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«Jetzt braucht es Wertschöpfung»: Schaffhauser Bauern fordern mehr unternehmerischen Spielraum

An der Delegiertenversammlung des Schaffhauser Bauernverbands standen die Agrarpolitik ab 2030, wirtschaftliche Perspektiven der Betriebe und der zunehmende Schädlingsdruck im Fokus.

Die Delegiertenversammlung des Schaffhauser Bauernverbands in Schleitheim SH wurde von Präsident Christian Müller eröffnet und widmete sich sowohl der künftigen Agrarpolitik ab 2030 als auch aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft. Im Zentrum standen dabei der zunehmende Schädlingsdruck im Pflanzenschutz sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Betriebe, verbunden mit der Forderung nach mehr unternehmerischem Spielraum und einer stärkeren Wertschöpfung in der Produktion statt zusätzlicher Auflagen. Müller hielt fest: «Wir brauchen Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Handeln wieder stärker ermöglichen.»

An diese Themen knüpfte auch Gemeindepräsident Urs Fischer in seinem Grusswort an, der den Zusammenhalt im Dorf insbesondere im Nachgang zum Hochwasser von 2021 betonte und gleichzeitig die Rolle der Landwirtschaft beim Wasserrückhalt im Talboden hervorhob, etwa durch Drainagen und Grünstreifen. «Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Teil unserer Region – auch im Umgang mit Wasser und Landschaft», sagte er.

Regierungsrat Dino Tamagni richtete den Blick auf die bevorstehende Saison, die von Unsicherheiten geprägt sei, und verwies in diesem Zusammenhang auf Probleme in der Zuckerverarbeitung in Frauenfeld TG, bei denen hochwertige Rohstoffe verloren gegangen seien. Ergänzend informierte er über Anpassungen im kantonalen Rebbau, wo Strukturen verschlankt und der Rebbaufonds abgeschafft werden sollen. Mit Blick auf die nationale Agrarpolitik zeigte er sich zuversichtlich, dass im Rahmen der AP30+ ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden könne.

Sorge um die Kulturen

Im offiziellen Teil genehmigten die Delegierten Jahresbericht, Jahresrechnung und Budget einstimmig. Der Flächenbeitrag bleibt 2026 unverändert bei 9 Franken pro Hektare, ebenso der Beitrag an den Berufsbildungsfonds, der vorerst bei 2.60 Franken pro Hektare belassen wird. Aufgrund zusätzlicher überbetrieblicher Kurse zeichnet sich hier mittelfristig jedoch eine Anpassung ab.

Im Anschluss rückten fachliche Themen in den Vordergrund, wobei insbesondere der zunehmende Schädlingsdruck die Diskussion prägte. Simon Keller vom Ressort Finanzen schilderte die angespannte Situation im Zuckerrübenanbau im Zusammenhang mit der Schilfglasflügelzikade. Besonders der Druck aus dem benachbarten Deutschland sei spürbar, Schaffhausen sei stark betroffen.

Die Zikade gefährdet dabei nicht nur Zuckerrüben, sondern auch Kartoffeln und Gemüse. Pflanzenschutzmassnahmen stossen laut Keller zunehmend an Grenzen, da die Zikade über einen längeren Zeitraum zufliegt und die Treffwahrscheinlichkeit entsprechend gering ist. Als derzeit wirksamste Massnahme nannte er Anpassungen in der Fruchtfolge. Zudem würden resistente oder tolerantere Sorten geprüft, allerdings oft mit tieferem Zuckergehalt. «Jeder, der reduziert, hilft», so Keller mit Blick auf koordinierte Ansätze innerhalb der Branche.

Auch im Rapsbau wurden Herausforderungen angesprochen. Vertreter aus der Praxis wiesen darauf hin, dass nach dem Wegfall früher wirksamer Beizmittel der Druck durch den Erdfloh deutlich zugenommen habe. Gefordert wurden rasche politische Schritte hin zu pragmatischen Lösungen, etwa über Notfallzulassungen.

Ehrung und Blick nach Bern

Für 30 Jahre Engagement zugunsten der Schaffhauser Landwirtschaft wurde die ehemalige Geschäftsführerin Virginia Stoll geehrt. Der Verband würdigte ihren Einsatz sowohl auf kantonaler als auch auf nationaler Ebene, insbesondere ihr Mitwirken an Reformprozessen und ihre Rolle als Vermittlerin. Als Anerkennung wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Ihre Nachfolge hat Lara Jäckle-Winzeler übernommen.

Zum Abschluss richtete Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands (SBV), den Blick auf die nationale Politik. Die Agrarreform ab 2030 werde die Rahmenbedingungen der Landwirtschaft bis weit in die 2040er-Jahre prägen; bereits im September soll ein Entwurf in die Vernehmlassung gehen.

Ritter zog zudem eine Bilanz der vergangenen 25 Jahre Agrarpolitik: Während im Bereich Ökologie und Biodiversität viel erreicht worden sei, rücke nun die Einkommenssituation der Betriebe stärker in den Vordergrund. «Jetzt braucht es Wertschöpfung statt immer neuer Auflagen», sagte er. Auch Freihandelsabkommen, die Revision des Bodenrechts sowie anstehende Volksinitiativen würden für die Landwirtschaft entscheidend sein. Markus Ritter rief die Basis zu politischem Engagement auf.

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