Auf dem Betriebslogo stehen «Familie Sperisen im Grot Grenchen» und der Slogan «natürlech und nöch – wo Mönsch und Tier diheime si». Im Grot steht seit Sommer 2025 auch der neu gebaute Milchviehstall. Im grosszügigen, hellen Laufstall ist Platz für rund sechzig Tiere. Viele Vorgänge sind, so weit wie möglich, automatisiert. Der neue Stall ist 55 Meter lang und 27 Meter breit. Die Güllegrube unter dem Laufhof fasst 1250 m³. Neben dem Stall stehen sieben Hochsilos mit rund 1080 m³ Inhalt. Das Gebäude ist mit einem Hallenkran ausgerüstet. Geplant wurde der Neubau von der Krieger AG.
Der Stall und die Anzahl Tiere wurden der Betriebsgrösse angepasst. Für die Planung wurde mit einem Milchpreis von 50 Rp/kg Milch gerechnet. Die Bauernfamilie ist Emmi-Direktlieferant. Die Milchabnehmerin ist mit der zunehmenden Milchmenge einverstanden. Das Lieferrecht wird jetzt laufend erhöht, von heute 280 000 kg/Jahr auf über 450 000 kg im nächsten Jahr.
Keine Einsprachen trotz naher Wohnquartiere
Das Bauvorhaben wurde nicht bestritten und konnte innert eineinhalb Jahren realisiert werden – und das in Rufdistanz zu Wohnquartieren der Gemeinden Grenchen und Lengnau. Die Motivationen für dieses Projekt waren die Flexibilität in der Arbeitsbelastung, die Arbeitsproduktivität, das Tierwohl und die Tatsache, dass der bestehende Stall sanierungsbedürftig war. Dazu kommen das Tierwohl und der Tierkomfort. Die betrieblichen Abläufe wurden optimiert, körperliche Arbeit durch mehr Technik ersetzt – was auch der Gesundheit zugutekommt.
Füttern in ungewohnter Stille
Die Kühe werden am Futtertisch mit einer ausgeglichenen Totalmischration (TMR) gefüttert. Der Futtertisch ist für alle Tiere frei zugänglich, und das ohne Selbstfanggitter – das führt zu einer ungewohnten Stille im Stall, da das Klappern der Selbstfangbügel fehlt. Diese Ruhe überträgt sich auf die ganze Herde. Die Tiere, ob beim Fressen, Liegen, Wiederkauen oder Melken, wirken entspannt.
Tamara Schär geniesst die Ruhe und bezeichnet sie als eine wesentliche Qualität des Stalles. Mehrmals täglich schiebt der Futterschieberoboter Lely Juno das Futter nach. Für die Separation von Kalberkühen, kranken oder stierigen Tieren stehen vier Liegeboxen und eine grosszügige Abkalbebox zur Verfügung. Im Fressgitter können die Tiere dort auch fixiert werden.
In den Liegeboxen liegt eine Mischung aus Kalk und Stroh
Die Liegeboxen sind mit einer Kalk-Stroh-Mischung eingestreut. Die hohe Belegung der Boxen zeigt an, dass es den Tieren wohl ist. Die Laufgänge werden vom Mistroboter Lely Discovery Collector permanent sauber gehalten – das sieht man den sauberen Tieren an. Dazu tragen natürlich auch die automatischen Viehbürsten bei. Alle Tiere tragen einen Responder am Halsband, mit dem sie vom Roboter und vom Weidetor Lely Grazeway erkannt und identifiziert werden. Ab nächstem Jahr wird der Weidegang von Sperisens Kühen damit gesteuert werden. Dieses System ist vernetzt mit dem Melkroboter.
Der erste Melkroboter seiner Art
Gemolken werden die Kühe vom Melkroboter Lely Astronaut A5 Next, dem ersten seiner Art in der Schweiz. Das neueste Modell aus dem Hause Lely ist mit einem komplett neuen Betriebssystem ausgestattet. Zudem wird der Laser am Roboterarm durch eine Kamera ergänzt – sie bringt sozusagen das Auge des Bauern unter die Kuh. Diese unterstützt den Bauern bei der Bonitur der Zitzen und damit bei der Wahl der passenden Zitzengummis für seine Herde. Zudem kann sie die Zitzenkondition bestimmen.
Die Tiere erhalten bei jedem Melkvorgang Leistungsfutter als Anreiz. Der Roboter erlaubt den Tieren, abhängig von der Milchleistung, mehrere Melkdurchgänge. Durchschnittlich werden Sperisens Kühe dreimal in 24 Stunden gemolken. Kühe, die den Roboter ohne Melkanrecht aufsuchen, werden von diesem abgewiesen und passieren ihn, ohne den Tierverkehr zu stören. Die Rinder werden früh in die Herde integriert und laufen mit. Der Melkroboter hat ein spezielles Programm, um die Jungtiere anzugewöhnen. Sie erhalten dabei eine kleine Ration Leistungsfutter, und der Roboter macht dazu leichte Bewegungen mit dem Arm.

Der Roboter separiert die Milch von frischgekalbten Kühen. Separierte Milch gelangt vom Roboter in das «Lely Milk for Use». Besonders die Kolostrumqualität soll von der schonenden Behandlung profitieren und den Kälbern somit den bestmöglichen Start ermöglichen. Die normale Milch passiert den «Lely Automatic Milk Filter» – eine Weltneuheit, die sich selbst reinige, den Filterwechsel unnötig mache und das Milchsystem permanent geschlossen halte – bevor sie in den Kühltank gelangt.
Vollkosten für alle Apparate von rund 100 Franken pro Tag
Der Strom für all diese Maschinen wird von einer PV-Anlage mit 75 kW Leistung selbst produziert und mit einer 80-kW-Batterie auch gespeichert. Gemäss Remo Stalder vom Lely Center betragen die Vollkosten aller Lely-Apparate von Sperisens rund 100 Franken pro Tag. Darin seien Energie, Unterhalt und mögliche Reparaturkosten enthalten. Daneben entstehen noch andere Kosten wie Futterproduktion, Hofdüngerkosten, Remontierung usw.
Das Wichtigste ist und bleibt die Betriebsleiterfamilie
Damit die Kühe das ganze neue Laufstall-System kennenlernen konnten, wurden sie von Familie Sperisen während fünf Tagen zum Melken in den alten Anbinde-Stall geführt. Auch den Melkroboter mussten die Tiere kennenlernen, was hie und da auch zu Tritten und Schlägen gegen den Roboterarm führte.
Bruno Sperisen meint dazu: «Das Material ist extrem robust, denn die Schläge richteten keine Schäden an.» Sehr schnell hätten sich die Tiere aber an die Technik und die damit verbundenen Freiheiten gewöhnt. Heute besuchen alle Kühe den Roboter freiwillig und selbstständig und müssen nicht mehr geholt werden – ausser bei Neuzugängen und frisch abgekalbten Kühen.

Familie Sperisen ist stolz auf den neuen Milchviehstall und die umfangreiche Technik darin. Mit Freude und grossem Engagement betreuen sie ihre Kuhherde. Durch die Elektronik werden von jedem Tier täglich viele Daten erhoben: vom Wiederkauen über das Bewegungsverhalten und beim Melken die Temperatur des Tieres, die Zellzahl, die Leitfähigkeit, der Fett- und der Eiweissgehalt, die Farbe der Milch usw. Diese Daten stehen den Nutzern über ihr Mobiltelefon jederzeit zur Verfügung. Dank der entsprechenden Mitteilungen auf dem Handy könnten gesundheitliche Probleme eines Tieres schon früh erkannt werden.
Tamara Schär ist ausgebildete Landwirtin und Agrotechnikerin und beherrscht die Stalltechnik und das Herdenmanagement genauso souverän wie ihr Mann Marco oder Schwiegervater Bruno. Das Ziel der Familie sind gesunde Kühe, die gut laufen, problemlos abkalben und rechtzeitig wieder trächtig werden – damit sie den Tierarzt möglichst wenig sehen müssen.
Tag der offenen Tür im März 2026
Um der Öffentlichkeit das Projekt vorzustellen, wird Familie Sperisen ein Wochenende der offenen Tür durchführen. Am Samstag und Sonntag, 21. und 22. März 2026, werden Interessierte die Gelegenheit haben, den neuen Stall und die Abläufe darin zu besichtigen.
Betriebsspiegel GG Sperisen
Bruno und Bertha Sperisen, Marco Sperisen und Tamara Schär mit Mia, Zoë und Rio LN: 57 ha Ackerbau: 9 ha Mais, 9 ha Weizen, 5 ha Zuckerrüben, 4 ha Raps. 4 ha Gerste, 12 ha Kunstwiese Tierhaltung: 42 Milchkühe mit Ausbau auf 60 Kühe, eine kleine Herde Walliser Schwarznasenschafe, Legehennen im Hühnermobil Milchabnehmerin: Emmi-Direktlieferant, 450 000 kg/Jahr ab 2026
Lely Schweiz
Gemäss Remo Stalder vom Lely Center ist die Firma Lely bei den Melkrobotern in der Schweiz Marktführer. In der Schweiz laufen schon über tausend Lely Astronaut Melkroboter.




