Der Verband der Getreidesammelstellen (VGS) traf sich zur Generalversammlung in Diessenhofen TG. Das war eine gute Gelegenheit, die Mühle Bachmann AG in Willisdorf TG zu besichtigen, was die VGS-Mitglieder gerne wahrnahmen. 

Erstmalig erwähnt wurde die Mühle 1263, sie ging durch verschiedene Hände und wurde 1857 von den Brüdern Bachmann übernommen. Seither befindet sie sich im Familienbesitz. Heute ist Reto Bachmann am Ruder, der auch im Vorstand des Verbands der Getreidesammelstellen (VGS) ist.

Christian Rytz ist neuer Präsident

Bachmann überreichte Corinne Mühlebach an der Generalversammlung ein Brotmesser. Mühlebach, die zusammen mit ihrem Bruder die Mühlebach AG in Würenlingen leitet, war seit 2016 VGS-Präsidentin und trat auf die Generalversammlung zurück. Auf ihrem Abschiedsgeschenk, einem Brotmesser, ist «13 Jahre VGS-Präsidentin» eingraviert.

Zu ihrem Nachfolger wählten die Mitglieder Christian Rytz von der Mühle Rytz in Biberen (BE). Corinne Mühlebach wird sich weiterhin im Vorstand engagieren. Neu wird zudem Ramona Eberle von der Ferren Mühle AG in Kleinwangen (LU) im Vorstand Einsitz nehmen.

[IMG 2]

VGS hat 15% Marktanteil

Der VGS zählt 36 Mitglieder und hat beim Brotgetreide einen Marktanteil von 15 %. Dennoch sind seine Aktivitäten richtungsweisend, wenn es darum geht, gutes Getreide anzunehmen und zu vermahlen.

Dazu zählt beispielsweise das Proteinzahlungssystem, das 2015 eingeführt wurde. «Diesbezüglich hast du dich, Corinne, seit 2013 für praktikable Lösungen eingesetzt», sagte Vizepräsident Martin Willimann von der Neumühle Rickenbach GmbH. Er hob noch einen weiteren Meilenstein während Mühlebachs Präsidentschaft hervor. 

So den erfolgreichen Markteintritt der privaten Sammelstellen in die Erfassung von HOLL-Raps. Bis zur Ernte 2017 lag diese exklusiv bei der Fenaco. «Davon profitierten sowohl unsere Mitglieder als auch die Getreideproduzenten direkt», so Willimann. Mühlebach gab das Kompliment zurück und sagte: «Was wir erreicht haben, haben wir gemeinsam erreicht.»

Fauler Kompromiss beim Proteinzahlungssystem

Ganz zur Zufriedenheit des Verbands läuft es aber doch noch nicht mit dem Proteinzahlungssystem. Für Bio-Weizen gilt schon lange ein Proteinzahlungssystem. Beim ÖLN wird dieses hingegen noch verhandelt. Stellung nahm dazu an der Generalversammlung der neue Präsident Christian Rytz. Er sprach von einem «faulen» Kompromiss, mit dem niemand zufrieden sei. 

Für die Produzenten ist das Proteinzahlungssystem empfohlen, für die Sammelstellen beim Verkauf an die Mühlen ist es hingegen Pflicht. Der Verband will seit Jahren, dass das Proteinbezahlungssystem auch für die ÖLN-Produzenten verpflichtend sei. Jedoch habe sich der Getreideproduzentenverband (SGPV) dagegen gewehrt. 

Proteinzahlungen sind internationaler Standard

«Auch unser Schwesterverband, der Verband Kollektive Getreidesammelstellen, fordert ein gemeinsames Vorgehen, sodass es keinen Sammelstellentourismus gibt», fügte Christian Rytz an. Die Verhandlungen würden weiterlaufen. Dabei meldete sich Corinne Mühlebach zu Wort und wies darauf hin, dass die Proteinzahlung ein internationaler Standard sei. «Es ist ein Qualitäts- und Preiskriterium, und es nützt den guten Produzenten.»

Teiglingsimport ist mehr als nur ein Ärgernis

Einig ist man sich mit dem SGPV hingegen, was die von Jahr zu Jahr steigenden Importe von Teiglingen betrifft. Statt mit der AP 30+ immer mehr Nischenprodukte zu fördern, solle Bundesbern aktiver werden, sodass der Import von Teiglingen limitiert werde, und Schweizer Weizen weiterhin gefragt sei, hiess es an der Versammlung.

Gegen Mutterkorn pflügen

Christian Rytz wies darauf hin, dass er noch nie so viel Mutterkorn gesehen habe, wie in den vergangenen zwei Jahren. Zur Minimierung von Mutterkorn erinnerte er daran, eine enge Fruchtfolge mit Triticale und Roggen zu vermeiden. 

Nach Befall mit Mutterkorn solle man immer pflügen und wichtig sei es, die Ungräser zu bekämpfen. Für Weizen und Roggen gilt ab der Ernte 2026 ein Grenzwert von 0.02 %, was eine massive Verschärfung ist.