«Als Kind schrieb ich in alle Freundschaftsbücher, dass ich einmal Bäuerin werden wolle», sagt Karin Ackermann. Damals habe sie dem Onkel im Betrieb geholfen, zum Beispiel die Kälbli gefüttert und beim Heuen geholfen. Später ging der Berufswunsch tatsächlich in Erfüllung: Heute bewirtschaftet sie mit ihrem Mann Christian Litscher in Sevelen einen Landwirtschaftsbetrieb mit Wasserbüffeln, Legehennen und Ackerbau.

Sie hat nichts dagegen, der «Gango» zu sein

Sie müsse ständig etwas zu tun haben und dafür die Hände gebrauchen, erzählt Ackermann. Dabei sei sie häufig der «Gango» (Laufbursche). Was nicht etwa abwertend zu verstehen sei, betont sie lachend. Vielmehr sei sie diejenige, die aufräume und Arbeiten beende, welche ihr Mann begonnen hat. «Nachdem er den Anfang gemacht hat, mache ich mich mit Überzeugung an den Feinschliff», so die Bäuerin weiter. Das entspreche der gemeinsamen Arbeitsaufteilung und basiere auf gegenseitiger Wertschätzung. 

Hörbücher bei der Feldarbeit

Karin Ackermann springt überall da ein, wo sie gerade gebraucht wird, etwa zum Tränken der Kälber, Misten oder täglichen Melken der Kühe. Besonders gern ist sie auf dem Feld, wo sie für alle anfallenden Arbeiten zum Einsatz kommt, etwa fürs Schwaden, Zetten, Mulchen oder Grubbern. Während sie früher die Maschinen lieber ihrem Mann überlassen habe, sitze sie heute entspannt auf dem Traktor und ziehe dabei ihre Runden, sagt die St. Gallerin. Unter den verschiedenen Feldkulturen des Betriebs ist der Anbau von Essiggurken während der Saison besonders zeitintensiv – die zweite Nische nebst den 40 Büffelkühen zur Milchproduktion. Bei der Feldarbeit hört Karin Ackermann gerne Hörbücher. «Wenn ich beispielsweise beim Spinatjäten einen Krimi höre, vergesse ich rundherum alles», erzählt sie.

Ausbildung zur Damenschneiderin

Der Weg zur Bäuerin verlief allerdings nicht ohne Umweg: Auf einem Bergbauernhof in Mels aufgewachsen, machte Karin Ackermann zunächst eine Lehre zur Damenschneiderin. Vorbild war ihre Mutter, die noch heute ein eigenes Stickatelier betreibt. «Wenn ich nicht gerade draussen an der frischen Luft war, verbrachte ich die Zeit im Haus mit Stricken, Häkeln, Sticken oder Nähen». Nach der Ausbildung arbeitete die Schneiderin fast zehn Jahre lang in einem Bernina-Geschäft. Heute kommt die Mutter dreier Kinder im Teenager-Alter vor allem dann zum Nähen, wenn sie in Heimarbeit Edelweissblusen auf Mass schneidert.

Im Einsatz für die Landfrauen

Als Karin Ackermann nach Sevelen zog, trat sie dem lokalen Landfrauenverein bei. Seit 2014 engagiert sie sich in dessen Vorstand, kürzlich wurde sie ausserdem in den Vorstand des kantonalen Bäuerinnenverbands gewählt. «Ich setze mich gerne für die Frauen ein», sagt die 44-Jährige. Sie hätten alle ähnliche Themen und Herausforderungen, vielen würde die Möglichkeit fehlen, gelegentlich von zuhause wegzukommen. Daher sei es wichtig, den Bäuerinnen und Landfrauen etwas zu bieten. 

Zu ihren Hobbys zählt Karin Ackermann etwa das Skifahren im Winter und alle Tätigkeiten, die sie im Alltag ausübe. «Mich zieht es nicht in die Ferne», sagt sie. «Ich bin gerne zuhause, da wird es mir nie langweilig.»