Die 29. Generalversammlung der Suisag wird auf Hochdeutsch abgehalten. Dies stellte Verwaltungsratspräsident Leo Müller gleich eingangs klar. Schliesslich sollen auch die drei aus Süddeutschland angereisten Neumitglieder des Verwaltungsrates etwas verstehen. Genau ein Jahr ist es nun her, seit sich die Suisseporcs-Tochter, die in den Bereichen Genetik und Schweinegesundheit tätig ist, mit der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern zusammengeschlossen hat. Seit letztem Sommer ist die EGZH mit 10 Prozent am Aktienkapital der Suisag beteiligt. Im Gegenzug hat die Suisag das operative Geschäft von der EGZH übernommen und führte dieses zusammen im Tochterunternehmen Suisag BaySuis GmbH.
Unterschiedliche Kulturen, konstruktiver Austausch
Dank dieser Vergrösserung sei die Suisag BaySuis GmbH gut für die Zukunft aufgestellt, um ein attraktives, bäuerliches Zuchtprogramm ohne Abhängigkeiten von grossen Zuchtkonzernen erhalten zu können, versicherte Leo Müller. «Mit der Fusion der beiden Unternehmen sind verschiedene Kulturen zusammengekommen, aber es gibt konstruktiven Austausch», informierte der VR-Präsident.
«Synergien bestehen vor allem im züchterischen Bereich, etwa der Zuchtwertschätzung und Prüfung der Genetik sowie im Vertrieb und der Administration», gibt Matteo Aepli Auskunft. Die Fusion sei ein grosses Projekt mit vielen Facetten, aber alle Beteiligten zeigten sich sehr bemüht, dass die beiden Unternehmen rasch weiter zusammenwachsen.

Ambitionierte Bau- und Forschungsvorhaben
Während bei Suisseporcs um kurzfristige Massnahmen wie Stilllegungsbeiträge gerungen wird, um der Überproduktion und dem damit einhergehenden Verfall des Schweinefleischpreises entgegenzuwirken, denkt die Suisag an langfristige Weiterentwicklung. Neben dem Zusammenschluss mit dem bayerischen Zuchtprogramm gehören Investitionen in Infrastruktur- und Forschungsprojekte zu dieser Strategie, wie Geschäftsführer Matteo Aepli ausführte. Anfang 2026 konnte die zentrale Vaterlininenaufzucht in Sempach LU nach einem Stallumbau in Betrieb gehen. Und für die kommenden Jahre sind bauliche Massnahmen am Standort Knutwil geplant: Ein neues Labor- und Bürogebäude soll entstehen.
In der Forschung hob Matteo Aepli einige Leuchtturmprojekte als Investitionen in die Zukunft hervor: Im Forschungsprojekt Pig Bones wird eine verbesserte Phosphorverwertung und erhöhte Knochenstabilität angestrebt. Zudem haben die Verbesserung der Klauengesundheit und die Entwicklung eines unblutigen Embryotransfers Priorität.
Der gemeinsam mit Herdebuchbetrieben entwickelte Suis-Data-Manager als Sauenplanerlösung sei eine wahre Erfolgsgeschichte, freut sich der Geschäftsführer. 100 Betriebe mehr als noch ein Jahr zuvor nutzen ihn – sogar einige ausländische Anwender sind dazugekommen. Diese positive Entwicklung trug auch ihren Teil dazu bei, dass die Jahresrechnung 2025 mit einem Jahresgewinn von 723 118 Franken abschliessen konnte. Im Vergleich zum letztjährigen Ergebnis von rund einer halben Million Franken bedeutet dies eine nicht unwesentliche Steigerung. Es ist also kaum verwunderlich, dass sowohl die Jahresrechnung als auch die Bilanz und der Geschäftsbericht 2025 von den anwesenden 88 Prozent Aktienstimmen geschlossen angenommen wurden.

Keine rosigen Aussichten
Es kann aber nicht verschwiegen werden, dass für das nächste Geschäftsjahr ein Rückgang der Erträge zu erwarten ist. Auch in Deutschland steht der Schweinemarkt stark unter Druck. Zudem zieht sich der Schweizer Bund, wie auch bei anderen Nutztieren, vermehrt aus der Förderung zurück. «Vor allem im Bereich Tiergesundheit muss mit Kürzungen gerechnet werden», gibt Leo Müller zu bedenken.
Bund und Kantone haben die Beiträge an den Schweinegesundheitsdienst (SGD) auf das Jahr 2023 bereits um 25 Prozent reduziert. Zudem unterstehen diese Beiträge voraussichtlich der Mehrwertsteuerpflicht, weshalb nochmals 8,1 Prozent der Mittel abfliessen. Ende 2025 hat der Ausschuss Schweine der Nutztiergesundheit Schweiz (NTGS) beschlossen, für das Jahr 2026 keine finanziellen Mittel an den SGD auszurichten, weil die Produzenten nicht auf ihre Stimmenmehrheit verzichten wollten, die man ihnen damals zugesagt hatte. Ein Gesuch der Suisag an das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) wurde abgelehnt.
«In der heutigen Zeit wäre es wichtiger denn je, dass der SGD die finanzielle Unterstützung – etwa für die Seuchenbekämpfung – erhalten würde. Der ursprüngliche Betrag an den SGD steht als Budget bereit, wird aber nicht ausgerichtet. Aus unserer Sicht ist das eine äusserst unbefriedigende Situation», merkt Leo Müller an.
Allzu sehr beunruhigen lässt sich bei der Suisag von diesem nicht gerade rosigen Zukunftsszenario allerdings niemand – zumindest lässt man es sich nicht anmerken. Auch von den vor einem Jahr von Meinrad Pfister geäusserten Bedenken bezüglich der Fusion ist an diesem 12. Juni keine Rede mehr. Nachdem keinerlei Wortmeldungen angebracht werden, schliesst Leo Müller den offiziellen Teil der GV bereits nach einer Stunde. Eine kurze und bündige Angelegenheit war das, zeigten sich beim Gang zum Apéro alle Anwesenden einig.

