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Bruno Widmer wurde vom Bierkutscher zum professionellen Rösseler

Bruno Widmer und Susanne Hofmann betreiben in Worb einen Pensionsstall, der dem Tierwohl in allen Facetten Rechnung trägt. Widmer hält zudem gerne die Fahrleinen in der Hand und ist erfolgreich mit seinem Zweispänner unterwegs.

In Worb BE aufgewachsen, kam Bruno Widmer schon während seiner Schulzeit mit Nachbars Pferden in Kontakt. Er lernte Zimmermann und Landwirt und fuhr als Chauffeur Lastwagen. Später fand er seine Berufung in der Bierbrauerei Egger, wo er 17 Jahre als Fuhrmann und Bierkutscher angestellt war. 2018 übernahmen Bruno Widmer und Susanne Hofmann den Sonnenhof. Sie bauten den Kuhstall um, bauten Fressstände und neue Böden ein.

Im Winter 2021 entstand der neue Pferde-Freilaufstall: «Im Hinblick auf die Topografie hätten wir keine Auslaufboxen bauen können. Das System Offenstall überzeugt mich aber vollends.»

Überaus wichtig ist den Stallbetreibern die Futterqualität. «Da sind wir dran wie die Sperber. Wir überlassen nichts dem Zufall in Sachen Heu- oder Stroh-Ernte und sind sehr pingelig», betont der 42-Jährige. Er achtet darauf, dass das Heu nicht zu jung oder zu energiereich ist – es soll einfach perfekt sein. Heu, Stroh, Hafer und Gerste werden in Eigenregie produziert.

Bruno Widmer wurde vom Bierkutscher zum professionellen Rösseler
Der Sonnenhof befindet sich am Dorfeingang von Worb, am Rande des Dentenbergs.

Feiner Draht zu Mensch und Pferd

Neben seinen eigenen sieben Warmblütern sind rund 40 Pensionspferde aller Rassen in vier verschieden grossen Gruppen eingestallt – vom Jungpferd bis zum 30-Jährigen. Bruno Widmer weiss von jedem Pferd, was und wie viel genau es frisst, wie schnell es seine Ration verputzt und welches Pferd zuletzt gefressen hat. «Dreimal am Tag sehe ich jedes einzelne Pensionspferd hier und weiss, wie es ihnen geht. Ich schaue die Pferde genau an und bemerke, wenn etwas ist. Die Einsteller schätzen diesen besonderen Service, wissen ihr Pferd in besten Händen.»

Genau diese Vertrauensbasis ist Bruno Widmer sehr wichtig. Ihm ist klar, dass man als Stallbetreiber das Zwischenmenschliche nicht unterschätzen darf, weil die Menschen oftmals ihre Sorgen und Nöte mit in den Stall nehmen. «Der Umgang mit Pferden und vor allem mit ihren Besitzern ist heute komplexer und anspruchsvoller als früher», betont der Betriebsleiter.

Bruno Widmer wurde vom Bierkutscher zum professionellen Rösseler
Bruno Widmer frönt dem Zweispänner-Fahren mit viel Leidenschaft.

Betriebsleiter und Chauffeur

Bruno Widmers Tag ist lang. Er steht um kurz vor vier Uhr morgens auf und ist dann bis halb sieben im Stall mit Füttern und Misten beschäftigt. Dann geht es an die Arbeit auswärts, denn Bruno Widmer ist in einem 50-Prozent-Pensum bei einer Baufirma beschäftigt.

«Mein Vater macht am Morgen den Stall fertig und ich bin am Mittag wieder zu Hause für die Fütterung. Am Nachmittag bin ich auf dem Betrieb und abends trainiere ich meine Pferde. Gegen 21 Uhr steht die letzte Stallrunde an und dann sind Feierabend und Nachtessen angesagt», erläutert Bruno Widmer seinen Tagesablauf.

Da ist kein Jammern zu hören, im Gegenteil: Er arbeite gerne, fühle sich dort genauso wohl wie im Stall, sagt er. «Sicherlich, man könnte anderswo mehr Geld verdienen als im Stall – aber nicht schöner», ist seine Überzeugung. Auch seine 42-jährige Partnerin Susanne Hofmann ist dem Pferde-Virus verfallen. Sie frönt dem Springsport und hat gerade wieder ein junges Pferd in der Ausbildung. Die gelernte Gärtnerin hat die Handelsschule absolviert und arbeitet heute in einem 80-Prozent-Pensum in Bern.

Betriebsspiegel

Sonnenhof, Bruno Widmer (42) & Susanne Hofmann (42) Ort: Worb BE Produktionsform: IP-Suisse LN: 20ha Ackerbau: 150a Weizen, 10–20a Gerste, 30a Hafer, 1.5ha Sonnenblumen, 1.5ha Mais, 4.5a Weideland Arbeitskräfte: Familienmitglieder Teilzeit & Stallhilfe 50% Sonstiges: Pferde-Pensionsstall Webseite:www.sonnenhof-weide.ch

Bruno Widmer wurde vom Bierkutscher zum professionellen Rösseler
Für die eigenen wie auch die Pensionspferde sind grosszügige Weiden vorhanden.

Fahren war immer ein Thema

Vor 30 Jahren fuhr Bruno Widmer mit dem Pferd in die Käserei. Damit begann die Leidenschaft für das Fahren mit Pferden. Seit 2008 mischt er aktiv im Geschehen der Fahrsport-Szene mit: «Mich faszinieren diese Kraft, die Genauigkeit und die Motivation der Pferde, die bis zum Saison-Ende anhält. Die Königsklasse Marathon ist auch meine Lieblings-Disziplin.»

Letztes Jahr hat er an der Weltmeisterschaft im Kegelfahren den vierten Rang und im Marathon den sechsten Rang geholt, was ihm den 14. Gesamt-Rang einbrachte – von 100 qualifizierten Konkurrenten.

Bruno Widmer mag den regen Austausch über die Landwirtschaft mit seinem Fahrkollegen Marcel Luder: «Das verbindet uns. Überhaupt hat es viele Gleichgesinnte in der Fahrsport-Szene. Die Landwirtschaft ermöglicht es mir, die Pferde für den Fahrsport zu halten.» Der Zweispänner-Fahrer sicherte sich an der Schweizer Meisterschaft im letzten Jahr die Silber-Medaille und auch dieses Jahr steht die Schweizer Meisterschaft in der Agenda. Auch die Vorbereitungen für die WM im Jahr 2027 in Ungarn stehen schon an und der jüngste Wallach wird langsam in den Fahrsport eingeführt. Widmers wichtigstes Ziel im Training ist die Motivation, damit die Pferde nicht die Freude verlieren.

Bruno Widmer wurde vom Bierkutscher zum professionellen Rösseler
Für die Fütterung steht im Laufstall jedem Pferd ein Fressstand zur Verfügung.

Nicht halbherzig, sondern immer zu 100 Prozent

Bruno Widmer bezeichnet sich als Perfektionisten, der viele Dinge nicht gerade stehen lassen kann. «Ich sage immer, die Faulheit holt dich früher oder später im Leben ein.» Es gäbe vieles, was Widmer noch gerne machen würde, aber dann reut ihn die Zeit dafür, die er dann doch lieber beim «Rössele» verbringt. Skifahren war er lange nicht mehr.

Beim Gedanken daran, was er im Stall erledigen könnte, verblasst die Lust auf Wintersport aber gleich wieder: «Wenn ich mal übrige Zeit habe, dann hat es sicher noch Pferde, die noch nicht eingespannt wurden. Manchmal ist es nicht ganz einfach, alles unter einen Hut zu bringen, sei es die Landwirtschaft mit einem Erntezeitpunkt oder der Fahrsport mit gegebenen Daten. Und mein volles Programm wird mir manchmal schon etwas vorgeworfen», schmunzelt Bruno Widmer. Die Tage seien einfach oft zu kurz für ihn.

Er sei ein positiv denkender Mensch und schaue optimistisch in die Zukunft. Dabei habe er ein offenes Ohr für seine Mitmenschen, verfolge eine klare Linie und strebe ein harmonisches Miteinander an, schätzt sich Widmer ein. Ihm ist bewusst, dass nicht alles beeinflussbar ist: «Die Landwirtschaft fasziniert mich. Man kann mit Saatzeitpunkt, Hofdünger und bestem Wissen und Gewissen das Möglichste tun für ein gutes Gelinge der Ernte. Aber Wetter und Naturgegebenheiten spielen auch mit und das kann man nicht ändern, es gehört zur beruflichen Herausforderung dazu.»