Begleitet wurde die Vorführung von Seiten von DeLaval durch Marcel Gut (Produktsupport Melken/Farmmanagement) und Sabrina Heimberg (Leiterin Marketing & Social Media). Beide ordneten die neue Technologie im Praxisumfeld ein und gingen insbesondere auf den Nutzen für die tägliche Arbeit im Stall. Marcel Gut sagte dazu: «Der entscheidende Mehrwert entsteht dort, wo aus Daten konkrete Entscheidungen im Stallalltag werden.» Sabrina Heimberg ergänzte: «Solche Betriebe zeigen sehr gut, wie sich Digitalisierung in der Praxis tatsächlich auswirkt.»
Praxisbetrieb in Kesswil als Testumgebung
Die Vorführung fand direkt auf dem Hof von Thomas Roth in Kesswil TG statt, auf dem die Technologie bereits unter realen Bedingungen getestet wurde. Es handelt sich um einen silofrei geführten Milchviehbetrieb mit rund 70 Kühen und 33 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche inklusive Ackerbau. Mit dem Neubau des Laufstalls im Jahr 2021 wurde ein Betriebskonzept umgesetzt, das stark auf Luft, Licht und Tierwohl ausgerichtet ist und durch zwei Stallgebäude ergänzt wird. Gleichzeitig wurde ein Melkroboter installiert. «Für mich sind Service, Montage und eine klare Ansprechperson zentral», erklärte Roth.

Seit Anfang 2026 setzt der Betrieb im Rahmen eines Pilotprojekts auf Sensortechnologie. «Die Erfahrungszeit ist noch relativ kurz, aber das Ziel ist klar: möglichst viele Zahlen zu generieren», so Roth, der gleichzeitig auf eine noch bestehende Herausforderung hinweist: «Das muss alles in der Anwendungsoberfläche DeLaval Plus zusammengeführt werden.»
Inline-Sensor analysiert die Milch laufend
Im Zentrum der vorgestellten Lösung steht ein Inline-Sensor, der direkt in die Milchleitung integriert ist und die Milch mittels Absorptionsspektrum analysiert. Dabei werden bei jeder Kuh und jedem Melkvorgang kontinuierlich Daten zu Milchinhaltsstoffen wie Fett, Protein und Laktose erfasst. Im Gegensatz zur klassischen Milchkontrolle, die meist monatlich erfolgt, stehen damit täglich aktuelle Informationen zur Verfügung. «Wir haben jeden Tag Daten und nicht nur einmal im Monat», bestätigte Roth.

Diese kontinuierliche Datenerfassung ermöglicht eine deutlich engere Überwachung von Tiergesundheit und Fütterung. Neben der Brunsterkennung und der Eutergesundheit lassen sich insbesondere Stoffwechselstörungen frühzeitig erkennen, etwa subakute Pansenazidose oder subklinische Ketose nach dem Abkalben. Auch Mastitis sowie fütterungsbedingte Abweichungen und eine verminderte Futterverwertung können schneller identifiziert werden.
Technische Integration ins Herdenmanagement
Die Technologie basiert auf bestehenden Melkrobotern, insbesondere dem V300, der bereits seit 2018/2019 im Einsatz ist und entsprechend nachgerüstet werden kann. Der Wartungsaufwand bleibt gering, setzt jedoch eine konsequente dreimal tägliche Systemreinigung voraus. Die erfassten Daten werden in die Plattform «DeLaval Plus» integriert, die sowohl am PC als auch mobil genutzt wird und zunehmend zu einem zentralen Werkzeug im Herdenmanagement werden soll. Die vollständige Integration aller Module ist in den kommenden Jahren vorgesehen.

Mehrwert für die tägliche Praxis
Der zentrale Nutzen der neuen Sensortechnologie liegt in der hohen Datendichte und der unmittelbaren Verfügbarkeit von Informationen. Während klassische Systeme auf periodische Messungen angewiesen sind, liefert der Inline-Sensor kontinuierliche Werte und unterstützt damit die tägliche Entscheidungsfindung im Stall. Für Thomas Roth ist genau das entscheidend: «Diese tägliche Transparenz verändert die Art, wie man den Betrieb führt.»

