Werner Gysel weist anlässlich der Generalversammlung der Ostschweizer Saatgutproduzenten (OSP) beim Hofrundgang in Wilchingen SH auf eine Waldstrasse. Dort, einige Meter weiter, liegt die Grenze zu Deutschland. Zwei Drittel der Fläche bewirtschaftet er denn auch jenseits der Grenze.

Werner Gysel setzt auf Kreisläufe

Auf seinem Betrieb produziert er auf 7 ha Getreidesaatgut und auf 8 ha Klee- und Grassamen. Für Letzteres braucht es ein besonders gutes Händchen. «Aber das passt zu mir, zu meinem Betrieb und meinen Böden», sagt er. Er setzt auf Kreislaufwirtschaft. Die Tierhaltung helfe dem Acker- und Futterbau, dieser wiederum liefere das Futter für seine Rinder- und Munimast. 

Er setzt möglichst wenig zugekauftes Kraftfutter ein, die Produktion von hochwertigem Raufutter nimmt daher einen hohen Stellenwert ein. Dank des Klees kann ein bedeutender Teil des Eiweisses in der Fütterung über das Grundfutter abgedeckt werden.

«Unsere Böden verzeihen nichts», weiss der Profi

Generell habe er nicht so tolle Böden, sagt Werner Gysel. Sie seien flachgründig und mit hohem Ton- oder Lehmanteil und mit vielen Steinen versehen. «Unsere Böden verzeihen nichts», sagte er. «Besser gar nichts tun, als zu einem ungünstigen Zeitpunkt ins Feld fahren.»

Er setzt auf Mulch- und Direktsaat und Ganzjahresbegrünung. Die Sommertrockenheit sei an seinem Standort noch ausgeprägter als in den übrigen Kantonsteilen. «Im Futterbau zählt der erste Schnitt. Was nachher kommt, ist Bonus», bringt er es auf den Punkt. Vorteilhaft seien die trockenen Sommer aber für die Sonnenblumen- und die Samenklee-Produktion. Aber auch Getreide und Raps funktionierten gut, darin sei er Profi.

Gründung der neuen Arbeitsgruppe Klee- und Grassamenproduzenten

So ist Werner Gysel denn auch Mitglied in der OSP-Arbeitsgruppe Gras- und Kleesamenvermehrung, die auf die Generalversammlung hin gegründet worden ist. Mit ihm in der Arbeitsgruppe sind Urs Knecht aus Brütten ZH, Stefan Lüthy aus Rudolfstetten AG, David Werner aus Wäldi TG, Hansruedi Kramer aus Schaffhausen sowie Jürg Jost, Geschäftsführer UFA-Samen. 

Die Klee- und Grassamenvermehrer sind Direktlieferanten, aber mit der neugegründeten Arbeitsgruppe haben sie nun eine eigene Interessenvertretung. «Wir wollen den Erfahrungsaustausch unter den Klee- und Grassamenproduzenten fördern und neue Produzenten beraten und begleiten», so OSP-Vorstandsmitglied Urs Knecht an der Generalversammlung.

Betriebsspiegel

Werner Gysel

Ort: Wilchingen SH
LN: 50 ha in der Fruchtfolge, 22ha Naturwiesen, 7ha Wald
Tierhaltung: Rinder- und Munimast
Lohnarbeiten: Gysel Agro-Dienstleistungen GmbH für Forst, Landwirtschaft, Hackschnitzel.
Arbeitskräfte: 1 Mitarbeiter, 1 Lernender, Aushilfschauffeure, Eltern und Partnerin Nadine


Auf eine gute Saatgutproduktion 2026

Mit den Worten «2025 war ein rundum zufriedenes Jahr», eröffnete OSP-Präsident Beat Guyer schliesslich die Generalversammlung. Erträge und Qualität seien «super» gewesen. Entsprechend fiel auch die Bonuszahlung fast doppelt so hoch wie im Vorjahr aus. «Auch wenn ich jetzt die Felder betrachte, stimmt mich dies positiv. Wir können wiederum gutes Saatgut für unsere Berufskollegen produzieren», sagte er weiter.

Einzelkulturbeitrag wurde erhöht

Ehrengast an der Versammlung war Christoph Rüfenacht, Geschäftsführer von Swisssem. Er machte darauf aufmerksam, dass der Bund den Einzelkulturbeitrag für die Saatgutvermehrung für Futtergräser, Futterleguminosen und Mais auf 1500 Fr. erhöht habe.

Ein Rückblick auf die Ernte

Die OSP-Produzenten gewannen 2025 auf 1016 ha Saatgut, wovon 97 % anerkannt wurden. Abgeliefert an das Fenaco-Saatgutzentrum im Niderfeld/Winterthur ZH wurden rund 6000 t Saatgetreide.

«Die Ausbeuten aller Getreidearten waren hoch. Aussergewöhnlich hoch war im Jahr 2025 die Kornausbeute. Zudem war die Keimfähigkeit bei allen Posten hoch. Elf Posten mussten getrocknet werden», fasste Melanie Müller vom Niderfeld zusammen. Auch der Verkauf laufe gut – die Verkaufsquote liege bei 94.49 %.

  • Die Leadersorte ist im Top-Weizen Montalbano, gefolgt von CH Nara und Axen. Neu ist auch die Sorte Bodeli in der Vermehrung.
  • In der Klasse 1 führen Campanile, Forel und Arina die Liste an.
  • Spontan ist mit über 95% die am meisten verkaufte Sorte in der Klasse 2. Die neue Sorte Pianalto wird 2026 auch vermehrt.
  • Campesino ist die Hauptsorte beim Futterweizen.
  • Die Hauptsorte bei Triticale ist mit über 70 % Balino.
  • Die Anbaufläche von Wintergerste ist schweizweit weiterhin rückläufig. Das zeigen auch die Verkaufszahlen. Als einzige Hybridsorte ist SY Galileoo in der Vermehrung.
  • Auch Melanie Müller wies auf neue gute Dinkelsorten wie Edelweiser hin. Aber am Markt setzen sich noch immer die Urdinkelsorten durch, vor allem Ostro.

Auf die Ernte 2026 sind 844 ha für ÖLN-Getreide und 158 ha für Bio angemeldet. Für Klee- und Grassamen sind es konventionell 83 ha, bei Bio 38.