Billigfleisch-Werbung habe zu einem Wettlauf um das günstigste Angebot bis hin zum unethisch niedrigen Preis geführt, erklärte die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) vergangenes Jahr. Sie wolle sich deshalb für ein Verbot von Werbung mit Fleischpreisen einsetzen. Dieses Verbot ist weiterhin ihr Ziel, wie Klöckner diese Woche bestätigte. Es sei fatal, wenn gerade Fleisch als Ramschware über die Theke gehe, argumentierte Klöckner gegenüber dem Tagesspiegel am Sonntag, denn dafür hätten Tiere gelebt und seien geschlachtet worden. Opfer der ruinösen Preisschlacht seien häufig die Landwirte, so die Agrarministerin.

Aktionen, nicht Werbung unterbinden

Auch in der Schweiz stehen Tiefpreise von Fleisch in der Kritik. Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauerverbandes (SBV), kritisierte zu Jahresbeginn die Tiefpreisangebote. Diese verleiteten die Konsumentinnen und Konsumenten dazu, dort zuzugreifen und konkurriere die Labelprodukte, erklärte Rufer im LID-Interview. Dem deutschen Vorschlag, Werbung mit Fleischpreisen zu verbieten, steht der Bauernverband aber skeptisch gegenüber.

«Die Werbung ist ja nur ein Teil des Problems», sagt Mediensprecherin Sandra Helfenstein. «Der andere ist, dass die Aktionen überhaupt stattfinden». Die Grossverteiler böten das ganze Jahr Fleisch aus allen Teilen der Welt zu schädlichen Tiefstpreisen an. «Das muss man unterbinden und nicht in erster Linie die Werbung dafür», so Helfenstein.

 

 

Fleisch kein Sonderfall

Die Branchenorganisation Proviande lehnt die Idee aus Deutschland klar ab. «Die Werbung im Verkauf ist Teil der Marketingstrategie und Sache der Firmen», sagt die Kommunikationsverantwortliche Regula Kennel. Die Verkaufswerbung mit Preisen könne sicher nicht nur für Fleisch verboten werden. «Die Wertschätzung des Nahrungsmittels geht zwar auch über das Portemonnaie und Qualität soll ihren Preis haben, das gilt aber für alle Produkte und nicht nur für Fleisch», sagt Kennel. Sie erinnert zudem an Vorteile von Aktionen: «Mit den Fleischaktionen kann wenn nötig die Nachfrage gesteuert werden, gerade bei Kalbfleisch war das in den letzten Monaten sehr hilfreich.»

«Lage nicht mit Deutschland zu vergleichen»

Auch der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) lehnt ein solches Verbot für die Schweiz ab. «Für uns ist dies kein gangbarer Weg», sagt SFF-Direktor Ruedi Hadorn. Die Schweiz sei ein liberales Land und habe mündige Bürger, die selbst ihre Entscheide treffen könnten. Im Rahmen der unternehmerischen Freiheit solle jedes Unternehmen selbst entscheiden, wie es Werbung mache, so Hadorn. Für den SFF sei klar, dass die Qualität im Vordergrund stehen sollte. Der SFF-Direktor betont zudem, dass die Verhältnisse in der Schweiz mit Deutschland nicht zu vergleichen seien, ist doch der Preiskampf im deutschen Markt deutlich heftiger. Die Schweiz verfüge dagegen über ein höheres Preisniveau bedingt durch die hierzulande generell höheren Kosten auf allen Stufen, wie Auswertungen des SFF zeigten.

 

 

Unterstützung vom Tierschutz

Der Idee von Agrarministerin Klöckner positiv gegenüber steht der Schweizer Tierschutz (STS). Auch in der Schweiz herrsche ein ruinöser Preiskampf bei den konventionellen Sortimenten, erklärt Geschäftsführer Agrarpolitik Stefan Flückiger mit Verweis auf STS-Marktanalysen. «Opfer dieser Preisschlacht sind die Landwirte und die Tiere», so Flückiger. Zum einen, weil dadurch die Preisdifferenzen zu den tierfreundlich erzeugten Label- und Bioprodukten künstlich erhöht würden, was ein zentraler Grund für die Stagnation der Tierwohlproduktion sei. Zum anderen würden wegen der mangelnden Kostenwahrheit die Preisdifferenzen noch verschärft, so Flückiger. «Denn Produkte, die ein tieferes Tierwohlniveau beinhalten – also Tierwohlkosten auslagern, sollen nicht mit Preisanreizen künstlich gefördert werden», erklärt Flückiger. «Weil die Märkte dies nicht regeln können, hat der Staat hier eine zentrale Lenkungsaufgabe zu übernehmen», ist für ihn klar. Der STS unterstützt deshalb auch einen Vorstoss von Nationalrätin Martin Munz, der Fleischwerbung nur für Produkte aus Tierwohlprogrammen erlauben will.