«Es macht mir Spass, eigene Ideen umzusetzen», sagt Carina Rohner. Die 37-Jährige bewirtschaftet mit ihrem Mann in Kriessern im St. Galler Rheintal einen Gemüse- und Milchviehbetrieb mit einem modernen Hofladen. Die Direktvermarktung biete viele Möglichkeiten, so Rohner.
Culinarium-Königin wegen der Gemüsebox
Vor 10 Jahren lancierte sie zusammen mit ihrem Mann und ihrer Schwester die «Rohner’s Gmüasbox». Seither stellen sie wöchentlich eine Auswahl an saisonalem und möglichst eigenem Gemüse zusammen, die sie vor den Haustüren der Kundschaft abliefert.
«Diese Dienstleistung ist mein Baby und findet grossen Anklang», erzählt die Bäuerin. 2020 wurde sie zur Culinarium-Königin gewählt – eine Auszeichnung, die jährlich für Innovationen im Lebensmittelbereich in der Region Ostschweiz vergeben wird.
Sie wollte eigentlich nie einen Bauern heiraten
Carina Rohner, die im etwas südlicher gelegenen Rüthi aufgewachsen ist, machte zuerst eine Ausbildung zur Floristin. Nach der Lehre war sie einige Jahre lang auf einem grossen Gemüsebetrieb in Oberriet tätig, auf dem sie ihren zukünftigen Mann Heinz kennenlernte.
«Einen Landwirt – obwohl ich nie einen Bauern heiraten wollte», bemerkt die Bauerntochter schmunzelnd. Nach einer Weile zog sie zu ihm auf den Hof, den sie 2014 von den Schwiegereltern übernahmen, und absolvierte die Bäuerinnenschule. Der Betrieb wuchs, heute beschäftigt die Familie je nach Saison zwischen 10 und 15 Angestellte. «Bei uns arbeiten viele motivierte Frauen, und mir ist wichtig, dass alle zufrieden sind und am selben Strick ziehen», sagt die Unternehmerin.
Umstellung auf Mutterkühe geplant
Unter anderem ist Carina Rohner im Büro tätig, wo sie vor allem für das Lohnwesen und die Bestellungen zuständig ist. Zudem springt sie ein, wo sie gerade gebraucht wird. So hilft sie etwa bei der Ernte, füllt die Gemüseboxen und liefert diese aus. Bei Bedarf melkt sie zudem die Kühe und tränkt die Kälber.
Es gebe keine Arbeit, die sie nicht gerne mache, sagt die Rheintalerin. «An meinem Alltag finde ich spannend, dass jeder Tag anders ist. Ich könnte darüber ein Buch schreiben.» Auf dem Hof ist derzeit die Umstellung auf Mutterkühe geplant.
«Damit wir zeitlich ungebundener sind», begründet Rohner den Schritt. Fleisch vermarkte der Betrieb bereits heute direkt, allerdings werde man statt auf Kalbfleisch künftig auf Beef setzen.
Mit der Familie in die Natur
Rohners haben vier Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren. Diese sind ebenfalls häufig auf dem Betrieb und helfen teilweise schon mit. «Es gibt fast nichts Schöneres, als auf einem Bauernhof aufzuwachsen», stellt die Mutter fest. Freizeit bleibt im Alltag von Carina Rohner nicht viel übrig. Wenn es die Zeit zulässt, geht sie gerne mit der Familie in die Natur, beispielsweise um zu bräteln.
Schon lange bei den Bäuerinnen und Landfrauen
Carina Rohner ist schon seit Langem bei den Bäuerinnen und Landfrauen engagiert. Jahrelang war sie Präsidentin der örtlichen Vereinigung Rüthi-Lienz. Als diese aufgelöst wurde, trat sie dem Verein in Diepoldsau bei. Vor einigen Monaten wurde sie schliesslich angefragt, ob sie Interesse hätte, im Vorstand des kantonalen Verbands mitzuwirken. Aus Zeitgründen zögerte Rohner zunächst, bis sie sich dafür entscheiden konnte. Ihr liege besonders das Bild der Bäuerin am Herzen, stellt sie fest. «Meine Motivation ist es, der Bevölkerung die Landwirtschaft näher zu bringen.»

