Ueli Heeb, Leiter Boden- und Pachtrecht/Strukturverbesserungen beim Thurgauer Landwirtschaftsamt, ist unterwegs zu Hans Eschenmoser in Weinfelden. Parallel zur Strasse, die zu Eschenmosers Hof führt, fliesst die Thur gemächlich dahin.
500 m sind es zwischen Hof und Fluss, dazwischen verläuft der Thur-Damm, nur 100 m vom Hof entfernt. Dort wird am 6. Juni rund um die Badi Weinfelden der «Tag der Thur» stattfinden. Damit will das Thurgauer Amt für Umwelt das Interesse der breiten Bevölkerung für das Hochwasserschutz- und Revitalisierungskonzept Thur3 wecken.
Ins Gespräch kommen und erklären
An sechs Informationsständen gibt es Mitmach-Aktionen wie zum Beispiel Hecken pflanzen. Ein Posten befindet sich auf dem Hofplatz der Familie Eschenmoser. Betreut wird er von Ueli Heeb. Auf dem Hof können die Besucher sowohl einen modernen grossen Traktor als auch einen kleinen Oldtimer bewundern, haben Gelegenheit, den Stall zu besichtigen und sich im Hofladen mit Eiern und Grünspargeln einzudecken.
Betriebsspiegel
Irene und Hans Eschenmoser
LN: 30 Acker- und Futterbau
Tierhaltung: 36 Mutterkühe mit ihren Kälbern und 690 Legehennen
Betriebszweig: Direktvermarktung mit Hofladen
Hans Eschenmoser betont: «Ich bin gar kein Fan, was Thur3 und den dafür benötigten Verlust von Kulturland betrifft. Aber dadurch kann ich der Bevölkerung bewusst machen, dass die Landwirtschaft mit der Gewässerraumausscheidung, der Revitalisierung und dem vorgesehenen Kulturlandverlust von 212 ha zu den Verlierern gehört.»
Er fährt fort: «Die existenziellen Ängste von Bauernfamilien, die mit einem Kulturlandverlust rechnen müssen, machen betroffen.» Volkswirtschaftlich sei es aber auch ein Desaster, wenn immer weniger Lebensmittel lokal produziert würden. Es werde sicherlich zu Diskussionen kommen mit den Besuchern. Den Kontakt mit der nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung ist Eschenmoser gewohnt – war er doch während 15 Jahren Stadtrat von Weinfelden, wo er auf Ende März 2026 zurücktrat.
Nur noch Bauzonen und Wald
Auch Ueli Heeb beschönigt den Kulturlandverlust nicht. Er wird am «Tag der Thur» über diese Herausforderung für die Landwirtschaft berichten. Zur Sprache kommen dabei nicht nur der Flächenverbrauch und der sinkende Selbstversorgungsgrad, sondern auch die Klimaerwärmung. «Es darf nicht sein, dass es in einigen Hundert Jahren nur noch Wald, Naturschutzflächen und Bauzonen im Mittelland geben wird», sagt er.[IMG 2]
Heebs Steckenpferd sind Güterzusammenlegungen (GZ). Bereits sein Vater, Rolf Heeb, engagierte sich als Vorstandsmitglied in GZ-Genossenschaften sowie in Schlichtungskommissionen. Als Zehnjähriger begleitete Ueli Heeb seinen Vater beim Markieren der Grenzsteine und den Bonitierungen.
Er lernte Geomatiker in einem Planungsbüro, das sich auf Meliorationen spezialisiert hatte. War anschliessend Projektleiter für verschiedene GZs im Zürcher Oberland. Im Kanton Thurgau war er unter anderem verantwortlich für die nun abgeschlossenen GZ Schurten und GZ Salenstein.
Güterzusammenlegung ist unumgänglich
Ueli Heeb sagt: «Es braucht im Rahmen der Thur3 eine Güterzusammenlegung, ansonsten kann man das Hochwasserschutzprojekt nicht landwirtschaftlich verträglich umsetzen.» Hans Eschenmoser ist diesbezüglich skeptisch.
«Miteinbeziehen müsste man nicht nur die durch die Thur3 direkt betroffenen Betriebe, sondern das ganze Thur-Umland, wo der Pachtlandanteil jedes Betriebs gross ist.» Auch handle es sich beim grössten Teil der Grundbesitzer nicht um Landwirte. «Wer gibt schon gerne Land ab, auch wenn es sich nur um 0,5 oder 1 ha handelt?», bemerkt er.
Nicht von Anfang an resignieren
Er wisse, was Meliorationen Positives bewirken könnten, hält Heeb dagegen. Auch käme es nicht infrage, dass man jene, die Thur-Vorland bewirtschaften, im Regen stehen liesse. «Wenn jeder Betrieb in den betroffenen Regionen auch nur ganz wenig beisteuert und der Kanton mit dem nun zusammengekauften Land mithilft, kann es sozial- und betriebsverträgliche Lösungen geben», sagt er.
Ihm ist bewusst, dass eine Melioration ein extrem langer Prozess sei, der Kraft und Energie koste. «Aber es lohnt sich, durchzuhalten. Man darf nicht von Anfang an schon resignieren – auch nicht was das Thur3-Konzept betrifft.»
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Ob es ihm gelingen wird, das Thema Güterzusammenlegung am Tag der Thur auch den nicht bäuerlichen Familien näherzubringen? «Das bezweifle ich nicht», sagt er. Er werde zwei grosse Muster-Holzpuzzle auflegen. Jedes Puzzle-Teil bildet eine Parzelle ab. Bei dem einen Puzzle mit der heutigen Parzellierung, beim anderen nach der Melioration. Jeder sehe auf den ersten Blick, dass nach der GZ die arrondierten Parzellen effizienter zu bewirtschaften seien.
Tag der Thur
Rundgang mit Postenlauf
Datum: 6. Juni
Uhrzeit: 10.00 bis 16.00 Uhr
Ort: Bei der Badi in Weinfelden (Exerzierplatz)
Forum Thur Podiumsgespräch, 13.30 bis 15 Uhr
Ort: Sonnenstrasse 2, Weinfelden
Mitwirkende: Hermine Hascher (Delegierte des Regierungsrats), Historiker Meinrad Suter, Regierungsrat Dominik Diezi, BAFU-Vizedirektor Paul Steffen
Infos: Erlebe die Thur