«Mit den zurückgestellten Schlachtschweinen bestehen grosse Angebote bei einer mittleren Nachfrage», heisst es im Marktbericht von Suisseporcs für diese Woche. Tiefkühlfleisch aus den letzten Monaten werde ausgelagert. Ab der zweiten Juniwoche, offiziell ab dem 5. Juni 2026, kommt nun ein erneuter «massiver Preisschock», wie es im Marktbericht heisst. Nicht verkäufliche Mehrmengen führen demnach zu grossen Angeboten mit deutlichem Rückstau.
Eine aussergewöhnliche Situation
2.50 Franken/kg SG gelten ab dem 5. Juni die QM-Schlachtschweine – ein Abschlag von 70 Rappen. Bei IP-Suisse gibt es noch Fr. 2.75, in. der Vorwoche waren es 3.45 Fr. Einen enormen Preisdruck gibt es zudem im Segment der abgehenden Muttersauen. Zwischen 50 und 70 Rappen pro Kilo SG bekommen die Schweinehalter hier. Im Vergleich zur Vorwoche nur gerade noch halb so viel.
Was aktuell passiert, ist im negativen Sinne geschichtsträchtig für den Schweinemarkt. Noch nie war wohl der Schweinepreis so tief, zumindest inflationsbereinigt. Kaum je gab es dermassen Abschläge während der Grillsaison, und gleich 70 Rappen von einer Woche zur nächsten sind ebenfalls aussergewöhnlich. Ein Abschlag in gleicher Höhe schockierte die Produzenten schon zum Jahreswechsel. Auch in der zweiten Maihälfte waren es 50 Rappen pro kg SG.
Abnehmer am längeren Hebel?
Aufgrund der Einstallungen wurde Preisdruck vermutet, das Ausmass überrascht nun aber. Die Einbussen für angemeldete Posten seien im Einzelfall massiv, sagt Stefan Müller, Geschäftsführer des Produzentenverbandes Suisseporcs. Der Abschlag sei in der Höhe unverständlich und natürlich suche man mit den Abnehmern das Gespräch.
Diese sitzen aktuell aber am längeren Hebel. Die Überhänge an schlachtreifen Sauen kumulieren sich. Müller geht von mehr als 10 000 Schweinen aus. Der Verband werde sich weiterhin mit aller Kraft an der Preisfront eingeben. Gewarnt vor der unguten Entwicklung hat man die Schweinehaltenden schon lange.
Nun haben alle realisiert, dass die Lage ernst ist. Aufgrund der noch anspruchsvolleren Marktlage im Anschluss an die Grillsaison müsse der Einzug zur Marktentlastung bei Schlachtschweinen und Jagern aufrechterhalten werden.
Die Geschichte wiederholt sich
Das Jagerpreismodell ist so konzipiert, dass der Preis schrittweise nachzieht. Grosse Angebotsüberhänge gibt es auch hier. Ferkel können nicht eingestallt werden, weil die zurückgestellten Schlachtschweine noch in den Ställen stehen.
Die Fachkommission Markt werde die Situation nächste Woche beurteilen. Für Stefan Müller ein Déjà-vu. Schon vor drei Jahren erlebte die Branche eine massive Krise. Der Ablauf ist bekannt: Aus Wut wird Ohnmacht, gefolgt von finanziellen Härtefällen für die Produzenten. Nicht alle werden nach diesem Sommer noch produzieren. «Eine unhaltbare Situation», findet Stefan Müller.
Mitte Juni wird der Zentralvorstand der Suisseporcs eine Standortbestimmung vornehmen. Einerseits im Nachgang der ausserordentlichen Delegiertenversammlung mit dem knapp gescheiterten Stilllegungsbeitrag zur Angebotslenkung, anderseits wird der aktuelle Markt grosses Thema sein.