Für Kathleen Mackie-Haas liegt die Zukunft im Anbau von robusten Rebsorten und deren Weine. Sie leitet die Agroscope-Forschungsgruppe Weinbau Deutschschweiz in Wädenswil (ZH). Derzeit sind diese pilzwiderstandsfähigen Reben (Piwi) allerdings eine sehr kleine Nische. Schweizweit ist knapp 4 % der Rebfläche mit Piwi-Sorten bepflanzt.
In der Deutschschweiz sind es mit 6 % etwas mehr als in der Westschweiz. Am meisten verbreitet sind Piwi-Sorten mit 40 % der Rebfläche im Kanton Luzern. Die meiste Verbreitung hat die Piwi-Sorte Divico.
Anlass für die Diskussion um Zukunftsweine war ein Event der Müller-Thurgau-Stiftung in der Thurgauer Kantonalbank in Weinfelden. Das Ziel dieser sogenannten Stakeholder-Events der Müller-Thurgau-Stiftung ist, verschiedenste Akteure der Branche zusammenzubringen und zu vernetzen. «Ein Stakeholder-Event soll inspirieren und zum Weinbau der Zukunft führen», wie es Stiftungspräsident Lukas Bertschinger einleitend sagte.
Gastronomie hat wenig Interesse an Piwi-Weinen
Den Piwi-Weinen blies aber ein harter Gegenwind entgegen. Das Interesse der Gastronomie ist gering bis gar nicht vorhanden. «Wir haben keine Piwi-Weine im Sortiment», sagte Fabian Mennel. Er ist Sommelier in der Taverne zum Schäfli in Wigoltingen (TG), die über 18 Punkte von Gault Millau und zwei Michelin-Sterne verfügt.
«Es gibt keinen Grund, unsere beliebten und gut laufenden Weine auf der Weinkarte durch Piwi-Weine zu ersetzen», hielt Mennel fest.
Der Wein muss einfach gut sein
Beim Weinkonsum zählt allein der Genuss. Argumente für Piwi-Weine wie Umweltfreundlichkeit und Gut für die Biodiversität, die Kathleen Mackie-Haas aufzählte, überzeugen weder Gastronomen noch Konsumenten.
Diesbezüglich untersuchte Agroscope 2025 die Konsumentenwahrnehmung bei einer Blindverkostung. Die Piwi-Weine schlossen bei der Degustation im Geschmack durchschnittlich genauso gut ab wie die übrigen Weine.
Die eine Gruppe der Probanden wurde aber zu Beginn der Degustation über die Umweltvorteile von Piwi-Weinen informiert. «Diese Informationen hatten aber keinen Einfluss auf die Bewertung. Der Wein muss einfach gut sein. Es nützt nichts, Piwi auf der Etikette hervorzuheben», sagte Mackie-Haas.
Assemblage Piwi mit alten Sorten
Zuhanden des Schäfli in Wigoltingen meinte Markus Matzer von Agroscope, dass fleischfrei früher auch nicht auf der Menükarte der Edelgastronomie stand, heute aber nicht mehr wegzudenken sei.
Es war denn auch etwas unfair gegenüber den Winzern, wenn sie an der Tagung gesagt bekamen, dass sie die Verantwortung für die Nachhaltigkeit im Rebbau übernehmen müssten – wenn die Gastronomie nicht mitzieht.

Martin Wiederkehr, Präsident des Branchenverbands Deutschschweizer Wein und Geschäftsführer des Weinbauzentrums Wädenswil, meldete sich zu Wort: «Piwi-Sorten sind eine nachhaltige Ergänzung in die Zukunft.»
So halten es auch die Weinbauern und Winzer, wie zum Beispiel Nina Wägeli vom Weingut Rappenhof in Buch b. Frauenfeld (TG). Sie hat neben den herkömmlichen Rebsorten auch zwei Piwi-Sorten gesetzt. «Man darf die alten Sorten nicht vernachlässigen», mahnte die Präsidentin des Branchenverbands Thurgauer Weine.
BLW-Sortenliste und Vermarktungsstrategien optimieren
Nichtsdestotrotz: Agroscope forscht mit Piwi-Sorten. Kathleen Mackie-Haas stellte sieben multiresistente Sorten aus der Sortenprüfung vor.
Versehen sind sie mit illustren Namen wie Taranis, Valpesia, Dioniso, Florisia, Damona, Orellis und Elaris. «Mit diesen Sorten haben wir die Möglichkeit, etwas Neues anzubieten», sagte Mackie-Haas.
Zudem wolle sich Agroscope mit dem Projekt «BestWine» nicht nur mit Pflanzenschutzstrategien und Weinproduktionsmethoden befassen, sondern sich auch um Vermarktungsstrategien kümmern. So sollen die Weine aus robusten Rebsorten auch von der Gastronomie akzeptiert werden.
Der Fokus liegt dabei auf zertifizierten Rebsorten, die als robust genug eingestuft werden, um in die Liste der subventionierten Rebsorten des Bundesamtes für Landwirtschaft aufgenommen zu werden.

