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Es gilt das neue Proteinzahlungssystem beim Getreide: So düngen Sie mit Vorteil

Ab dieser Ernte gibt es Grenzwerte für den Proteingehalt je nach Klassen und ein angepasstes Bonus-/Malus-System. Das kann für ein Umschwenken auf die 3-Gaben-Strategie mit Ammoniumnitrat statt Harnstoff sprechen.

Ab der Ernte 2026 gilt das neue Proteinzahlungssystem der Getreidebranche. Es handelt sich dabei laut dem Schweizerischen Getreideproduzentenverband (SGPV) um einen Kompromiss im Zusammenhang mit der Richtpreis-Stabilität für die Ernte 2025 (siehe Kasten). In erster Linie seien die Produzenten dafür verantwortlich, die festgelegten Grenzwerte für den Proteingehalt zu erreichen (12 Prozent für TOP, 11 Prozent für Klassen I und II). Damit gewinnt die Qualitätsdüngung an Bedeutung.

Harnstoff ist günstiger, aber es drohen N-Verluste

Tatsächlich sei man in letzter Zeit von einer 2-Gaben- eher wieder auf die frühere 3-Gaben-Strategie für die Getreidedüngung umgeschwenkt, sagt René Hartmann, Düngeberater bei Landor. Bei zwei Gaben wurde in der Regel Harnstoff eingesetzt, der weniger kostet und die Düngung insgesamt zusätzlich günstiger gemacht hat. «Aber Harnstoff kann man nur ausbringen, wenn bald danach Regen fällt», erklärt Hartmann. Nicht selten blieb ein passendes Zeitfenster wegen trockener Witterung aus und es konnte am Ende nicht mehr im geeigneten Entwicklungsstadium gedüngt werden. Denn fehlt der Niederschlag, kann der Stickstoff aus Harnstoffdüngern bei der Umwandlung der Amid-Form zum Ammonium als Lachgas verloren gehen. «So gelangt bis zu 40 Prozent des eigentlich enthaltenen N in die Luft», schildert der Berater.

Bisher war die Proteinzahlung z. T. nicht hoch genug

Ausserdem ist im Fall einer frühen, abschliessenden Harnstoffgabe bei einer 2-Gaben-Strategie schwer abschätzbar, wie viel Stickstoff zum Zeitpunkt des Ährenschiebens dem Getreide noch zur Verfügung steht. «Es gibt verschiedene Gründe, warum trotz gewisser Nachteile früher eher auf Harnstoff gesetzt wurde», so René Hartmann. Manche schätzen die längere Wirkung dieses Düngers, weil man so – bis auf das passende Wetter – flexibler bei der Ausbringung ist. Das erleichtert die Düngeplanung nicht zuletzt für Nebenerwerbsbetriebe. «Andererseits war bisher die Proteinzahlung einfach nicht hoch genug, damit sich der teurere Ammonsalpeter mit der 3-Gaben-Strategie finanziell für alle gelohnt hätte», ergänzt der Fachmann. Für manche ändere sich das jetzt.

Körner noch da – Nährstoffe aber verfügbar

Für René Hartmann ist Ammonsalpeter klar die richtige Wahl für die Qualitätsdüngung. Darin liegt die Hälfte des enthaltenen Stickstoffs als Ammonium und die andere Hälfte als Nitrat vor. Somit liefert dieser Mineraldünger schnell Stickstoff für die Proteinbildung in den Körnern – und man düngt nicht die Folgekultur bzw. die Gründüngung nach der Getreideernte. «Ammonsalpeter ist einfach in der Anwendung, weil dabei keine Gefahr für Verluste via Lachgas besteht und ein ausgiebiger Tau nahezu fürs Lösen der Nährstoffe ausreicht», schildert René Hartmann. Er höre zwar gelegentlich die Kritik, nach zwei Wochen lägen noch die Körner unaufgelöst auf dem Feld. «Das ist aber nur noch das Trägermaterial, also Kalk oder Schiefer», hält er fest. Die Nährstoffe seien trotzdem im Boden bzw. der Pflanze angekommen.

Im kühlen Frühling auf Schwefel achten

Die 2-Gaben-Strategie ist günstiger, weil dabei weniger Überfahrten nötig sind und – wie erwähnt – der Harnstoff weniger kostet. «Nur von den Düngemittelkosten her gerechnet, kostet die 2-Gaben-Strategie 305 Fr./ha und die 3-Gaben-Strategie etwa 350 Fr./ha», da sei aber die zusätzliche Fahrt noch nicht berücksichtigt, verdeutlicht René Hartmann. Dabei ist zu beachten, dass gerade für die erste Gabe im Frühling die Verwendung von Ammonsalpeter mit Schwefel und Magnesium empfehlenswert ist. Denn früh im Jahr sind diese beiden Nährstoffe im Boden noch schlecht verfügbar. «Schwefel verbessert die Aufnahme von Stickstoff und Magnesium unterstützt die Bildung von Blattgrün, was die Pflanzen vitaler macht», so Hartmann.

Kieserit beschleunigt die Düngewirkung von Gülle

Auch für Bio-Brotgetreide gilt ein überarbeitetes Proteinzahlungssystem, bereits seit der Ernte 2025. Bio-Betriebe haben aber nicht die Möglichkeit, für eine schnell verfügbare Qualitätsgabe auf Ammonsalpeter zurückzugreifen. «Ich rate jeweils zur Beigabe von Kieserit zum Hofdünger», erläutert René Hartmann. Kieserit enthält Schwefel und Magnesium, die die Düngewirkung von Gülle beschleunigen. Auch eine Gabe von Kieserit im Schossen aktiviert die Vitalität der Pflanze noch einmal zusätzlich. Daher mache der Einsatz von Kieserit auch im Futterbau Sinn: Das Gras starte immer früher in die Saison und sei so eher von schlecht verfügbarem Schwefel oder Magnesium aufgrund der noch tiefen Temperaturen betroffen. «Mit Kieserit in Kombination mit der Gülle kann man bereits früh das Graswachstum fördern, wenn vielleicht später – so wie jetzt – eine Trockenphase einsetzt.» Beim Getreide – im Endeffekt ebenfalls eine Grasart – ist das Prinzip dasselbe.

Im Fahnenblattstadium für Qualität düngen

Der ideale Zeitpunkt für eine Qualitätsdüngung mit Ammonsalpeter ist laut René Hartmann im Fahnenblattstadium des Weizens. «Der Dünger wirkt dank der beiden verschiedenen Stickstoffformen nicht nur ein paar Tage, sondern drei bis vier Wochen», gibt er zu bedenken. So ist das Getreide gut versorgt, um schwere Körner mit möglichst hohem Proteingehalt zu bilden. «Eine dritte Stickstoffzufuhr im Stadium ‹letztes Blatt entfaltet› oder zu Beginn der Ährenbildung verbessert den Proteingehalt», heisst es auch beim SGPV. Der Verband nennt ebenfalls Ammoniumnitrat als den am besten geeigneten Dünger, damit dem Getreide zum richtigen Zeitpunkt genügend Stickstoff zur Verfügung steht und gleichzeitig keine Nährstoffe verloren gehen.

Die richtige Sorte wählen

Das Proteinmaximum des Getreides legt die Genetik bzw. die Sorte fest. IP-Suisse empfiehlt auf optimalen Parzellen ihre Top-Sorten (Runal, Piznair, Bodeli, Axen) mit gezielter Qualitätsdüngung. Auch Sortenmischungen sollen dabei helfen, stabil gute Qualitäten zu erreichen. Der SGPV rät, in der Klasse TopQ-Sorten mit hohem Proteingehalt zu bevorzugen. Geringere Erträge würden durch die Preisaufschläge bis zu vier Franken ausgeglichen. «Wenn der Proteingehalt für die Klasse Top nicht garantiert werden kann, könnte eine Sorte der Klasse II in Betracht gezogen werden, die produktiver ist, da der Grenzwert für den Proteingehalt niedriger ist», so der SGPV. Es seien die Sortenempfehlungen der Sammelstelle zu befolgen. Die Vermarktung unterscheide sich je nach Region und regionalen Besonderheiten.

Die neue Proteinzahlung

Ab der Ernte 2026 gelten Mindestwerte für den Proteingehalt beim Verlassen der Sammelstelle (Top: 12 Prozent; Klassen I und II: 11 Prozent). Über diesen Werten gelten die Richtpreise mit angepasstem Bonus-Malus-System für Top. Ware unterhalb der Proteingrenzwerte kann «nach Vereinbarung» vermarktet werden. Die Preisverhandlung erfolgt entsprechend der Nachfrage und Vermarktungsmöglichkeiten. Der SGPV sieht im neuen System eine Positionierung der Schweizer Getreidebranche mit einer Qualitätsstrategie. Für die Produzenten habe das Vorteile: Unterstützung der Richtpreise und keine systematische Deklassierung in Futtergetreide unterhalb der Limiten. Der Preiszuschlag in der Klasse Top solle dazu motivieren, standortgerechte Sorten zu wählen und die Düngung entsprechend dem Produktionspotenzial zu gestalten. Die Anwendung des neuen Systems ist gemäss Swiss Granum zwingend zwischen Sammelstelle und Mühle. Zwischen Produzenten und Sammelstelle ist es bisher empfohlen. Es bestehe aber die Gefahr, so der SGPV, dass die Sammelstelle bei der Annahme im Fall tiefer Proteinwerte niedrigere Preise zahlt, weil sie nicht wisse, wie sich die Ware anschliessend vermarkten lässt. Die Anpassungen der Proteinzahlungen sind gültig für zwei Jahre (Ernte 2026 und 2027). Swiss Granum will das System im Sinne eines Monitorings begleiten und weiterentwickeln.

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