Schneeflocken fallen und die bunten Frühlingswiesen werden allmählich weiss. Nach ein paar Stunden scheint die Sonne wieder, der Spuk ist vorbei. «Dass es hier im Mai schneit, ist keine Seltenheit», sagt Tina Brosi.
Berge und Schnee waren es unter anderem, welche die gebürtige Norddeutsche vor einigen Jahren in das Prättigauer Bergdorf gelockt haben. Die heute 40-Jährige bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Andres Brosi im bündnerischen St. Antönien auf über 1400 m ü. M. einen Biobetrieb. Zu dem oberhalb des Dorfzentrums gelegenen Hof gehören Milchkühe, Aufzuchtkälber, Schafe, Hühner, zwei Pferde sowie ein Hund.
«Es fiel mir auf, dass hier alle so freundlich sind»
Aufgewachsen ist Tina Brosi in einer Kleinstadt in der Nähe von Kiel, nahe der Ostsee. Nach St. Antönien kam sie erstmals 2012, um während der Wintersaison in einem lokalen Restaurant zu arbeiten.
«Damals fiel mir auf, wie freundlich hier alle sind», erzählt die gelernte Hotelfachfrau. Ihr habe etwa jemand gezeigt, wo sie sich Skisachen ausleihen konnte, und jemand anders habe ihr angeboten, mit dem Haflinger auszureiten.
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Mit ihrem Mann reiste sie nach Australien und Japan
Nach Saisonende fuhr Tina Brosi zurück in die Heimat, «wo ich viel ackerte und wenig verdiente», wie sie sagt. Nach einer Reise nach Neuseeland kam sie zwei Jahre später zurück nach St. Antönien, wo sie erneut ein paar Monate in der Gastronomie arbeiten wollte, um anschliessend wieder nach Übersee zu verreisen.
Das tat sie auch – nur hatte sie inzwischen ihren künftigen Ehemann Andres Brosi kennengelernt, der ebenfalls vom Reisen begeistert ist und sie in die Ferne begleitete. Gemeinsam flogen sie nach Australien, um das Land kennenzulernen und zu tauchen. Nachdem sie weitere Länder wie Bali und Japan besucht hatten, kehrten die beiden zurück ins Prättigau, wo sie 2017 heirateten.
Fünf Fragen an Tina Brosi
Was haben Sie am liebsten auf dem Teller?
Ich esse am liebsten Spaghetti in allen Variationen.
Welches ist Ihr Lieblingsbuch?
Ich lese gern Psychothriller, zum Beispiel von Sebastian Fitzek.
Welchen Beruf würden Sie lernen, wenn Sie nochmals wählen könnten?
Tierärztin (mein Kindheitstraum) oder Tauchlehrerin.
Welches ist Ihre Traumferiendestination?
Irgendwo an der Wärme, wo es Strand und Wasser gibt.
Worüber können Sie lachen?
Eigentlich über alles. Ich finde in allem etwas Positives und Lustiges.
Im Winter springt sie in der Gastronomie ein
Es folgten die Geburt der Tochter sowie der komplette Umbau des einfachen, alten Wohnhauses auf dem Hof, bei dem das Ehepaar möglichst viele Arbeiten selbst ausführte. «Vor fünf Jahren übernahmen wir dann den Familienbetrieb», erzählt Tina Brosi. Die Aufgaben teilen sich das Ehepaar, zudem helfen auch ihre Schwiegereltern mit.
Die Weiden erstrecken sich weit hinauf bis zum Partnunsee auf knapp 1900 m ü. M. Sie selbst mag besonders die Arbeit mit den Tieren. Um in diesem Bereich mehr Wissen zu erwerben, bildet sich die Bäuerin am Plantahof weiter. So hat sie etwa Kurse in Homöopathie und Klauenpflege besucht.
Ausserdem ist sie für die Direktvermarktung zuständig: Für ihren kleinen Selbstbedienungs-Hofladen «Mattaallerlei» im Dorf macht sie Käsefondue, Pesto und Kräutersalz. Dazu kommen weitere Produkte, wie Eier, Alpkäse, Würste und Salsiz aus Schaffleisch.
Auch ihre Mitarbeit in der Gastronomie ist nach wie vor gefragt: Während des Winters springt Tina Brosi auf Abruf in Restaurants in der Umgebung ein.
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Eine Freundin kommt jeden Sommer zu Besuch
Ihr gefalle der Zusammenhalt im Dorf, erzählt sie. «Wenn man Hilfe braucht, muss man nur einmal anrufen, und schon ist jemand da.» Das gelte auch umgekehrt, das gegenseitige Aushelfen gehöre für sie dazu. Zudem habe sie hier einen eigenen Freundeskreis gefunden.
Dennoch freut sie sich besonders, wenn die Menschen, die ihr von früher her nahestehen, zu Besuch sind. Eine Freundin beispielsweise komme jeden Sommer hierher, auch ihre Schwester und ein Cousin würden regelmässig für ein paar Tage vorbeischauen.
Sie vermisst das Meer, aber auch der Walensee sei hübsch
Mindestens einmal jährlich zieht es Tina Brosi nach Norddeutschland, um ihre Verwandten und Freunde in der alten Heimat zu besuchen. Dazu gehören auch Besuche am Meer: «Dieses vermisse ich hier in der Schweiz am meisten», verrät sie.
Sie erzählt vom Gefühl des Sandes an den Füssen und vom Rauschen der Wellen. Ein Bad im Meer gehöre bei jedem Besuch unbedingt dazu. «Wenn es kalt ist, rennt man halt nur ganz kurz ins Wasser und schnell wieder raus», sagt sie lachend.
Hierzulande gehe sie gern schwimmen, auch wenn es nicht im Meer sei, zum Beispiel im Walensee, der sei auch hübsch. Die Berge, der Winter, das Skifahren – all das schätze sie an dem Leben im Prättigau.[IMG 4]
Ein Tinker als Hochzeitsgeschenk und ein Freiberger dazu
Wann immer sie die Möglichkeit hat, verbringt Tina Brosi Zeit mit ihren beiden Pferden. Obwohl sie schon als Jugendliche gern geritten war, hatte sie nicht damit gerechnet, dereinst selbst Pferde zu halten.
«Es hat sich dann so ergeben», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Dies, indem die Nachbarn ihr zur Hochzeit einen jungen Tinker-Wallach schenkten. Da sie diesen nicht allein halten können, kauften Brosis ein Freibergerfohlen dazu, das ebenfalls aus dem Dorf stammt.
Zum Tierbestand kam zudem vor Kurzem eine junge Border-Collie-x-Australian-Kelpie-Hündin dazu. «Sie kann uns künftig dabei helfen, die Schafe zusammenzutreiben», so die Bündnerin.