Im April 2021 ging der Grüne-Regierungsrat und Zürcher Baudirektor Martin Neukom in die Offensive und präsentierte die sogenannte «Potenzialkarte für die Umsetzung von Massnahmen für ökologische Aufwertung und ökologische Ersatzflächen». Das Ziel: Flächen, welche bereits im Naturschutzgesamtkonzept 1995 erwähnt waren, sollen als Biodiversitäts-Hotspots gesichert werden.
1,8 Prozent der Landwirtschaftsflächen betroffen
Eruiert wurden einstige entwässerte Moore und Feuchtgebiete, die das grösste Regenerationspotenzial aufweisen. 1‘300 ha (1,8 Prozent der Zürcher Landwirtschaftsfläche) sollen mittelfristig zu artenreichen Mooren überführt werden. Ein beachtlicher Teil dieser als «prioritäre Potenzialflächen für Feuchtgebiete» eingetragenen Flächen befinden sich im Zürcher Weinland und erstrecken sich über bestes Ackerland.
«Im vergangenen Sommer zeigten sich die Vorzüge dieser Flächen, indem die Kulturen trotz Trockenheit auch ohne Bewässerung bestens gewachsen sind.»
Reto Studer, betroffener Junglandwirt aus Benken

Petitionen in Andelfingen und Hinwil
Reto Studer gehört der IG Pro Kulturland an, die am 14. Dezember 2022 an eine Medienorientierung vor Ort eingeladen hatte. Der kantonsweite bäuerliche Widerstand wird von Elmar Hüppi koordiniert und anführt. Mit Trassierband hatten die betroffenen Bauern im Vorfeld der Medienkonferenz den geplanten Perimeter im Benkener Riet markiert, um das enorme Ausmass aufzuzeigen.
Auch in der regionalen Politik formiert sich Widerstand. So hat die SVP des Bezirks Andelfingen eine Petition lanciert, die bereits von über 4‘000 Personen unterschrieben wurde. Die Bezirkspartei will damit Druck auf den Zürcher Regierungsrat ausüben, um diesen enormen Kulturlandverlust zu stoppen und die wertvollen Ackerflächen mit Blick auf die Versorgungssicherheit zu erhalten. In der Zwischenzeit ist analog zum Weinland eine gleiche Petition der SVP im Bezirk Hinwil gestartet worden.

Die SVP-Kantonsräte Paul Mayer und Daniel Wäfler sowie EDU-Kantonsrat Erich Vontobel haben eine parlamentarische Initiative eingereicht, um mit dem langfristigen Erhalt von Drainagen die Versorgungsgrundlage zu gewährleisten. Konkret soll das Planungs-und Baugesetz wie folgt ergänzt werden:
«Systemisch entwässerte landwirtschaftliche Nutzflächen sind in ihrer Fähigkeit zur Nahrungsmittelproduktion zu erhalten und der langfristige Werterhalt der Drainagesysteme ist zwingend.»
Wortlaut der Parlamentarischen Initiative von Daniel Wäfler, Paul Mayer und Erich Vontobel
Landbesitzer wurden nicht informiert
Paul Mayer machte am Medienanlass deutlich, dass jetzt politischer Druck nötig ist, um das Projekt zu stoppen. «Für eine sichere Zukunft in Freiheit brauchen wir auch eine Ernährungssicherheit. Dazu brauchen wir aber funktionierendes Ackerland», führte Mayer aus. Mit Blick auf die globale Ernährungssituation forderte er, dass auch die Schweiz ihren Beitrag dazu leisten muss und die Selbstversorgung steigert.

Über das Handeln des Kantons und des Baudirektors Martin Neukomm zeigte er sich enttäuscht. Insbesondere ärgere es ihn, dass Potenzialflächen für Feuchtgebiete vernässt werden sollen, ohne dass die Landbesitzer informiert wurden.
«Der Kanton Zürich will bestes Kulturland wieder verwässern lassen. Hier am Standort Benken sind es zwischen 20 bis 25 Hektaren.»
Paul Mayer, SVP Kantonsrat aus Marthalen
Er sprach sogar von einer «kalten Enteignung». Die SVP-Kantonsratskandidatin Andrina Trachsel zeigte für die Absichten der kantonalen Baudirektion ebenfalls kein Verständnis. Sie unterstrich die Bedeutung der fruchtbaren Ackerflächen.
Auswirkungen wären für Betroffene gross
Stefan Stutz, SVP-Kantonsrat, warnte davor, dass man versuche, mit zu Naturschutzflächen umgenutzten Kulturlandflächen eine heile Welt zu schaffen, und zur Kompensation einfach mehr importiere. Der Benkener Gemeinderat Peter Studer verwies darauf, dass es in Benken zahlreiche Landbesitzer und Bewirtschafter gibt, die mit den direkten Auswirkungen auf ihre Betriebe zu kämpfen hätten.
Elmar Hüppi von der IG Pro Kulturland machte seinem Ärger Luft, indem er das Vorgehen der zuständigen Ämter und Behörden scharf kritisierte. Er sprach von einem grossen Vertrauensverlust. «Bereits der Eintrag im GIS führte zu einer Entwertung des betroffenen Kulturlandes.»

