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Nach dem Boom folgt für Direktvermarkter die grosse Ernüchterung

Nicht allen Direktvermarktungsbetrieben gelang es, nach der Corona-Krise die Kundschaft zu halten. Sinkende Umsätze und gestiegene Produktionskosten sorgen dafür, dass Hofläden wieder schliessen. Redaktorin Stefanie Giger findet es bedauerlich, dass der Wert der Lebensmittel erst in Krisenzeiten richtig geschätzt wird.

Während Corona schossen die Hofläden wie Pilze aus dem Boden. Regionalität im Sinne von «direkt vom Bauernhof» hatte Hochkonjunktur. Wegen geschlossenen Restaurants und der Homeoffice-Pflicht entdeckten Herr und Frau Schweizer (wieder) die Lust am Selberkochen. Davon profitierte vor allem die Direktvermarktung. Wurden die Hofläden zu Beginn des Lockdowns im März 2020 geradezu überrannt, pendelte sich die Nachfrage unmittelbar nach dem Lockdown auf hohem Niveau ein.

Gestiegene Energiepreise, gefüllte Regale und keine Reisebeschränkungen

Heute, drei Jahre später, sieht die Welt ganz anders aus. In der Ukraine herrscht Krieg. Die Energiepreise sind gestiegen und die Teuerung ist an allen Ecken und Enden spürbar. Von Corona spricht kaum mehr jemand. Die Regale der Supermärkte sind gefüllt, die Restaurants geöffnet, die Homeoffice-Pflicht ist aufgehoben. Reisen ist wieder ohne Einschränkungen möglich und so wird das Geld lieber für Ferien in Übersee als für regional produzierte Lebensmittel ausgegeben.

Die Folge ist, dass in den Hofläden die Umsätze teilweise markant eingebrochen sind. Vielerorts liegen sie sogar tiefer als vor der Coronakrise. Zusätzlich führte die Inflation zu einer Verteuerung der Produk­tionskosten und der Verpackungsmaterialien. Auch der Zeitaufwand wurde mancherorts überschätzt – zum Nulltarif sollen auch Bäuerinnen und Bauern nicht arbeiten. Manche Bauernbetriebe stiegen grad ganz aus der Direktvermarktung aus. Aufwand und Ertrag hielten sich nicht mehr die Waage.

Das Rad lässt sich nicht ewig neu erfinden

Natürlich gibt es auch die anderen, die positiven Beispiele. So erfreut sich beispielsweise die IG Direktvermarktung über jährlichen Mitgliederzuwachs. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hofläden Kunden verlieren. Längst nicht alle Direktvermarkter schafften es, die Laufkundschaft langfristig zu binden. Laut Ernst Lüthi, Präsident des Fachzentrums Direktvermarktung des Schweizer Obstverbands, gelang dies nur Direktvermarktern mit einem guten Standort.

«Erfolgreich sind Hofläden, die sich gut positioniert haben, über einen Brand verfügen und authentisch sind.»

Ernst Lüthi, Präsident des Fachzentrums Direktvermarktung SOV

Das tönt in der Theorie wunderbar. Aber das Rad lässt sich bekanntlich nicht ewig neu erfinden.

Gute Gründe für Einkauf beim Bauern

Gründe, direkt beim Bauern einzukaufen, gäbe es ja mehr als genug: Täglich frische Produkte, keine versteckten Zusätze, keine langen Transportwege, faire Preise für die Bauernfamilie und so weiter. Alle guten Argumente und ausgeklügelten Marketingmassnahmen nützen jedoch nichts, solange der Konsument nicht bereit ist, den Weg zum Hofladen oder auf den Wochenmarkt auf sich zu nehmen. Andernfalls würden die Erdbeeren aus Spanien, die man jetzt wieder in den Supermärkten kaufen kann, einfach mal in den Regalen liegen bleiben. Darüber rege ich mich übrigens jedes Jahr aufs Neue auf. Schmecken tun diese Erdbeeren nach nichts und vom ökologischen Fussabdruck wollen wir schon gar nicht reden. Ein noch aktuelleres Beispiel sind Spargeln aus Griechenland oder Peru.

Auf einem Schweizer Bauernhof findet man zu dieser Jahreszeit weder Erdbeeren noch Spargeln. Wer beim Bauern einkauft, weiss das. Womit wir bei einem weiteren Punkt sind, der für die Direktvermarkter spricht: Sie leisten wertvolle Bildungsarbeit zum Thema Saisonalität, aber natürlich nicht nur.

Produkte auch in Nicht-Krisenzeiten schätzen

Die grosse Frage lautet also: Wie gelingt es, dass Schweizer Konsumenten regionalen Produkten, am besten direkt vom Bauern, vermehrt den Vorzug geben und wieder massenhaft in die Hofläden strömen? Bekanntlich machen uns erst Krisen den wahren Wert von Lebensmitteln bewusst. Das ist höchst bedauerlich. Auch wenn die nächste Krise mit Verknappung der Lebensmittel früher oder später bestimmt kommt, sollte die Bevölkerung schon heute mit Herzblut alles dafür tun, um die Schweizer Produktionsbereitschaft zu erhalten.