Als Discounter betont Lidl gerne die tiefen Preise seines Sortiments. Man verfolge das Ziel, stets das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Nachdem sinkende Preise für über 600 Produkte verkündet worden sind, sollen sie nun auch für mehr als 100 Bio-Artikel fallen. Das entspricht gemäss einer Mitteilung knapp einem Drittel des ganzen Bio-Sortiments, das unter dem Label «Bio Organic» verkauft wird. Was davon das Schweizerkreuz trägt, sei nach den Richtlinien von Bio Suisse produziert.

Nicht zulasten der Produzenten

DiscounterAldi senkt die Preise – und verkauft mehr Bio-ProdukteMittwoch, 20. September 2023 Unter den preisreduzierten Bio-Produkten sind z. B. Milch, Brot und Fleisch sowie Obst und Gemüse. Bei Milchprodukten, Frischfleisch und Brot handle es sich fast ausschliesslich um inländische Ware. Insgesamt stammten über zwei Drittel der Frischprodukte aus der Schweiz und Lidl erzielt nach eigenen Angaben über 50 Prozent seines Umsatzes mit Schweizer Produkten, die von 300 verschiedenen Lieferanten bezogen würden.  

Die Preissenkungen im Bio-Bereich um durchschnittlich neun Prozent gehe aber nicht zulasten der Produzenten, betont Lidl. Der Discounter wolle etwas vom «hervorragenden Geschäftsverlauf» an die Kundschaft zurückgeben – in Form der grössten Bio-Preissenkung in der Geschichte von Lidl Schweiz. Denn der Umsatz mit Bio-Produkten habe bei Lidl im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 um über 100 Prozent zugenommen. «Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist bei unseren Kund(innen) in den vergangenen Jahren stets gestiegen», stellt Lidl-Mediensprecher Sandro Kissayi fest. Für 2023 ist die Rede von einem Rekordumsatz im Bio-Bereich. 

Den Abverkauf fördern

Nach eigenen Angaben will Lidl den Anteil bio-zertifizierter Produkte in seinem Sortiment ausbauen und deren Abverkauf fördern. Offenbar geht diese auf tiefen Preisen beruhende Strategie auf, wie die steigenden Bio-Umsatzzahlen bei Lidl beweisen. Andere Detailhändler wie beispielsweise Coop gehen die Sache anders an und investieren in Werbung für Bio bzw. insbesondere die Knospe, um die Kundschaft von deren Mehrwert zu überzeugen und die Zahlungsbereitschaft zu verbessern.

Der Anstieg der Nachfrage nach Bio-Produkten bei Lidl ist für Bio Suisse ein positives Signal, wie es auf Anfrage der BauernZeitung heisst. «Wächst der Bio-Markt, ernähren sich mehr Menschen mit nachhaltigeren Produkten», begründet Mediensprecher Lukas Inderfurth. Davon profitiere auch die Umwelt.

«Normale Resultate des freien Marktes»

Ist der Ansatz von Lidl, Bio preisgünstig anzubieten – und so «für jeden erschwinglich» zu machen, wie es in der Mitteilung heisst – denn der richtige Weg? Solange die Preise in einem fairen Prozess vereinbart worden seien und eine nachhaltige Existenz, ein angemessenes Einkommen und die nötigen Investitionen garantierten, seien Preisentwicklungen normale Resultate des freien Marktes, sagt dazu Lukas Inderfurth. Das gelte sowohl für steigende als auch sinkende Preise. Letztere dürften allerdings nicht dazu führen, dass die Bio-Produzent(innen) nicht mehr nachhaltig arbeiten könnten. Mehrpreise für Bio begründet Inderfurth mit tieferen Erträgen, separater Verarbeitung, kleineren Mengen, Auflagen und Kontrollen. «All das schlägt auf die Preise durch», hält er fest.

Nicht nur den Preis in den Fokus stellen

Wiederholt gab es Kritik an hohen Bio-Margen, welche die Produkte im Detailhandel verteuern und daher unattraktiver machen. Die werbeintensive Strategie etwa von Coop beurteilt Bio Suisse aber positiv: «Wir begrüssen es, dass es Marktpartner gibt, die den Mehrwert von Bio kommunizieren und nicht nur den Preis in den Fokus stellen», so Lukas Inderfurth. Im Übrigen würden Coop und Migros auch in Bio-Nischen investieren und Bio als umwelt- sowie ressourcenschonendes System sehen. «Das zeigt sich auch in ihren Investitionen in die Bio-Forschung, die wir gemeinsam umsetzen und die allen zugutekommt.»

Bemühungen um die Knospe

Da die Schweizer Bio-Produkte bei Lidl nach Bio-Suisse-Richtlinien hergestellt worden sind, böte sich die Auslobung mit dem Knospe-Label an. Aufgrund fehlender Lizenzen seitens Bio Suisse darf der Discounter die Knospe aber derzeit nicht verwenden, auch wenn einzelne Knospe-Produkte lizensierter Verarbeiter damit in den Regalen zu finden seien. «Wir sind weiterhin der interessiert daran, Schweizer Bio-Produkte mit dem Knospe-Label zu kennzeichnen und sind hierfür im Austausch mit Bio Suisse», sagt Lidl-Sprecher Sandro Kissayi. Dass Swissnesss und Bio einen immer grösseren Stellenwert erhalten, wertet die Labelorganisation positiv. Man tausche sich seit Jahren sowohl mit Lidl als auch Aldi aus, erklärt Lukas Inderfurth. «Wird Bio ganzheitlicher unterstützt, sind wir für jeden da und freuen uns über einen gemeinsamen Weg.»

 

Denner steigert Nettoumsatz

Neben Lidl und Aldi wirbt auch Denner mit einem Sortiment zum günstigeren Preis. 2023 sei die Kundenfrequenz bei Denner um 5,2 Prozent gestiegen, heisst es in einer Mitteilung. Der Discounter führt dies auf die Auswirkungen der Inflation zurück, die das Einkaufsverhalten der Schweizer(innen) beeinflussen würden. Der Nettoumsatz sei um 4 Prozent gewachsen. Ein wachsendes Kundenbedürfnis sieht Denner – neben günstigen Produkten und Aktionen zur Entlastung des Haushaltsbudgets – in einem breiten Angebot von Frischeprodukten. Daher hat der Discounter in diesen Bereich investiert und baut eine zusätzliche Verteilzentrale auf.