2005 bzw. 2009 sind die beiden Discounter Aldi und Lidl in den Schweizer Detailhandel eingetreten. Das habe den Preiswettbewerb im Discounter-Segment verstärkt, schreibt Preisüberwacher Stefan Meierhans in seinem aktuellen Newsletter. Die Marktstruktur und -konzentration habe sich aber nicht grundlegend verändert. Nach wie vor könne er nicht ausschliessen, dass Coop und Migros im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel eine kollektiv marktbeherrschende oder mindestens eine marktmächtige Stellung einnehmen.
«Bisher unausgeschöpftes Potenzial»
In seinem Newsletter schildert Stefan Meierhans, was er bisher weiter feststellen konnte. So würden die im Rahmen der Marktbeobachtung erhobenen Daten nicht anzeigen, dass die sehr hohen Bruttomargen im hiesigen Lebensmittel-Detailhandel auf unangemessen hohe Gewinne der Detailhändler zurückzuführen sind. Die Gewinnmargen (Nettomarge) und die Kapitalrentabilität seien jeweils mit dem europäischen Lebensmittel-Detailhandel vergleichbar. Die hohen Bruttomargen erklärt sich Meierhans mit hohen Betriebskosten bzw. damit, dass die Effizienz im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel tiefer sei als im Ausland. Diese geringere Effizienz wiederum könnte, so der Preisüberwacher, zum Teil mit äusseren Faktoren wie dem allgemeinen Kostenniveau, den Vorlieben der Schweizer Konsument(innen) und kostentreibender Regulierung erklärbar sein.
Der Preisüberwacher schliesst indes explizit nicht aus, dass die vergleichsweise tiefe Effizienz im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel zumindest teilweise durch geringen Preisdruck entsteht. Dies zusammenhängend mit einer von wenigen grossen Unternehmen dominierten Marktstruktur. «Darauf deuten auch die diversen Preissenkungsrunden hin, die Aldi, Migros und Coop in den Jahren 2024 und 2025 ankündigten», so Stefan Meierhans. «Offenbar gibt es ein bisher unausgeschöpftes Potenzial für Preissenkungen.»
Keine hinreichenden Hinweise auf Preismissbrauch?
Diese Hinweise auf einen sich verstärkenden Preiskampf freuen Stefan Meierhans. «Ob es sich dabei um eine nachhaltige und wettbewerblich signifikante Entwicklung handelt, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend beurteilen», ergänzt er. Insgesamt gibt es nach Meinung von Meierhans bisher keine hinreichenden Hinweise auf einen Preismissbrauch, die die Einleitung einer Preismissbrauchsabklärung nach gegenwärtigem Schweizer Recht rechtfertigen würden. Entsprechend hat der Preisüberwacher entschieden, die Marktbeobachtung abzuschliessen.
Dieser Beschluss erstaunt Faire Märkte Schweiz (FMS). Schliesslich bestätige der Bericht des Preisüberwachers gerade jene strukturellen Probleme, vor denen der Verein seit mehreren Jahren warnt: «Eine hohe Marktkonzentration, die anhaltende Dominanz von Coop und Migros, sowie die Möglichkeit von missbräuchlichem Verhalten aufgrund deren marktbeherrschenden Stellung», schreibt FMS in einer Mitteilung.
Allerdings bezögen sich Stefan Meierhans’ Untersuchungen ausschliesslich auf Konsumentenpreise, womit die Preise für Produzenten und die Verarbeitung ein wesentlicher blinder Flecken blieben. Dazu äussere sich der Preisüberwacher nicht, «obwohl gerade dort der Druck durch die Tiefpreisstrategien der marktmächtigen Detailhändler enorm zugenommen hat», kritisiert FMS. Die erwähnten Effizienzprobleme und die damit zusammenhängenden hohen Kosten im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel hätten zur Folge, dass der Preisdruck an Produktion und Verarbeitung weitergegeben werde, «insbesondere an die Bäuerinnen und Bauern».
Die Weko handelt nicht
FMS bemängelt eine regulatorische Lücke, da für diese Stufen die Wettbewerbskommission (Weko) zuständig wäre. «Diese handelte jedoch bislang nicht», kritisiert die Transparenzorganisation. Aus ihrer Sicht hat sich der heutige Marktzustand auch deshalb verfestigt, weil die Weko auf entsprechende Hinweise nicht entschieden genug reagiert habe. Sie müsse konkrete Massnahmen in die Wege leiten, findet FMS. Dies mit dem Ziel, einen fairen Wettbewerb entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu gewährleisten.

