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Swiss Future Farm: Hier werden komplexe Lösungen für Profis getestet

Beim Thurgauer Versuchsbetrieb schaut man voraus. Entsprechend steht zunehmend das Zusammenwirken von Pflanze und Technologie im Fokus.

«Um auf dem Feld mehrere Geräte hintereinander einsetzen zu können, braucht es normalerweise einen leistungsfähigen Traktor», hielt Roman Gambirasio an der Jahresmedienkonferenz der Swiss Future Farm (SFF) in Tänikon TG fest. Dies, weil die lange Distanz eine hohe Hebelwirkung voraussetzt – entsprechend gross muss die zulässige Hinterachslast sein.

Hintere Achse via GPS-Steuerung lenkbar

Mit dem «GT 8300» von Innomade teste die SFF nun einen Geräteträger, der bereits mit einem Traktor der Kategorie 2 (ca. 50-125 PS) für Kombinationen wie Spatenmaschine plus Einzelkornsämaschine eingesetzt werden könne, führte der Produktespezialist der GVS-Agrar aus, der an der SFF für die Technik verantwortlich ist. «Eine seiner Besonderheiten ist, dass die hintere Achse via GPS-Steuerung lenkbar ist», so Roman Gambirasio. Besonders nützlich sei dies etwa in Hanglagen, wenn das Gefährt mitsamt Heckanbauten aufgrund seiner Länge leicht aus der Reihe gerate. «Ein genereller Vorteil ist zudem, dass die Kombinierbarkeit der Geräte und deren präzise Lenkung es erlauben, Bodenbearbeitung und Säen in einem Durchgang durchzuführen.» In Tänikon, wo der Geräteträger seit diesem Jahr beispielsweise im Mais im Einsatz ist, sei man sehr zufrieden mit dem Resultat.

Voraussetzung für den Einsatz des Geräteträgers ist, dass der Traktor mit einem RTK-System (Echtzeit-Kinematik) und dem Kommunikationssystem ISOBUS ausgerüstet ist. Die Kosten von ca. 45 000 Franken für den Geräteträger inklusive Lenksystem lassen darauf schliessen, dass die Innovation vor allem für Profis wie Lohnunternehmer interessant sein könnte.

Strip-Till: Bodenbearbeitung nur in Saatreihen

Ein weiterer aktueller Versuch auf der Swiss Future Farm gilt dem Bodenbearbeitungssystem Strip-Till im Zuckerrübenanbau. Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass Bodenbearbeitung einzig in den künftigen Saatreihen erfolgt. Diese wurden Ende des Jahres in einer Tiefe von 20 cm gelockert und im Frühling einmalig gewalzt. Darauf folgte die Aussaat von 105 000 Körner/ha.

«Der positive Effekt von Strip-Till liegt darin, dass der Boden zwischen den Reihen unbearbeitet bleibt», erklärte Roman Gambirasio. «Dies sorgt für die Tragfähigkeit, die bei der Ernte ein Vorteil ist.» Ein weiterer Vorteil des Strip-Till-Verfahrens sei, dass es die Bodenbiologie weniger störe als eine herkömmliche Bodenbearbeitung. Auch zeichne es sich durch einen sehr gleichmässigen Bestand aus. Als Herausforderung nannte der Fachmann den Umstand, dass dazu eine sehr präzise Aussaat notwendig sei.

Swiss Future Farm: Hier werden komplexe Lösungen für Profis getestet
Die Swiss Future Farm testet derzeit den Geräteträger «GT 8300» von InnoMade. Dessen hintere Achse lässt sich via GPS-Steuerung lenken, was besonders für Hanglagen nützlich ist.

Pflanzen in einem frühen Stadium stimulieren

Bei einem Teil des Versuches mit dem Strip-Till-System in den Zuckerrüben wird zudem die Wirkung von Biostimulanzien getestet. «Dahinter steckt die Idee, die Pflanzen in einem frühen Stadium zu stimulieren, um sie widerstandsfähiger zu machen», sagte Nils Zehner vom SFF-Projektteam. Indem man gezielt die Wurzelentwicklung der Pflanzen fördert, wird die Nährstoffaufnahme der Pflanze verbessert, was wiederum zu einem schnelleren Reihenschluss, einer besseren photosynthetischen Aktivität sowie einer höheren Zuckeraktivität führt.

Voraussetzung für einen positiven Effekt ist allerdings, dass der Bestand intakt ist. Das bedeutet, dass es bei Aussaat, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz an nichts fehlt. «Was etwa 90 Prozent des Ertrags ausmacht», so Zehner weiter. «Biostimulanzien dagegen können im Idealfall einen Mehrertrag von 5–15 Prozent erwirken.»

Untersuchen, wie alles zusammenwirkt

In den letzten neun Jahren sei in den Versuchsreihen viel Wissen gewonnen worden, stellte Nicolas Helmstetter, Projektleiter bei der SFF-Partnerin GVS Agrar, abschliessend fest. Dies vor allem über einzelne Komponenten wie Maschine, Boden oder Pflanzen. Nun komme man auf der Swiss Future Farm in eine zweite Phase: «Künftig werden wir nicht nur den Mehrwert der Technologien untersuchen, sondern wie alles in seiner Komplexität zusammenwirkt», so Helmstetter. Es gehe darum, noch näher an die Pflanze heranzukommen, sei es mit Präzisionstechnik oder mit Stimulanzien. «Dabei werden auch Hilfsmittel wie KI eine wichtige Rolle spielen.»

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