«Es ist nicht einfach», sagt Sandra Bögli. Sie und ihr Mann bieten auf dem Familienbetrieb in Ochlenberg im Kanton Bern drei Dauerplätze für betreutes Wohnen an. «Unser Angebot auf unserem vielseitigen Betrieb soll der Person eine möglichst hohe Lebensqualität ermöglichen und ein wohliges Zuhause bieten», schreibt die Familie auf ihrer Website. Doch derzeit sind zwei der drei Zimmer leer.

«Das Problem ist, dass wir keine öffentliche Institution sind», sagt Sandra Bögli, ausgebildete Käserin und Bäuerin. Dadurch sei die Finanzierung der Plätze schwierig. «Obwohl die Institutionen viel teurer sind als wir.» Sandra und Konrad Bögli stellen ihr Angebot daher auf der Website des jungen Dachverbandes Green Care Schweiz vor, als einer von derzeit nur 17 Betrieben.

Weiterhin im Aufbau

«Wir stecken noch in den Kinderschuhen», sagte Raphaël Mahaim an der 4. Delegiertenversammlung von Green Care Schweiz in Bern. Der Waadtländer Nationalrat amtet zusammen mit Alois Huber, Landwirt und Vizepräsident des Schweizer Bauernverbands, als Co-Präsident der Organisation. «Wir haben schon viel erreicht, doch es gibt auch noch viel zu tun», bekräftigt Geschäftsführerin Simone Hunziker.  

So arbeitet etwa die Kommission Bildung des Verbandes weiter daran, schweizweit ein Ausbildungsangebot für soziale Dienstleistungen auf Landwirtschaftsbetrieben zu schaffen. In der Romandie sollen zudem dieses Jahr die ersten zwei Höfe zertifiziert werden, drei weitere Betriebe in der Deutschschweiz sind auf dem Weg dazu. 

«Eine Riesenarbeit hat die Kommission Tarife bewältigt», so Simone Hunziker. Die Mitglieder haben zusammengetragen, was es braucht, um in den einzelnen Kantonen als Anbieter eine Bewilligung zu erhalten, und auch die Finanzierung ist ganz unterschiedlich gehandhabt. Beides hat immer auch mit Politik zu tun. 

«Im Vorstand wurde daher diskutiert, ob wir die Kommission Tarife in eine kombinierte Kommission Politik und Finanzen umwandeln sollen», so Vorstandsmitglied Priska Fleischlin.

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Die Website des Verbandes als Vermittlungs- und Informationsplattform läuft. «Aber es braucht mehr Betriebe auf der Plattform, das ist ein grösseres Problem», erklärt André Stalder, Landwirt und Vorstandsmitglied. Noch würden viele Betriebe die Kosten und den Aufwand scheuen. «Viele haben noch nicht begriffen, was wir wollen», meinte Alois Huber. Und Simone Hunziker ergänzt: «Das ist wirklich eine Herausforderung. Jetzt müssen wir übers Sparen sprechen.»

Arbeit für die Green-Care-Arbeit

Da der Dachverband inzwischen vier Jahre besteht, stand erstmals auch eine Wahl an: Alle Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden Daniela Steiner und Esther Mottier.

Noch hängig ist das Postulat zu Green-Care-Arbeit im ländlichen Raum, das die beiden Nationalräte Raphaël Mahaim und Alois Huber im letzten September eingereicht hatten. «Es kommt voraussichtlich im Winter im Parlament zur Abstimmung», so Alois Huber. Bis dahin brauche es noch «viel Arbeit».

Für Familie Bögli wäre mehr Anerkennung für Höfe hilfreich, die wie sie auch soziale Dienstleistungen anbieten. Das Paar lebt mit seinen vier Kindern auf einem denkmalgeschützten Bauernhof in der voralpinen Hügelzone. Bis 2019 war Milchwirtschaft der Hauptbetriebszweig. Doch ein Stallumbau war wegen des denkmalgeschützten Gebäudes nicht möglich.

Also stellten Böglis auf Walliser Schwarzhalsziegen um und schufen mehr Raum, um Hofprodukte herzustellen. «Zudem war es uns ein Anliegen, uns sozial zu engagieren», so Sandra Bögli. «Deshalb bieten wir seit sechs Jahren betreutes Wohnen und Plätze mit Tagesstruktur an.» Doch noch würde das Angebot wenig genutzt.

Neue Regelung

Bauernfamilien, auf deren Betrieben Jugendliche mit Beeinträchtigungen eine Ausbildung machen können, müssen neuen Anforderungen genügen. Susann Steiner, Geschäftsleiterin Stiftung Landwirtschaft und Menschen mit Beeinträchtigung, schreibt im Geschäftsbericht der Organisation dazu: «Die Ausbildnerfamilien müssen spätestens ab diesem Sommer eine Bewilligung nach Pflegekinderverordnung (PAVO) zur Aufnahme von Pflegekindern nachweisen, da die Lernenden oft noch minderjährig sind und auf dem Betrieb wohnen werden. Die Ausbildungsbetriebe müssen zudem alle eine Bildungsbewilligung nachweisen.» Ausbildnerfamilien, deren Lernende nicht auf dem Hof schlafen, seien nicht betroffen.