Wie lassen sich Treibhausgase in der Landwirtschaft effektiv reduzieren und welche Massnahmen erweisen sich dabei als wirtschaftlich tragbar? Nadja El Benni von Agroscope hat die Auswirkungen konkreter Klimaschutzmassnahmen im Rahmen der Swiss Animal Nutrition Conference am Agrovet-Strickhof in Lindau ZH präsentiert.
Die vorliegenden Analysen verdeutlichen, dass insbesondere die Tiergesundheit und die Fütterung zentrale Hebel für eine nachhaltige Transformation darstellen.
Ziel von 10 % weniger Treibhausgasen erreicht
In den Jahren zwischen 2016 und 2023 ist es den beteiligten IP-Suisse-Bauern gelungen, ihre Treibhausgasemissionen um insgesamt zehn Prozent zu senken, womit das gesteckte Ziel erfolgreich erreicht wurde.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war dabei die methodische Flexibilität: Bei der praktischen Umsetzung stand es den Landwirt(innen) frei, selbst zu entscheiden, in welchen Bereichen sie die Reduktionen auf ihren Betrieben realisieren wollten.
Im Zuge dieser individuellen Ansätze kristallisierten sich schliesslich drei Massnahmen als besonders wirksam heraus: Erhöhung der Laktation in den Milchkuhherden, Umstellung auf das Heizen mit Holz und die Implementierung einer optimierten Phasenfütterung bei Schweinen.
Photovoltaik noch kaum genutzt
Ein anderes Feld blieb von den Landwirt(innen) hingegen weitgehend ungenutzt, obwohl das Interesse an technischen Modernisierungen grundsätzlich hoch ist. «Photovoltaik wurde auf den Betrieben bisher kaum genutzt, aber diese Technologie bringt viel Potenzial mit sich», erklärte Nadja El Benni.
Da die Betriebe nach sehr verschiedenen, auf ihre spezifischen Strukturen zugeschnittenen Lösungen suchen, bleibe das Spektrum der technischen Massnahmen ein wichtiges Entwicklungsfeld.
Am Schluss bleibt die Frage, ob sich das Ganze lohnt
Bei allen ökologischen Überlegungen steht am Ende der Umsetzung stets die ökonomische Kernfrage. Die marginalen Vermeidungskosten, gemessen in CO₂-Äquivalenten, hängen stark von den betrieblichen Voraussetzungen ab und fallen keineswegs einheitlich aus.
«Die Kosten sind pro Betrieb unterschiedlich. Das Setzen von Reduktionszielen auf aggregierter Ebene kann hier die Umsetzung verbessern», so Nadja El Benni.
Das Schweizer Politiksystem versucht, allfällige wirtschaftliche Nachteile durch gezielte Anreize auszugleichen. Aktuelle Programme umfassen unter anderem die Förderung der verlängerten Lebensdauer von Kühen, die Unterstützung der Phasenfütterung bei Schweinen sowie Direktzahlungen für die graslandbasierte Fleisch- und Milchproduktion. Diese wird mit bis zu 200 Franken pro Hektare Grasland subventioniert.
Die wissenschaftliche Grundlage für die Bewertung dieser graslandbasierten Produktion lieferten Ex-post- und Ex-ante-Evaluationen, die über den Zeitraum von 2017 bis 2025 publiziert wurden.
Gesunde Tiere sind wirtschaftlicher
Ein zentraler Ansatzpunkt für die verlängerte Nutzungsdauer von Kühen liegt in der Verbesserung der Tiergesundheit und Leistungssicherheit, da eine verbesserte Tiergesundheit direkte positive Auswirkungen auf die Betriebswirtschaft hat.
Die Züchtung sollte diesem Aspekt mehr Aufmerksamkeit schenken, um die Sorge vor wirtschaftlichen Verlusten zu reduzieren und den frühzeitigen Ersatz von Milchkühen zu vermeiden.
«Wenn man die Kuhprobleme reduziert und eine an den Standort ausgerichtete Milchproduktion umsetzt, könnte sich die Rentabilität um 10 bis 15 Prozent verbessern», führte Nadja El Benni weiter aus. «Eine Steigerung der Leistungszuverlässigkeit erhöht die Rentabilität.»
Wie die Massnahmen in den Alltag passen, ist entscheidend
Sowohl bei extensiv als auch bei intensiv geführten Milchviehbetrieben gilt die Ermittlung und Erreichung der optimalen produktiven Lebensdauer als entscheidender ökonomischer Faktor. In der landwirtschaftlichen Praxis zeigt sich an dieser Stelle jedoch eine spürbare Barriere: Gemäss den Untersuchungen äussern einzelne Stakeholder nach wie vor das Gefühl, im Alltag nur einen begrenzten Einfluss auf die tatsächliche Verlängerung dieser produktiven Lebensphase ihrer Tiere nehmen zu können.
Das zeigt die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre: Der Werkzeugkasten für eine klimafreundlichere Landwirtschaft ist zwar gut gefüllt, doch der Erfolg misst sich am Ende daran, wie gut diese Massnahmen in den Alltag der einzelnen Betriebe integriert werden können. Dabei müssen alle mithelfen, von der Züchtung über die Veterinärmedizin bis zur Beratung.

