkeit von Tränkekälbern sei auf dem Haartiermarkt als Herausforderung zu sehen.

Stabile Landwirtschaft unter Druck

Verwaltungsratsvorsitzender Markus Hämmerli fasst zusammen: «Die Tierhaltung wird immer komplexer. Eine professionelle, leistungsorientierte Produktion trifft auf hohe gesellschaftliche und politische Erwartungen. Und dazwischen haben wir einen Markt, der die Leistungen der Landwirtschaftsbetriebe nicht immer vollständig abzubilden vermag.»

Wirtschaftlich sei die Schweizer Landwirtschaft stabil, strategisch stehe sie jedoch unter Druck, so Hämmerli. Am Ende spüren dies die Bauernfamilien mit am stärksten und hätten Entlastung am nötigsten. Ein Mechanismus, der dabei helfen soll, ist die Organisation in einer bäuerlichen Genossenschaft.

Genossenschaften sind für Familienbetriebe wichtig

Michael Feitknecht, Vorsitzender der fenaco Geschäftsleitung, stellte an der GV in seinem Referat in diesem Zusammenhang die Ergebnisse einer Umfrage vor, die 2025 von fenaco und weiteren Agrargenossenschaften in Auftrag gegeben wurde und aufzeigen sollte, wie Genossenschaften von Landwirtinnen und Landwirten sowie von der schweizerischen Bevölkerung wahrgenommen werden.

«Rund 50 Prozent aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe sind via Landi Mitglied der fenaco. Als Hauptgründe einer Mitgliedschaft nannten Landwirte hauptsächlich wirtschaftliche Vorteile», erklärt Feitknecht.

Mastjager werden zur Schlachtung exportiert, um den Schweizer Markt zu entlasten
Die Anicom AG begrüsste zur diesjährigen Generalversammlung zahlreiche Teilnehmende im Kursaal Bern, v.l. Verwaltungspräsident Markus Hämmerli, Referent und fenaco-Geschäftsleiter Michael Feitknecht und Anicom-Geschäftsleiter Christian Probst.

95 Prozent der befragten Landwirte sprachen sich dafür aus, dass landwirtschaftliche Genossenschaften wie die fenaco ihre starke Position behalten oder weiter ausbauen. Die Gesellschaft wünsche sich eine Nahrungsmittelproduktion im familiären Umfeld.

Landwirtschaft soll also auf Familienbetrieben stattfinden. Für diese seien Genossenschaften wichtig, weil sie Aufgaben übernehmen, die ein einzelner Betrieb nicht stemmen könne. «In Ländern, in denen hingegen Grossbetriebe dominieren, sind Genossenschaften weniger bedeutsam», so der Referent.

Fenaco könne ihre Mitglieder sowohl durch kurzfristige als auch durch langfristige Massnahmen unterstützen, obwohl diese manchmal im Konflikt zueinanderstehen. Ein Beispiel dafür sei die Abnahme und Einlagerung von Produkten in Zeiten reduzierter Nachfrage.

Mastjager werden zur Schlachtung exportiert, um den Schweizer Markt zu entlasten
Cyrill Schildknecht (links), sowie Yves Nicolet (rechts) schieden aus dem Verwaltungsrat aus. Franz von Büren (Mitte links) und Jean-Philippe Cotting folgen nach.

Positive Erfahrungen bei der Lagerung von Dünger

Kurzfristig sei dies gut für die Landwirte, langfristig könne es jedoch auch schädigend sein, denn Lagerung sei kostspielig. Positive Erfahrungen mit der Investition in Lagerkapazitäten habe man seitens der fenaco beim Dünger.

«Wir haben am Auhafen 20 Mio. Fr. in Lagerkapazität investiert, so dass wir Dünger einkaufen können, wenn die Preise attraktiv sind und diese an die Landwirtinnen weitergeben können», ordnet Michael Feitknecht ein.

In der aktuellen Saison konnten sich die Landwirtinnen und Landwirte dank des Düngervorbezuges mehrheitlich zu normalen Preisen eindecken – obwohl die Preise wegen des Irankriegs deutlich gestiegen sind.

Das Jahr 2025 für die Anicom AG

Insgesamt blickt die Anicom AG auf ein zufriedenstellendes Jahr 2025 zurück, obschon sich gegen Jahresende bereits Turbulenzen im Schweinemarkt abzeichneten. Dennoch stieg der Warenverkaufserlös dank überwiegend guter Produzentenpreise in allen Bereichen um 4,9 Prozent auf rund 534 Mio. Fr. Dadurch konnte Anicom ihren Kundinnen und Kunden 24,8 Mio. Fr. mehr für ihre gelieferten Tiere ausbezahlen. Der Jahresgewinn belief sich auf CHF 661 545. Auch personell gab es Veränderungen. Aufgrund der Amtsdauerbeschränkung von 12 Jahren sind Cyrill Schildknecht aus Gossau SG und Yves Nicolet aus Cottens FR aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Als Nachfolger wurden Franz von Büren aus Bischofszell TG und Jean-Philippe Cotting aus Middes FR einstimmig gewählt.

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