«Bueb», der Stier der afrikanischen Antilopen-Herde, kommt ohne Scheu an das Gitter der Abtrennung zum Besucher. Der Bueb ist eine Antilope der Unterart Elenantilope mit einer Schulterhöhe von einem Meter siebzig und trägt ein beeindruckendes, nach innen gedrehtes Geweih von einem Meter Länge, auf der Stirn trägt er einen dunklen Haarschopf.

Inspiration aus Namibia

Sein Fell ist gelbbraun, am Oberkörper befinden sich auf jeder Seite helle Querstreifen. Ich befinde mich aber nicht in der Savanne an der Südspitze Afrikas, sondern im Fricktal. Neben mir steht Marco Jäger. Er träumte davon, selber Antilopen zu halten, seit er diese grazilen Antilopen auf Reisen in Namibia bewunderte. Bei einem Bier schwärmte er auch Christoph Kläusler davon vor, auf dessen Mooshaldenhof er regelmässig arbeitete. «Ich vergass diese Idee aber bald», bemerkt sein Freund Christoph Kläusler.

So wurde die Idee Realität

Später, in der Küche beim Kaffee, erzählt Jäger: «Mich liess die Idee, selber Elenantilopen zu züchten, nicht mehr los». Er nahm Kontakt auf mit einem Zoo im deutschen Magdeburg. Die Zooverwaltung erklärte sich bereit, Kläusler und Jäger überzählige Antilopen zu verkaufen. Sie wurden sich einig, zusammen in das Projekt «Elenantilopen» einzusteigen. Zuhause erkundigten sie sich beim Veterinäramt des Kantons Aargau über die Haltungsbedingungen und beide machten ein einwöchiges Praktikum im Zoo Magdeburg. Paral­lel dazu bauten die beiden den Stall, erstellten das vorgeschriebene Wildtier-Gehege und kümmerten sich um die Einfuhrbedingungen und den Transport.

2013 trafen die ersten vier von 19 Elenantilopen im Fricktal ein. «Gleich am zweiten Tag übersprang eine Kuh aus dem Stand die ein Meter und 75 Zentimeter hohe Abtrennung», schildert Marco Jäger, immer noch tief beeindruckt von dieser Sprungleistung. Keine Frage, die Abtrennungen wurden auf der Stelle bis zur Decke erhöht. Elenantilopen springen in Freiheit bis zwei Meter hoch, da können die Zäune gar nicht hoch genug sein.

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Was braucht es?

Abgesehen vom Sport Hochsprung haben die Elenantilopen vieles mit Rindern gemeinsam. Sie sind Wiederkäuer und Paarhufer, bekommen im Stall Ökoheu und frischen Malztreber, selenhaltiges Mineralsalz und als Lockfutter getrocknetes Brot. Von Frühjahr bis Herbst weiden sie auf der 2,3 Hektaren grossen Weide das Gras ab. Sie werden mit zweieinhalb Jahren geschlechtsreif, sind ganzjährig fruchtbar, haben eine Tragezeit von neun Monaten und werfen jährlich ein Kalb.

Die Geburt geht sehr rasch vonstatten, wie üblich bei Wildtieren. «Wenn ich bei einer Kuh Anzeichen der bevorstehenden Geburt sehe, kann es sein, dass das Kalb nach einer Viertelstunde bei der Mutter säugt» erzählt Marco Jäger. «Die Kälber sind winzig und balancieren auf überlangen Beinen», hat Christoph Kläusler beobachtet. Die Antilopenkühe auf der Mooshofhalde kalben in der Regel im Februar und März, alle Geburten verliefen problemlos. Schon im Alter von zwei Wochen spriessen den Kälbern die Hörner. Die Mutter säugt das Kalb ein halbes Jahr, es bleibt aber auch danach nahe bei seiner Mutter.

Vom Hobby zum Geschäft

Im Umgang mit den afrikanischen Steppentieren zählt laut Christoph Kläusler vor allem der Faktor Zeit. Die Tiere reagieren sofort auf Unruhe. Hunde nehmen sie gar als Todfeinde wahr. «Wenn es ein Hund wagen würde, ins Gehege zu schleichen, würde er innert kürzester Zeit von den Antilopen getötet», weiss Marco Jäger. Die Zucht der Exoten war für die beiden bisher ein Hobby.

Christoph Kläusler ist Eigentümer des Mooshaldenhofes mit 33 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Daneben hält er 14 Mutterkühe und produziert Natura-Beef. Er betreibt Ackerbau mit Raps, Winterweizen und Mais und zum Betrieb gehört auch eine Hektare Reben. Aus­serdem arbeitet er Teilzeit als Lagerist. Der Ideengeber der Antilopenzucht, Marco Jäger, arbeitet als Disponent. Bisher investierten beide viel Geld in Stall, Gehege und Kauf der Tiere. Das hätten sie bisher aus lauter Freude an der Antilopenzucht finanziert, betonen beide.

57 von 60 Steaks verkauft

Trotz aller Tierliebe haben sie bisher die männlichen jungen Antilopen schiessen und schlachten lassen und ihr Fleisch an Privatkunden und an ein Res­taurant verkauft. «Steaks und Filet verkaufen sich am besten», weiss Christoph. Nach der letzten Schlachtung lieferte er 60 Steaks, am gleichen Abend konnte der Wirt 57 Teller mit diesen exotischen Steaks verkaufen. Das zeigt, die Nachfrage wäre da. «2021 wollen wir mit der Antilopenzucht schwarze Zahlen schrei­ben», betont Jäger.

Im Stall hat es Platz für 36 Tiere, wobei Jungtiere bis sechs Monate zur Mutter gezählt werden. Ihr Ziel ist es, zehn Elenantilopenkühe zu halten. Beworben wird der Fleischverkauf in den Sozialen Medien, dies erledigt Miriam, Marco Jägers Freundin. Die Übersicht über die Antilopen-Finanzen behält Christoph Kläuslers Freundin Andrea. Aus der Bieridee könnte so ein neues Geschäftsmodell werden.

Weitere Informationen zur Antilopenfarm: hier.