Nun herrscht Klarheit. Nach monatelangem Ringen und Diskutieren haben die Suisseporcs-Delegierten an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 27. Mai in Olten SO den Stilllegungsbeitrag äusserst knapp abgelehnt. 69 waren dafür, 39 dagegen. Für die vom Zentralvorstand der Suisseporcs selbst auferlegte Zweidrittelmehrheit fehlten somit bei insgesamt 108 anwesenden Delegierten lediglich 4 Ja-Stimmen, wie Präsident Andreas Bernhard nach der Versammlung den Medien erklärte. Vorausgegangen war eine fast vierstündige Versammlung. Medienschaffende waren nicht zugelassen. Der Beitrag zu einer mittelfristigen Marktentlastung wurde im Auftrag der Branche von einer breit abgestützten Kommission erarbeitet und vom Zentralvorstand für gut befunden.

Abo Schweinemarkt Suisseporcs: «Söieler» wollen die ausserordentliche Delegiertenversammlung Mittwoch, 6. Mai 2026 Bei der freiwilligen Stilllegung von Zuchtsauenplätzen sollten auslaufende Schweinebetriebe eine Entschädigung erhalten, so der Plan. Und zwar rund 2000 Franken pro Platz. Die Finanzierung wäre über einen Fonds erfolgt, gespeist durch Abzüge pro Schlachtschwein. Bei einer Entschädigung von 2000 Franken pro Platz sollten für 3 Millionen Franken jährlich 1500 Zuchtsauenplätze stillgelegt werden.

Skepsis vor allem aus der Ostschweiz

Während der Infoabende Anfang des Jahres wurde bereits deutlich, dass die Ostschweizer Produzenten diese Art von Eingriff in den Schweinemarkt nicht für gut befinden. Die Suisseporcs zählt um die 120 Delegierte, aufgeteilt auf die Sektionen Zentralschweiz, Ostschweiz und Mittelland-Romandie. Die Ostschweizer Sektion macht also rund ein Viertel aus. Mit einem entsprechenden Antrag an der ordentlichen Suisseporcs-DV von Anfang Mai wollten sie das Stilllegungsprojekt stoppen, bzw. die ausserordentliche DV sistieren, um nochmals über die Bücher zu gehen. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Diskussionen waren bereits damals engagiert bis emotional. Engagiert, aber «korrekt», wurde an der heutigen Versammlung debattiert, berichten mehrere Stimmen.

Schweine Proviande-VR unterstützt Bestrebungen von Suisseporcs zur Angebotssteuerung Dienstag, 5. Mai 2026 Erste Hinweise auf den knappen Ausgang der Abstimmung von heute gab es aber bereits. Da die Ostschweizer Produzenten ziemlich geschlossen gegen den Stilllegungsbeitrag sind und weitere Stimmen aus anderen Landesteilen dazukamen, wurde eine Zweidrittelmehrheit zu einer grossen Hürde. Einige Gegner haben ziemlich offen damit gedroht, aus dem Produzentenverband auszutreten, sollten tatsächlich, wie angedacht, die Produzenten die Kasse für die Stilllegung zu äufnen haben. Dieses Damoklesschwert schwebte bis heute über den Köpfen der Verantwortlichen.

Die Krise dauert an

Dass die aktuelle Krise auf dem Schweinemarkt längst nicht ausgestanden ist, zeigte sich diese Woche. «Die aktuelle Reduktion der Schlachtschweinepreise mit gewaltigen Preissprüngen gibt Anlass zu grosser Sorge und Unverständnis», schreibt die Fachkommission Markt der Suisseporcs in ihrer Medienmitteilung von gestern Dienstag. Der Unmut sei gross und man sei konsterniert, zu dieser Jahreszeit einen derart grossen Preisabschlag bei den Schlachtschweinen hinnehmen zu müssen. Der Abschlag von 50 Rappen auf noch Fr. 3.20 / kg SG sei ein «enormer Wertschöpfungsverlust». 

Abo Suisseporcs Suisseporcs-Präsident Andreas Bernhard: «Gegenüber 2025 verlieren wir 200 Millionen Franken» Montag, 13. April 2026 Die Produzenten finanzierten seit Februar Marktentlastungsmassnahmen. Sie haben vorerst in die Entlastung der Tiefkühllager der Verarbeiter investiert. Weitere Marktentlastungsmassnahmen sind vorgesehen. Die hohe Preissenkung auf einen Schlag sei nicht nachvollziehbar und strapaziere das gemeinsame Verständnis in der Wertschöpfungskette. «Die Schweineproduzenten erwarten, dass diese massiven Preissenkungen an die Konsumenten weitergegeben werden», so die Kommission um Präsident Noldi Windlin weiter.  

Über das weitere Vorgehen an der Marktfront wird der Zentralvorstand an seiner nächsten Sitzung beraten.