«Menschen, die keinen Bezug mehr haben zur Landwirtschaft, sollen einen Einblick in unseren Alltag erhalten», sagt Sina Beck. Die Junglandwirtin aus Grüsch engagiert sich bereits das zweite Jahr als Farmfluencerin auf den sozialen Medien. 

In regelmässigen Abständen informiert sie in kurzen Videos über ihre Arbeit auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen und Ziegen. Sie tut dies im Auftrag des Bündner Bauernverbands (BBV), der seit drei Jahren Bauern und Bäuerinnen aus den Bündner Bergen als Farmfluencer rekrutiert. 

Verbreitet werden die Videos auf Facebook, Instagram und Youtube sowie auf der Plattform «Naturtalent» des Zürcher Bauernverbands (siehe Kasten).

Der Weg der Kartoffeln vom Setzen bis zum Sortieren

Neu dabei beim Projekt ist auch der Hof zur Seewiese in Davos. «Wir wollen zeigen, was es heisst, Lebensmittel zu produzieren», sagt Stephan Büchi, der den Generationenbetrieb zusammen mit seiner Partnerin Janina Zbinden und den Eltern Doris und Martin Büchi bewirtschaftet. 

Ihre Hauptbetriebszweige sind Schafe und Ackerbau. In ihren Videos für das Projekt «Farmfluencer» zeigt die Familie beispielsweise den Weg der Kartoffeln vom Setzen im Frühling bis zum Sortieren der Ernte im Herbst. Dabei thematisiert sie auch die Herausforderungen, wie etwa das Risiko für Krautfäule, die durch nasse Witterung begünstigt wird.[IMG 2]

Demnächst gibt es auch einen Einblick in den Alltag auf der Alp

Weitere Bündner Farmfluencer, die bereits auf dem Kanal «Naturtalent» Einblicke in ihren Alltag gaben, sind Cyril Steiger aus Camischolas mit Schwerpunkt Ziegenhaltung sowie Ueli Blumer aus dem Safiental mit Mutterkühen und Schafen. Demnächst wird zudem ein Alpbetrieb aus dem Prättigau vom Alltag und dem Käsen auf der Alp erzählen.


«Gemeinsam ein grösseres Publikum erreichen»

Nachgefragt bei Carina Marugg

Carina Marugg ist Projektleiterin «Öffentlichkeitsarbeit» beim BBV. Unter anderem ist sie zuständig für die Bündner Mitarbeit am überregionalen Projekt «Farmfluencer».

Was ist das Ziel des Projekts «Farmfluencer»?

Carina Marugg: Ziel ist es, der Bevölkerung einen Einblick in den bäuerlichen Alltag zu geben und über die Hintergründe zu informieren. Dabei ist besonders auch ein junges Publikum angesprochen. 

Dieses ist über die sozialen Medien besser zu erreichen als über herkömmliche Medien wie beispielsweise Magazine. Mit einer Auswahl an verschiedenen Betrieben wollen wir zudem auf die Vielfalt der Landwirtschaft im Berggebiet aufmerksam machen.[IMG 3]

Wie sieht die Bilanz nach drei Jahren aus?

Die Videos stossen auf grosses Interesse, so ist etwa die Anzahl Follower(innen) deutlich angestiegen. Interessant ist dabei, dass einige davon selbst aus der Landwirtschaft sind. Es scheint, dass man unter Bauern und Bäuerinnen gerne schaut, was die anderen machen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Zürcher Bauernverband (ZBV)?

Wir konnten uns dem bereits bestehenden Projekt des ZBV anschliessen. Dieser übernimmt das Schneiden der Videos und die Koordination. Mit der Zusammenarbeit profitieren BBV und ZBV gegenseitig voneinander. So erreichen wir gemeinsam ein grösseres Publikum. Dazu kommt, dass wir mit den wechselnden Beiträgen aus Graubünden, Zürich und weiteren Regionen eine Brücke zwischen Berg und Tal schlagen können.

Zum Projekt

Das Farmfluencer-Projekt, dem sich der Bündner Bauernverband (BBV) angeschlossen hat, wurde 2021 vom Zürcher Bauernverband (ZBV) lanciert. Daran beteiligt sind insgesamt rund 35 Betriebe, mehrheitlich aus dem Kanton Zürich, dazu aus Graubünden und vereinzelt aus anderen Kantonen der Deutschschweiz. 

Pro Jahr geben etwa 7 Betriebe Einblicke in ihren Alltag und in die Nahrungsmittelproduktion. Im Schnitt wird alle zwei Tage ein neues Video veröffentlicht. «Der Inhalt ist vor allem auf Information ausgelegt und verzichtet auf politische Töne», sagt Nathanael Helfenstein vom ZBV. 

Das Projekt läuft unter dem Namen «Naturtalent», dessen Anzahl Follower(innen) in den letzten Jahren von 25 000 auf über 85 000 gewachsen ist. Etwa 90 Prozent kämen aus dem nicht landwirtschaftlichen Umfeld, dementsprechend zum Zielpublikum des Projekts.

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