Am ersten Agridea-Symposium anlässlich des 20‑Jahre-Jubiläums diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus der landwirtschaftlichen Beratung, welche Themen in der Zukunft wichtig werden könnten und wie die Beratung der Zukunft aussehen wird. Am mit über 100 Teilnehmenden gut besuchten Anlass wurden in einer offenen Podiumsdiskussion und in Workshops anstehende Herausforderungen diskutiert.
Digitale Tools und KI in die Beratung integrieren
Auf den Betrieben werden vermehrt digitale Tools eingesetzt, um sich Wissen zu beschaffen. Die Fragestellungen werden komplexer und gleichzeitig spezifischer. Hier ist Beratung gefragt, die gut informiert und vernetzt sein muss, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.
Elfriede Berger von der Hochschule für Agrarpädagogik in Wien (A) stellte die Frage in den Raum, ob vermehrt Agrar-Influencer Themen aufgreifen und digital aufbereiten, um so die Landwirtinnen und Landwirte besser zu erreichen.
Einig ist man sich, dass vermehrt digitale Tools genutzt werden sollen, um die Praktiker und Praktikerinnen aus der Landwirtschaft zu erreichen. Die Beratung der Zukunft liegt für Damien Rey, Präsident der Junglandwirtekommission, in einer ganzheitlichen und hybriden Begleitung, die mit der Nutzung digitaler Tools und KI gleichzeitig auch menschlicher und individueller werden müsse.
Rey sieht mögliche Lösungswege in der Digitalisierung: «Die Frage lautet nicht, ob KI die Beratung ersetzen wird, sondern wie KI genutzt werden kann, um Landwirtinnen und Landwirte besser zu begleiten.»
Klimawandel erfordert themenübergreifende Beratung
Fragen zum Klimawandel werden in der Zukunft vermehrt zu einem wichtigen Thema werden. Gerade beim Thema Klimawandel zeigt sich die Schwierigkeit der Anforderungen. So ist noch völlig unklar, welche Fragestellungen konkret auftauchen werden. Ebenso unklar ist, wie die Beratung dazu aussehen soll. Doch längere Hitzeperioden und starke Regenfälle werden zunehmen und die Landwirtschaftsbetriebe vor Herausforderungen stellen.
Hier sind beispielsweise auch resistente Sorten ein Thema, das die Beratung aufnehmen wird. Es sei wichtig, diese Themen zu sammeln und sich spezifische Überlegungen zu machen. Gerade beim Klimawandel zeige sich, dass Beratung themenübergreifend stattfinden müsse.
PFAS: Im Umgang mit den Ewigkeitschemikalien bleiben viele offene Fragen
Was bedeutet die Belastung der Böden mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien? Wie wird die gesetzliche Ausgangslage sein? Welche Grenzwerte eingehalten werden müssen und was bedeutet das für die betroffenen Betriebe? Markus Rombach von der Agridea vermittelte in seinem Workshop den komplexen Bereich.
Noch stehe man ganz am Anfang; Rombach forderte die Teilnehmenden auf, ihre Fragestellungen einzubringen, damit man möglichst umfangreich an das Zusammenführen der Daten und der möglichen Lösungsansätze gehen könne. Die Agridea hat dazu eine Plattform und einen Beratungsleitfaden geschaffen, damit alle auf dem gleichen Stand sind, Erfahrungen ausgetauscht werden und mögliche Ansätze gemeinsam angegangen werden können.
Neuausrichtung des Pachtbetriebes Rütti
An der Führung mit Kaspar Grünig, Direktor Inforama, wurde die Neuausrichtung des Pachtbetriebes des Inforama Rütti in Zollikofen BE erklärt. Die Weiterentwicklung zum «Wissenstransfer- und Innovationsbetrieb Rütti» (WIN Rütti) zielt darauf ab, den Standort Zollikofen im Bereich landwirtschaftliche Forschung zu stärken.
Das beinhaltet eine Neuausrichtung des Pachtverhältnisses, um Forschung und Lehre mit der Praxis zu verknüpfen. Dieser Schritt erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der BFH-HAFL und dem Inforama. Der Betrieb wird künftig als Versuchsbetrieb gemeinsam von HAFL und Inforama bewirtschaftet.
Der Betrieb soll als Modellbetrieb für landwirtschaftliche Bildung und angewandte Forschung geführt werden, um Innovationen in der Praxis zu testen und zu vermitteln. Sei es für Versuche im Bereich Tiergesundheit und Haltung oder auch im Feld- und Pflanzenbau.
Vernetzung wird immer wichtiger
Einig ist man sich, dass die Vernetzung der landwirtschaftlichen Beratungen aller Kantone zentral ist, um gemeinsam für die zukünftigen Herausforderungen gewappnet zu sein. Wichtige Aufgabe der Agridea wird es weiterhin sein, als Wissensplattform zu fungieren, um als Bindeglied zwischen Forschung und Praxis ihrer Aufgabe gerecht zu werden.
Erst die praxisnahe Aufbereitung macht das Wissen sinnvoll und auch verfügbar. Gerade mit der Neuausrichtung der AP 30+ brauche es gute Entscheidungsgrundlagen, damit die Betriebe die voraussichtlich grössere unternehmerische Freiheit besser nutzen könnten.
«Beraterinnen und Berater müssen nicht in allen Themen Fachspezialisten sein»
Nachgefragt bei Lukas Kilcher, Direktor Agridea.
Wie können die Betriebe mit ihren Bedürfnissen besser abgeholt werden?
Der Schlüssel liegt im guten Austausch zwischen Praxis, Beratung, Forschung und Vollzug. Die Agridea als Beratungszentrale agiert deshalb als Brückenbauerin und nimmt vorausschauend die Bedürfnisse, Herausforderungen und Chancen der Landwirtschaft in allen Regionen der Schweiz auf. Sie unterstützt darauf aufbauend die Beratung und die Betriebe mit bodenständigem Praxiswissen.[IMG 2]
Welche Fähigkeiten müssen Beraterinnen und Berater in Zukunft mitbringen, damit sie den neuen Anforderungen gerecht werden?
Beraterinnen und Berater müssen nicht in allen Themen Fachspezialisten sein. Gerade in einer stärker digitalisierten Welt sind Beratungskräfte der Zukunft in erster Linie Bezugspersonen, welche gesamtheitlich denkend das Netzwerk beiziehen und Beziehungen festigen können. Gute Beratung – ob analog oder digital – schafft Orientierung und begleitet die Betriebe praxisnah in ihrer Weiterentwicklung. Diese Fähigkeiten stärkt die Agridea mit entsprechender Weiterbildung für Beratungskräfte.
Wo sehen Sie Agridea in 20 Jahren?
Auch in Zukunft wird die landwirtschaftliche Beratung ein wichtiger Hebel sein zur Verbesserung der Einkommens- und Lebensverhältnisse der Bauernfamilien. Die Agridea wird dazu vorausschauend praxistaugliches Wissen aufbereiten und vermitteln. Damit ermöglicht die Agridea den kantonalen Beratungsdiensten, rasch und kompetent auf die Beratungsbedürfnisse der Bauernfamilien einzugehen. Mit Sicherheit verändern werden sich Beratungsinhalte entsprechend künftiger Chancen und Herausforderungen für die Landwirtschaftsbetriebe.

