Bei der Schweizer Biomilch kam es in den vergangenen Jahren zu einem Produktionsrückgang. Die Gründe sind bekannt. Da ist etwa die Verschärfung der Fütterungsrichtlinien mit 100 Prozent Grundfutter aus der Schweiz und maximal fünf Prozent Kraftfutter – die Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) hingegen war schon immer Standard bei Bio Suisse. Auch der Einzug teurer Automatisierung in den Milchviehställen spricht für intensivere Fütterung und höhere Leistung und scheint eher für die konventionelle Produktion interessant. Zudem ist die Biomilchproduktion mit all ihren Vor- und Nachteilen unterdessen bekannt. «Wer umstellen wollte, hat dies wohl getan», mutmasst Stephan Wicki, Präsident Biomilchring Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und Milchproduzent in Winikon LU. Betriebe stossen nur noch vereinzelt dazu.
Viel Milch ab dem Spätherbst
Stephan Wicki produziert zusätzlich nach den «Retour aux Sources»-Richtlinien von Aldi Suisse. Setzt also auf Vollweide, ohne Kraftfutter und ohne Antibiotika. Auch die zweijährige Umstellungsphase zur Knospe von Bio Suisse sei eine «Durststrecke», produziert wird nach den Bio-Richtlinien, der dafür gelöste Preis ist aber konventionell. Biomilch ist vor allem im Sommer gesucht, aus diesem Grund kommen auch die vielen Sömmerungsbetriebe der Zentralschweiz meist nicht infrage, da die Milch dann meist anderweitig verarbeitet wird.
Aufgrund der guten Dürrfutterqualität wurde der Rückgang bei der Biomilch vorerst gebremst: beim Biomilchring ZMP gemäss Jahresbericht 2025 schaltjahrbereinigt um 1,4 %. Im ersten Halbjahr war man noch deutlich unter den Vorjahren, ab Juni/Juli stieg die Produktion an und auffällig waren Spätherbst und die Wintermonate mit plus 11 % gegenüber der Vorjahresperiode. Der durchschnittliche Milchpreis 2025 lag bei 96,25 Rappen, der höchste Biomilchpreis in der Geschichte der Milchvermarktung ZMP. Die Differenz zum ZMP-Basispreis betrug 25,8 Rappen.
Erhöht wurde vergangenen Frühling der Deklassierungsbeitrag, seit Februar 2026 werden nochmals 2 Rappen mehr dafür eingezogen, auf total 7 Rappen. Trotz dieser attraktiven Preise und einer vom Kanton Luzern unterstützten Bio-Offensive sind per Anfang Jahr nur zwei neue Produzenten dazugestossen. Drei Betriebe wechselten in den Kanal Suisse Garantie. Mit dem Weidestart werde die Produktion stark ansteigen, sagt Stephan Wicki. Der Effekt sei aber wohl dieses Jahr aufgrund des guten Futters in den Scheunen nicht so gross wie in anderen Jahren. Bereits ab Sommer werde Zentralschweizer Biomilch voraussichtlich gesucht sein, so seine Einschätzung.[IMG 2]
45 Millionen Kilo Zentralschweizer Biomilch
348 Betriebe lieferten 2025 in den Biomilchring ZMP und produzierten insgesamt rund 45 Mio kg Milch, gut 130 000 kg pro Betrieb. 47,1 % der Milch stammen aus dem Kanton Luzern, dahinter folgen Obwalden (28,2 %), Nidwalden (9,1 %) und Zug (7,5 %). Auch einige Betriebe aus Bern, Zürich und Aargau sind Mitglieder. März, April, Mai und Oktober sind die milchmengenstärksten Monate. 2025 erreichten 99 % der Mitglieder die öffentlich-rechtlichen Qualitätsanforderungen beim Kriterium Keimzahl. Bei der Zellzahl waren es 95,8 %. Bei den vielen Betrieben mit saisonaler Abkalbung ist der Wert im Spätsommer tendenziell erhöht. Beim Gehalt erzielten die Produzenten im Schnitt 4,13 beim Fett, bzw. 3,36 beim Eiweiss.
